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Von P. Blechschmidt

Der Kommandeur unfähig, die Deutschen Feiglinge: Die von der Nato lancierten Details über den Luftangriff sind für die Bundeswehr verheerend.

Oberst Georg Klein, dpa

Der Kommandeur des Bundeswehr-Lagers in Kundus: Oberst Georg Klein gab den Feuerbefehl. (Foto: dpa)

Dieser Bericht ist ein Desaster für die Bundeswehr, aber auch für die Regierung in Berlin. Haarklein beschreibt ein Reporter der Washington Post in der Sonntagsausgabe, wie es in der Nacht zum Freitag nahe der nordafghanischen Stadt Kundus dazu kam, dass US-Kampfflugzeuge auf deutsche Anordnung hin zwei Tanklastwagen bombardierten und mehr als 50 Menschen töteten.

Der Artikel lässt den deutschen Kommandeur in Kundus, der den Feuerbefehl gab, als unfähig und die Deutschen insgesamt als Feiglinge erscheinen. Besonders bitter für die Deutschen muss es dabei sein, dass der Reporter mit ausdrücklicher Billigung des amerikanischen Oberkommandierenden in Afghanistan, des Generals Stanley McChrystal, recherchieren konnte. Sogar an den Besprechungen einer von McChrystal entsandten Untersuchungskommission mit den Deutschen durfte der Reporter teilnehmen.

 
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Laut Washington Post hatte Oberst Georg Klein, der militärische Leiter des Provinz-Wiederaufbauteams (PRT) in Kundus, am Donnerstagabend die Besatzung eines amerikanischen B1-Bombers gebeten, nach zwei gestohlenen Tanklastern Ausschau zu halten. Die Laster waren an einer fingierten Straßensperre von Taliban entführt worden. Kurz nach Mitternacht, so die Post, entdeckte die Bomber-Crew die beiden Fahrzeuge, die auf einer kleinen Insel im Fluss Kundus, rund sieben Kilometer südlich des PRT, festsaßen. Die Beobachter berichteten, einige Leute im Umfeld der Lastwagen trügen Panzerfäuste und Handfeuerwaffen.

Der Bomber musste kurz danach abdrehen. Klein orderte ein neues Flugzeug mit der Begründung, der Vorfall stelle eine unmittelbare Bedrohung dar. Laut Post sagte Klein später zu den Nato-Ermittlern, er habe das Gefühl gehabt, die Taliban würden Polizeistationen oder sogar das PRT angreifen, wenn man sie mit den Lastwagen entkommen lasse.

20 Minuten nach der Anforderung der Luftunterstützung durch Klein erreichten zwei F-15-Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe den Kundus-Fluss. Sie sendeten ein Live-Video an Kleins Einsatzzentrale im PRT. Dort sah man die beiden Lastwagen und Dutzende Leute drumherum. Zur selben Zeit telefonierte Kleins Geheimdienstchef mit einem afghanischen Informanten, der die Szene beobachtete und versicherte, dass alle Leute in der Nähe der Lastwagen Aufständische seien. Diese Information und die Video-Bilder aus den F-15 hätten hundertprozentig zusammengepasst, sagte Klein den Nato-Ermittlern. Gegen 2:30 Uhr ordnete der Oberst die Bombardierung an, zwei Minuten später standen die Laster in einer Flammenhölle. Niemand in der Umgebung hatte eine Überlebenschance.

Auch am Sonntag beharrte das Verteidigungsministerium darauf, bei dem Angriff seien nur Aufständische getroffen worden. Angesichts der Fülle von Zeugenaussagen dürfte jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass auch Bewohner eines nahen Dorfes getötet wurden, die sich an dem Benzin aus den Lkws bedienen wollten. Auch McChrystal, der am Samstagnachmittag selbst die Stelle des Bombardements inspizierte, sagte, es sei klar, dass Zivilisten betroffen seien.

Inzwischen korrigierte das Verteidigungsministerium seine Darstellung vom Freitag, dass zwischen der Entführung der Laster und der Bombardierung nur 40 Minuten vergangen seien. Vielmehr seien die Lkws zwischen 21 und 22 Uhr gekapert und gegen Mitternacht entdeckt worden. Den Feuerbefehl habe Klein um 1:49 Uhr gegeben. Das Ministerium widersprach der Version der Post, Klein habe nur auf der Grundlage einer einzigen Quelle gehandelt.

Weiter hieß es in der Post, aus Furcht vor Angriffen hätten die Deutschen erst im Tagesverlauf Soldaten an den Kundus-Fluss geschickt. Sie hätten die Nato-Ermittler zunächst auch an einer Untersuchung vor Ort gehindert. Diese Seitenhiebe werden in der Bundeswehr als bewusste Provokation der Amerikaner aufgefasst, die sich damit für deutsche Kritik am rüden Vorgehen der US-Soldaten revanchieren wollten. Sie stützen auch die Vermutung, dass die Amerikaner auf größeren Einfluss im Norden dringen, um dort ihre Nachschubwege zu sichern.

(SZ vom 07.09.2009)

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Leserkommentare (70)



07.09.2009 18:36:07

JaAber: @ SZ, P.Blechschmidt

Danke für diesen Beitrag. Jedoch bleiben viel Aspekte des Vorgangs offen oder unberücksichtigt.

Die gesamte Sachlage ist bislang noch sehr undurchsichtig und widersprüchlich und verschiedenste Beteiligte am Konflikt dürften die unterschiedlichsten Interessen an der Ausfilterung, Beeinflussung oder Fälschung der Informationen über die tatsächlichen Ereignisse und Folgen haben. Daher halte ich es für fahrlässig und im juristischen Sinn eigentlich auch unzulässig, den maßgeblich involvierten deutschen Einsatzleiter hier öffentlich mit Bild vorzuführen, für alles verantwortlich zu machen und der Vorverurteilung auszusetzen.

Mein Mitleid gilt allen unschuldigen Opfern des Bombardements. Genaugenommen schätze ich aber auch den Einsatzleiter als Opfer des Afghanistan-Konfliktes ein. Zumindest, solange der Fall nicht wirklich und einigermaßen objektiv aufgeklärt ist.


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