Von Titus Arnu

Abzocke mit esoterischer Pseudoberatung? Thomas Hornauer hat mit Erotik-Clips Millionen verdient - nun will er mit einem spirituellen Kanal Kasse machen.

hornauer

Der schwafelnde Schwabe wirkt auf den ersten Blick unterhaltsam, macht einem aber auch ein bisschen Sorgen: Thomas Hornauer. (Foto: dpa )

Spät abends, wenn die Tigerente, das Sandmännchen und Bernd das Brot friedlich schlafen, wird es erst so richtig lustig auf der Satellitenfrequenz des Kinderkanals. Von 21 Uhr an trommelt Thomas Hornauer vor der Kamera, und seine "telemedialen Freunde" tanzen dazu. Danach wird es gruselig: Eine Zuschauerin erzählt am Telefon mit bebender Stimme von "erdnahen Dämonen und anderen Monstern".

Thomas Hornauer, ein Schwabe mit rundem Gesicht und langen, dünnen, hellen Haaren, schaut lange in die Kamera und schweigt. Währenddessen hört man die Anruferin schwer in den Hörer atmen. "Danke, du hast einen neuen Qualitätspflock eingeschlagen, du hast uns alle ein Stück weitergebracht", bedankt sich Hornauer bei der Frau. Den Sender Telemedial hat der Anruf vor allem finanziell ein Stückchen weitergebracht. Ein Gespräch mit dem Moderator kostet mindestens 1,99 Euro - pro Minute.

Man könnte kritisch anmerken, der frei empfangbare Satellitensender betreibe auf besonders dreiste Weise Abzocke mit esoterischer Pseudoberatung, aber das wäre wahrscheinlich zu oberflächlich gedacht. Thomas Hornauer, 46, Erfinder, Besitzer, Moderator und selbsternannter geistiger Übervater von Kanal Telemedial, versteht sein Programm mindestens als eine neue Dimension von Fernsehen, als "spirituelle Lebensschule", wenn nicht gar als Grundlage für eine "neue internationale Religion". Skeptikern gegenüber beteuert er: "Ich tue nur Gutes!"

Reichtum, der von innen kommt

Zunächst einmal will der kuriose Selfmade-Guru das Geld der Zuschauer. Hornauer drückt das natürlich anders aus: "Ich erwarte von unseren Kunden einen materiell-spirituellen Energieausgleich." Und das funktioniert so: Wer das Gefühl hat, er möchte dem Sender etwas von dem zurückgeben, was er spirituell über Satellit empfangen hat, der ist dazu aufgerufen, einen Energieausgleich zu leisten, indem er eine teure 0900-Telefonnummer anruft oder ein Überweisungsformular ausfüllt. Ein Anruf kostet mindestens neun Euro, Hornauer empfiehlt regelmäßigen Zuschauern einen "Energieausgleich" von 50 Euro pro Monat.

Für diese freiwillige Spende darf das Publikum dann live miterleben, wie Thomas Hornauer am E-Piano improvisiert und dazu den selbstgebastelten "Energieausgleich-Song" vor sich hin brummt. Manchmal legt er sich auch auf den Boden des Studios, faltet die Hände wie zum Gebet und ruht sich eine Runde lang aus.

Meistens aber führt er am "Orange Table" mit seinen telemedialen Freunden merkwürdige Gespräche. Über menschliches Bewusstsein: "Dein Körper ist das Auto, und du bist der Fahrer, deine Füße sind die Reifen, dein Verstand sitzt auf dem Rücksitz." Über Schwule: "Wenn du das Ding an der falschen Stelle reinstecksch, dann isch es um. Des isch gefährlich. Des isch echt kritisch." Über die "Transformationszeit des Universums": "Eine Zeit, in der viele Fische im Wasser hängen und andere Fische zu Engeln, Drachen und Adlern transformieren."

Der schwafelnde Schwabe wirkt auf den ersten Blick recht unterhaltsam, macht einem aber auch ein bisschen Sorgen. "Er versucht, sich als Guru aufzubauen", sagt Axel Dürr, Sprecher der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK), "er hat zwar kein Charisma, aber eine Mission."

Aber wieso ist so etwas frei im Fernsehen zu empfangen? Zumal Thomas Hornauer für die Medienaufsichtsbehörden kein Unbekannter ist - 2004 hatte ihm die Lfk die Lizenz für seinen von Ludwigsburg aus betriebenen Regionalsender BTV4U nicht verlängert, weil er wichtige Auflagen nicht erfüllt hatte. Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart untermauerte diese Entscheidung. In der Urteilsbegründung hieß es, der Unternehmer habe den Sender für persönliche Zwecke missbraucht, er neige zu Allmachtsphantasien und sei nicht in der Lage, private Überzeugungen von seiner Verantwortung als TV-Veranstalter zu trennen. Die Richter bezogen sich auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter, die berichtet hatten, dass Hornauer verlangt habe, über angebliche Wunder zu berichten und ausschließlich positive Nachrichten zu senden. Der Stuttgarter Zeitung zufolge soll Hornauer enge Kontakte zur umstrittenen Wankmiller-Sekte gepflegt haben, einer obskuren Öko-Kommune, die ihr Zentrum in Füssen/Allgäu hat. Hornauer weist dies zurück.

Heilkräfte aus dem Darm

Seit Dezember 2007 besitzt der gelernte Gießer aus dem Örtchen Plüderhausen eine Genehmigung der österreichischen Lizenzbehörde KommAustria für die europaweite Satellitenverbreitung seines TV-Angebots. Die Genehmigung gilt für zehn Jahre. Um die Lizenz beantragen zu können, hat Hornauer die Primetime Privatrundfunk GmbH in Wien gegründet, eine von vielen Firmen seines kleinen Imperiums. Mit seiner Firma Telekontor verdiente er Millionen, indem er Erotik-Clips für Privatsender produzierte. Der Neureiche mietete sich eine Vip-Lounge im Stuttgarter Daimler-Stadion und baute sich eine Villa mit angeblich beheizbarer Auffahrt.

Wie passt das Geschäft mit der Erotik zum Guru-Image, das sich Hornauer neuerdings zulegt? Wenn man Hornauer richtig versteht, sieht er das Projekt Telemedial als Heilungschance - auch für sich selbst: "Ich möchte durch die Sache gestärkt werden." Der Orange Table, eine Art Live-Gruppentherapie, werde bei den Beteiligten zur "Selbstveredelung der spirituellen Qualität" führen. Man könnte es auch "Learning on the job" nennen, denn kaum einer der Teilnehmer ist ein Profi.

Das gehört zur "telemedialen Idee": Hornauer ruft die Zuschauer dazu auf, sich an der Sendung zu beteiligen und im Studio zu arbeiten - ehrenamtlich, versteht sich. Es geht ja um eine gute Sache. Die Kosten für die Satelliten-Übertragung belaufen sich schließlich auf geschätzte vier Millionen Euro jährlich. 450 freiberufliche Berater beschäftigt Hornauer nach eigenen Angaben. Die Einnahmen reichen laut Hornauer längst nicht aus, deshalb besteht das Programm in letzter Zeit hauptsächlich aus dringlichen Aufrufen, doch bitte endlich den "Energieausgleich" zu leisten.

Die schönsten Szenen aus Kanal Telemedial sind längst gratis bei Youtube zu sehen. In einem sehr originellen Ausschnitt erklärt Thomas Hornauer, wie man aus heißer Luft spirituellen Nutzen zieht. Er rät einer Anruferin, sie solle ihre Blähungen einfangen und diese in ein Labor senden. Heute könne die Wissenschaft alles feststellen, möglicherweise habe sie Heilkräfte in ihren Darmwinden - auch eine Art Energieausgleich.

(SZ vom 27.3.2008/rus)

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Leserkommentare (18)



04.04.2008 15:40:15

bumschakala: Skuril? Mehr als nur das...

Insgesamt steht es natürlich jedem frei, die erbetenen (erbettelten?) Energieausgleiche wahrzunehmen - die Kosten dafür werden ja klar und offen genannt. Jedoch fängt es langsam an bedenklich zu werden - denn selbst "sozial Schwache" Zuschauer können ihr "Gewissen erleichtern" in dem Sie Herrn Hornauer ab sofort Gegenstände schicken die er dann in Kooperation mit einem Auktionshaus versteigert. Mit anderen Worten: Wer aus welchen Gründen auch immer Kanal Telemedial schaut und sich in der Tat ein schlechtes Gewissen einreden lässt und kein Geld hat, kann dem Hornauer die vom Opa geerbte Uhr oder andere Sachen schicken. Klingt für mich nach einer sehr modern-bedenklichen Form der Wegelagerei.

Inzwischen ist das ganze nicht mehr nur mit einem Schmunzeln ob der Skurilität zu betrachten, hier sind die Grenzen zur öffentlichen Verletzung der Menschenwürde schon lange überschritten. Warum Herr Hornauer durch sein Verhalten seine eigene "Idee" zerstört wissen nicht einmal die, die bisher noch an diese "Idee" geglaubt haben - Herrn Hornauer dazu zu befragen bringt wenig, weil: "Du langweilst mich, wirf den Anrufer raus! Ich lass mir nicht sagen wie ich meine Idee umzusetzen habe!"

Jeder kritische Zuschauer sollte die Chance wahrnehmen und Kritik an den richtigen Stellen äussern. Ob bei der "KommAustria" als übergeordnete Ausichtsbehörde, ob bei der Bundesbank aufgrund der von Herrn Hornauer erfundenen Währung "Deutsch-Markt" oder auch aufgrund klarer Beleidigungen gegen Personen und/oder bestimmte Gruppierungen.

Falls erlaubt möchte ich hier kurz eine Adresse benennen, die sich mit Herrn Hornauer kritisch beschäftigt:

www.Heimlichgucker.de

Diese Seite steht in keinem Zusammenhang mit der Süddeutschen Zeitung!

Vielen Dank.


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