Von Gerhard Matzig

Vom Ende der Bauten mit dem Wow!-Faktor: Das ikonische Bauen der Stararchitekten könnte zum Kollateralschaden der Finanzkrise werden.

lloyd's in london ; dpaBild vergrößern

Signet-Architektur: Lloyd's of London, von Richard Rogers Foto: dpa

Gestern, am Mittwoch, wurde bekannt, dass BMW angesichts eines drastischen Gewinnrückgangs in diesem Jahr 65.000 Fahrzeuge weniger als geplant produzieren wird. Weniger bekannt sein dürfte dagegen das Interview mit dem britischen Architekten David Chipperfield, das am gleichen Tag von Bloomberg.com veröffentlicht wurde. Wobei der zeitliche Zufall viel zu schön und zu interessant ist, um nicht auch eine Koinzidenz anderer Art zu beinhalten.

Denn Chipperfield sagt in diesem Interview - als Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise - das Ende der "Architektur mit dem Wow!-Faktor" voraus. Also das Ende von Häusern, die man seit einigen Jahren so heftig diskutiert, dass die Debatten schon allerlei weiches Vokabular entstehen ließen. Wow!-Faktor-Bauten kennt man auch unter den gleichfalls unscharfen Begriffen "Corporate Architecture", "ikonisches Bauen", "Signet-Architekturen" oder "Signature Buildings". Häuser sind das, die so identitätsstiftend und unvergleichlich sein sollen wie eine persönliche, charaktervolle Unterschrift. Der Bau ist das Ereignis, die Baukultur ist die der Eventgesellschaft. Wow eben.

Wie dynamisch werden die Ikonen des Dauerhaften sein?

Man denke zum Beispiel an die "BMW-Welt", entworfen von den österreichischen Architekten Coop Himmelb(l)au, die vor fast genau einem Jahr in München eröffnet wurde. Gekostet hat das Erlebnis- und Auslieferungszentrum - offiziell - 500 Millionen Euro. Konzipiert wurde der riesenhafte, durchaus ansehnliche Bau für jährlich 850.000 Besucher.

Um aber auf die Koinzidenz zurückzukommen: Wenn BMW nun sehr viel weniger Autos produziert und sehr viel weniger auszustellen hat - was bedeutet das für ein ganz bewusst offen, ja wie ein Marktplatz konzipiertes Gehäuse, das darauf angelegt ist, die Übergabe eines Autos als gemeinschaftliches Ritual und kulturelle Übereinkunft fast in Form einer heiligen Eheschließung zu zelebrieren? Oder kann man sich Elektro-Minis anstelle PS-mächtiger 7er-BMWs vorstellen? Wenn eine Branche vor einem Paradigmenwechsel steht - als wie dynamisch werden sich dann ihre Ikonen des Dauerhaften erweisen?

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