Reisetipps Niederlande

Auftakt Niederlande Was für ein Land!

Weitläufige Strände und unzählige Flüsse, Kanäle und Seen: In den Niederlanden treffen Strandurlauber und Wassersportler auf geradezu paradiesische Bedingungen. Das flache Land besitzt zudem eine tolle Infrastruktur an Radwegen. Kunstinteressierte erfreuen sich an weltberühmten Bildern, an Delfter Fayencen und zeitgenössischem Design, an historischen Patrizierhäusern und innovativer Architektur. Spuren der alten Seefahrerromantik und moderne Containerhafenanlagen vermitteln einen Hauch von Abenteuer und Fernweh, und exotische Straßenbilder ergänzen das klassische Tulpen-Käse-Windmühlen-Erlebnis.

„Wenn ich an Holland denke, sehe ich breite Flüsse träge durch unendliches Flachland fließen.“ Die erste Strophe dieses Gedichts von Hendrik Marsman kennt jedes niederländische Schulkind. Wasser spielt in diesem Land eine wichtige Rolle - das von oben und das Wasser in den zahlreichen Flüssen und Seen, Grachten und Kanälen, die das Land wie ein feinmaschiges Netz überziehen. Schließlich strömen hier der aus Deutschland kommende Rhein und die Maas aus Belgien quer durchs Land, um bei Rotterdam ins Meer zu münden.

Diese beiden Flüsse trennen die Niederlande gleichsam in zwei Teile. Während die Bevölkerung in den Gebieten boven de grote rivieren (oberhalb der großen Flüsse) hauptsächlich protestantisch geprägt ist, gelten die Menschen im katholischen Süden (beneden de grote rivieren) als Lebensgenießer, die gerne gut essen und trinken, Karneval feiern und im Allgemeinen unbeschwerter sind als die Bewohner der Nordprovinzen.

Wichtig ist auch die Nordsee, deren Strände eine große Anziehung auf die Touristenschar ausüben. Aber die Niederländer mussten sich immer auch vor dem Wasser schützen, denn Teile des 42000 km² großen Gebiets der Niederlande liegen unter dem Meeresspiegel. Im Mittelalter bauten die Menschen ihre Behausungen auf Erdhügeln, die sie untereinander mit Dämmen und Deichen verbanden. Trotzdem kam es immer wieder zu Flutkatastrophen. Ein besonders schwerer Orkan verursachte 1916 so immense Schäden, dass man sich entschloss, die Zuiderzee mit einem Damm abzuschließen, der die ehemalige Meeresbucht in den Süßwassersee IJsselmeer verwandelte. (Die niederländische zee entspricht dem deutschen Meer, während meer einen See meint.) Der zweispurige, 30 km lange und 90 m breite Afsluitdijk mit großzügigen Radwegen und einer Durchfahrtmöglichkeit für Schiffe wurde 1932 eröffnet.

In all den Jahrhunderten haben sich die Niederländer nicht nur gegen die Fluten gewehrt, sondern rangen dem Wasser auch immer wieder Land ab. Sie haben Seen trockengelegt, mit Hilfe von Windmühlen Wasser aus den unter dem Meeresspiegel liegenden Gebieten abgepumpt und Teile des IJsselmeers eingepoldert. Manche städtische Ansiedlung befindet sich jetzt dort, wo einst Wasser war. Typisch für die Polderlandschaft ist nicht nur das Topfebene, sondern auch der weite Horizont, der charakteristisch für das ganze Land ist. Allerdings ist es nicht überall so platt: Im südlichsten Zipfel, beim deutsch-holländisch-belgischen Dreiländereck in der Provinz Limburg, erheben sich sanfte Hügel.

Der kulturelle, historische und wirtschaftliche Schwerpunkt des Landes liegt in Holland, womit streng genommen nur die beiden westlichen Provinzen Noord- und Zuid-Holland gemeint sind. Zum Königreich der Niederlande gehören aber außer den Niederländischen Antillen und Aruba in der Karibik (den letzten Überbleibseln der Kolonialmacht Holland) und dem bereits erwähnten Südzipfel Limburg noch neun weitere Provinzen: Friesland und Groningen im Norden, Drenthe, Overijssel und Gelderland im Osten, Flevoland und Utrecht im Zentrum sowie Noord-Brabant und Zeeland im Süden und Südwesten.

Der weite Horizont, so behaupten viele, findet auch in der Mentalität seinen Niederschlag: Hier ist man weltoffen und neugierig und verschließt die Türen nicht vor Fremden. Denn schon immer kamen Unterdrückte aus aller Herren Ländern. Im frühen Mittelalter waren es die portugiesischen Juden, dann die Hugenotten aus Frankreich. Später suchten Chinesen und Immigranten aus den ehemaligen Kolonien in Südamerika und Südostasien hier Zuflucht. Es überrascht daher nicht, dass das niederländische Straßenbild sehr multikulturell wirkt.

Auf Grund der starken Immigration gibt es in den Niederlanden rund 820000 Muslime und mehr als 300 Moscheen. Von den Einheimischen ist mittlerweile aber mehr als die Hälfte konfessionslos. Auf der anderen Seite der religiösen Skala findet man die nach überaus strengen Regeln lebenden Calvinisten. Doch nicht nur diese, auch andere Bevölkerungsschichten haben sich ein Stückchen domineescultuur, Missionsgeist, zu eigen gemacht: Man predigt im Land der Deiche ganz gerne im belehrenden Kanzelton.

Eine große Leidenschaft der Niederländer ist das Verreisen. Während jährlich mehr als 10 Mio. Touristen in die Fahrradmonarchie kommen und hauptsächlich in den Küstenregionen ein Häuschen, eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer beziehen, begeben sich die Einheimischen am liebsten mit dem Wohnwagen auf Reisen. Schon in früheren Jahrhunderten durchkreuzten die reiselustigen Niederländer sämtliche Weltmeere mit ihren großen Segelschiffen. Sie eroberten ferne Länder und handelten mit exotischen Gütern. Im heutigen Indonesien hatten sie sich ein Kolonialreich zugelegt und in Amerika Nieuw-Amsterdam, das heutige New York, gegründet. In erster Linie war es die Vereinigte Ostindische Handelskompanie (VOC), die den Seehandel kontrollierte; sie hat wesentlich zum Reichtum der Republik im 17. Jh. (dem „Goldenen Zeitalter“) beigetragen.

Den sprichwörtlichen Kaufmannsgeist haben die Holländer noch immer im Blut. Diesem ist es zu verdanken, dass sich das flächenmäßig kleine Land auf der Weltbühne so nachhaltig zu behaupten vermag. Die Niederländer besitzen mit Rotterdam einen der größten Häfen der Welt. Es gibt mehrere Multis wie den Nahrungsmittelkonzern Unilever, den Glühbirnen- und Elektronikhersteller Philips oder den Chemiegiganten Akzo Nobel. Im Agrarsektor gehören sie zu den Größten der Welt.

Dieser Handelsgeist hat die Mentalität der Niederländer schon seit dem glorreichen 17. Jh. geprägt: Wer in einem kleinen Land seine Erträge mehren will, muss unerschlossene Märkte entdecken, Neuem gegenüber empfänglich sein und sich anbietende Möglichkeiten unerschrocken nutzen. Bis zum heutigen Tag ist dies zu spüren, etwa in der toleranten Haltung gegenüber Andersdenkenden, alternativen Lebensformen, Drogen oder Homosexualität. Im Land der Deichbauer wird gerne mit den unterschiedlichsten Gesellschaftsformen experimentiert. Es gibt kaum ein Volk, das so schnell auf gesellschaftliche Umwälzungen reagiert und sich so flexibel auf neue Gegebenheiten einzustellen weiß. Das ist nicht weiter erstaunlich, schließlich mussten die Niederländer sich immer wieder anpassen, sei es beim Kampf gegen das Wasser, beim Außenhandel, bei den Einwanderern oder in Religionsfragen.