Reisetipps Loire-Tal

Auftakt Loire-Tal Was für eine Region!

Nirgendwo sonst in Europa sind auf solch engem Raum so viele Herrschaftssitze zu finden wie im Tal der Loire. Die Zuflüsse, die aus der Loire Frankreichs großen Strom machen, sind wie Perlenschnüre, an denen sich Schlösser und Kirchen aller Baustile vom Mittelalter bis zum 19. Jh. aufreihen. Trotz des reichen Erbes halten quicklebendige Städte wie Tours, Angers und Bourges den Anschluss an die Gegenwart und bieten jede Menge moderner Lebensqualität. Geblieben ist an den Ufern des breiten Wasserbandes das Vergnügen an gutem Essen und Trinken. Diese Lust am Genuss teilen die gastfreundlichen Bewohner gern mit ihren Besuchern.

Diese Pracht lässt keinen kalt: 282 Kamine, tausend Türmchen und 426 Räume in einem Haus. Das mächtige Schloss von Chambord steht als Symbol für den ungeheuren Reichtum, den Fürsten, Herzöge und Könige in Mittelalter und Renaissance in das Tal der Loire brachten.

Die Loire, mit einer Länge von über 1000 km größter Strom Frankreichs, Europas letzter wilder, im Unterlauf ab Roanne noch nicht von Staustufen und Kanälen gebändigter Fluss, bietet heute noch den Stoff, aus dem Träume gemacht werden. 2000 wurde er zwischen Sully und Chalonnes von der Unesco zum Welterbe erklärt. Das Tal der Loire und die Ufer ihrer Seitenflüsse wie Cher, Indre, Loir, Sarthe und Vienne sind voller kleiner Kostbarkeiten, die sich aber nur den Reisenden erschließen, die Muße und Neugier mitbringen: das Frühstück in einem kleinen Café mit Blick auf die Loire, die in der Morgensonne funkelt. Das einfache, durch ein Glas Wein aus Chinon oder Vouvray geadelte Mittagessen in einem Dorfrestaurant. Der Spaziergang durch die Wälder der Sologne mit ihren Teichen, über die sich melancholisch stimmender Nebel ausbreitet. Der Sonnenuntergang, der die mächtige Fassade des Schlosses von Amboise hoch über dem Fluss in warme Farben taucht. Oder das opulente Abendmahl, das den Romanfiguren Gargantua und Pantagruel des Dichters François Rabelais (1494-1553) alle Ehre macht. Das sind Momente, in denen Ihnen klar wird, warum Herzöge, Fürsten und Könige diese Landschaft zur Spielwiese ihrer Verschwendungssucht gemacht haben.

Die Fahrt durch das Loire-Tal wird zum Rausch für Kulturreisende: Nach fast jeder Straßenbiegung fällt der Blick auf ein weiteres Schloss oder Schlösschen. Und jedes Gebäude birgt seine eigene Geschichte: Intrigen, Tragödien, Komödien und ausschweifende Feste.

Die heutigen Besitzer der Schlösser und Herrensitze - viele sind weiter in Privatbesitz - haben es schwerer: Die Gebäude müssen erhalten werden. Und so machen sie aus der Not mit dem Erbe der Vorfahren eine Tugend. Nach dem Motto „Ein Tourist bedeutet einen neuen Schieferziegel“ öffnen sich viele Schlösser für die breite Öffentlichkeit. Bis zur Französischen Revolution war es undenkbar, dass das „gemeine Volk“ Quartier in fürstlichen Gemächern nahm, heute richten die Nachfahren Fremdenzimmer, chambres d'hôtes, ein und laden die Gäste an ihre Tafel. Damals übertrumpften sich Herzöge, Fürsten und Könige mit prachtvoller Ausstattung und architektonischen Verrücktheiten. Heute setzt beispielsweise der Marquis de Vibraye in Cheverny auf die Wirkung der Comics „Tim und Struppi“ von Hergé. Der Zeichner hatte das Schloss als Vorbild für Kapitän Haddocks Domizil Moulinsart genommen. Graf de Colbert hat die unterirdischen Festungsanlagen auf Château de Brézé wieder freigelegt und verkauft seinen eigenen Wein im Taubenturm. Die Prinzenfamilie de Broglie schließlich hat sich auf La Bourdaisière sogar der Tomatenzucht verschrieben.

Das Tal der Loire und ihre Seitenflüsse sind ein Paradies für die chambres d'hôtes geworden. Auch wenn die Klagen der klassischen Hotelgastronomie lauter werden, es gibt kaum eine bessere Art, Land und Leute kennen zu lernen als am Esstisch mit Gastgebern, die ihre Umgebung kennen und schätzen. Denn bei den Einheimischen liegt der Schlüssel, dieses Land der fließenden Wasser zu erobern. Sie wissen, wo das ehrgeizige Projekt, entlang der Loire einen mit Varianten insgesamt 800 km langen Radwanderweg bis zum Atlantik anzulegen, bereits verwirklicht ist. Die ganze Region setzt nämlich auf la petite reine, also das bicyclette als Fortbewegungsmittel. Die bisher längste ohne Unterbrechungen ausgeschilderte Strecke für die Zweiräder sind die 120 km zwischen Tours und Angers mit einem Abstecher in das Tal der Vienne bis hin zur Weinhochburg Chinon. Der Parcours unter dem Titel La Loire à Vélo, der einen Teil des 2400 km langen europäischen Radwandernetzes entlang der großen Flüsse von Budapest nach Nantes bilden wird, ist nicht nur für Touristen eingerichtet, sondern auch für die Einheimischen. Denn sie kennen die Weinbauern, die konsequent auf biologischen Anbau setzen, oder Winzer, die Weine produzieren, die es mit den besten Tropfen der Welt aufnehmen können. Sie zeigen Ihnen die Wege, die von den schnurgeraden Straßen der Sologne hinein in die geheimnisvollen Wälder führen. Lassen Sie sich von Ihren Gastgebern in verwunschene Täler wie Les Goupillières führen, in dem der Obstbauer Louis-Marie Chardon eine uralte Siedlung in den Höhlen der Tuffsteinfelsen freigelegt hat. Sie sagen Ihnen auch, wo Sie den besten Ziegenkäse zwischen den Weinbergen von Sancerre finden und erklären Ihnen den Weg durchs Unterholz, von dem Sie den schönsten Blick auf Paradeschlösser wie Chenonceau erhaschen können.

Auch wenn das moderne Frankreich mit Einkaufszentren und Hochhaussiedlungen in den Außenbezirken der großen Städte hässliche Spuren hinterlassen hat, sind Orléans, Tours, Blois oder Angers für ihre Lebensqualität im ganzen Land bekannt und berühmt. Bei allem Schwung, den Universitäten und Hightechunternehmen in die Region gebracht haben: Hektik hat im Loire-Tal keine Chance.

Bürgerproteste verhinderten in den 1990er-Jahren der Loire-Unterlauf mit riesigen Staudämmen gegen Hochwasser abgesichert wurde. Dafür ist das Flusstal mit seinen 1000 Inseln und Überschwemmungsgebieten ein Refugium für viele Tierarten geworden, die anderswo in Europa längst ausgerottet sind. Inzwischen sind sogar wieder Lachse und Aale östlich von Angers aufgetaucht, und Biber bauen ihre Staudämme im Flusslauf. Kormorane und Fischreiher haben ihr Domizil an den über 3000 Teichen der Sologne gefunden. Der Wildreichtum des riesigen Waldgebietes im Loire-Bogen zwischen Blois, Orléans, Gien und Romorantin brachte den jagdwütigen König François I. dazu, sich den monumentalen Jagdsitz Chambord zu bauen.

Chambord ist das Symbol für den Wandel im Loire-Tal: Schloss und Park sind nicht mehr nur dem Adel vorbehalten, sondern Heimat geworden für Naturschutz, für behutsamen Umgang mit der Tradition, für Radfahrer, Reiter, Jäger und Familien. Chambord ist das Tor für Entdeckungsreisen an den Ufern der Loire. Lassen Sie sich ein auf diese Landschaft, die Könige seit dem Mittelalter begeisterte, spüren Sie den großen Glanz und die kleinen Schätze auf, die sich zwischen Bourges und Sancerre im Südosten, Orléans und Sablé-sur-Sarthe im Norden sowie Saumur und Angers im Westen ausbreiten.