Reisetipps Ligurien

Stichworte Ligurien

Blumenriviera

Gladiolen, Nelken, vor allem aber duftende Rosen in zauberhaftem Gelb, Rosa, Blutrot, diese Blumenpracht hat dem Küstenabschnitt zwischen Ventimiglia und Imperia seinen Namen Riviera dei Fiori, Blumenriviera, gegeben. In zahllosen Gewächshäusern - nicht immer eine Zierde für die Landschaft - entstand hier eine der bedeutendsten Schnittblumenindustrien Europas (Jahresproduktion 20000 t). Für die Blumenriviera noch bis ins späte 20. Jh. die wichtigste Einnahmequelle, ist das im doppelten Wortsinn blühende Geschäft heute arg bedroht von der Konkurrenz aus Indien, Lateinamerika und Afrika. Angefangen hatte es 1874, als der deutsche Gartenmeister Ludwig Winter die ersten frischen Rosensträuße aus Bordighera auf die Märkte nach München schickte, im Herbst und per Eisenbahn. Winter hatte an diesem Flecken mit seinem wunderbar milden Klima sein Wirkungsfeld gefunden, neben Blumen pflanzte er Dutzende Palmenarten, Kakteen, Farne, Agaven an. Hier, nur wenige Hundert Kilometer vom rauen Norden, konnten sie gedeihen. Mitgestaltet hat er die berühmten Giardini Hanbury bei Ventimiglia sowie zahlreiche Parkanlagen in Bordighera und San Remo, alle mit dieser typischen Mischung aus exotischen und mediterranen Pflanzen, die den Reiz der ligurischen Vegetation ausmachen.

Cristoforo Colombo

Am Ende ist es egal, ob Christoph Kolumbus (1451-1506) wirklich in Genua geboren ist oder, wie einige vermuten, ein spanischer Matrose war. Auch waren es die Spanier und nicht die Genueser, die ihn mit den drei Karavellen für seine Entdeckerreise ausgestattet hatten (allerdings mit Geld, das sie sich von den Genueser Bankiers geliehen hatten). Cogoleto, ein Vorort Genuas, erhebt ebenfalls Anspruch, sich Geburtsort des ruhmreichen Seefahrers und Amerikaentdeckers nennen zu dürfen, wie Gedenktafeln bezeugen. Keine handfesten Beweise gibt es, dass die Casa di Colombo in Genua wirklich sein Geburtshaus war, die nötige Aura aber hat es, dem Besucherinteresse nach zu urteilen. Und darauf kommt es schließlich an: 1492, das Jahr der Amerikaentdeckung, gab 1992 den Anlass für die 500-Jahr-Feiern, die Genua im Namen seines berühmten Sohnes genutzt hat, sich ebenfalls mal wieder neu zu entdecken. Seither weht frischer Wind durch die Stadt! Grazie, Cristoforo Colombo, der immerhin behauptet haben soll (so eine Inschrift am Bahnhof Principe): „Ohne Genua wäre ich nie zum Entdecker geworden.“

Fassadenschmuck

Steinerne, dekorativ geschwungene Fenstereinrahmungen, Quadersteinfassaden, Nischen mit Skulpturen, Relieffriese, verschnörkelte Balkone, Säulen und überhaupt Fenster: So aufwendig schmückten die Ligurer seit dem 16. Jh., dem „goldenen Zeitalter“, ihre Häuser - doch all dieser Dekor ist aufgemalt in meisterhafter Trompe-l'Œil-Technik. Man wollte zeigen, was man wert war, aber es gab auf den winzigen Siedlungsflecken zwischen Meer und Bergen keinen Platz für die Entfaltung von ausladenden Barock- und Renaissancepalazzi. Also malte man sie sich. Die Siedlungen wuchsen statt in die Breite in die Höhe, wie es die schönen Häuser von Camogli zeigen, oder man baute die mittelalterlichen Häuschen aus. Die gemalten Fensterreihen wurden geradezu Pflicht, um dem Gebäudewirrwarr einen einheitlichen Fassadeneindruck zu verleihen. In den letzten Jahrzehnten malte man nicht mehr, alles musste praktisch sein und durfte nicht viel kosten, auch die Malermeister gab es nicht mehr. Das ist jetzt anders: In jüngerer Zeit gibt es wieder engagierte Malermeister und Hausbesitzer, die die alten ligurischen Muster aufgreifen, und das nicht nur bei Restaurierungen, sondern auch beim Neubau.

Glamour

Die winzige Fischerbucht von Portofino war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren ein Hideaway der Schönen und Reichen und das Flaniertrottoir der Glamourgrößen Hollywoods: Alle kamen sie, von Ava Gardner und Humphrey Bogart bis Liz Taylor und Greta Garbo. Heute kommen George Clooney, Kylie Minogue und Naomi Campbell. Die reichen Gäste von einst waren Reeder Aristoteles Onassis und Fiatboss Gianni Agnelli, heute heißen sie Bill Gates und Silvio Berlusconi.

Grotten

In Ligurien hat man einzigartige Spuren menschlichen Lebens gefunden, die bis zu 240000 Jahre zurückreichen, in die Steinzeit, in der Grotten und Höhlen als Lebensraum dienten. So etwa in den phantastischen Tropfsteinhöhlen von Toirano, in denen man Fuß- und Knieabdrücke, Reste von Fackeln und Krallenspuren des Höhlenbärs - alles mindestens 100000 Jahre alt - gefunden hat. Die spektakulärsten Funde menschlichen Lebens sind die bis zu 85000 Jahre alten Skelettreste in den Grotten in den Kalkfelsen der Balzi Rossi an der Grenze zu Frankreich sowie die Tausende von steinzeitlichen Ritzzeichnungen am Monte Bego, heute jenseits der Grenze auf französischem Gebiet gelegen. Die meisten stellen Tiere dar, aber auch Waffen und Szenen des alltäglichen Lebens. Einige Abdrücke dieser Ritzzeichnungen kann man in Bordighera im Museo Bicknell sehen.

Liedermacher

Wer nach einem besonderen Mitbringsel sucht, einem Stück von der Seele Liguriens, dem seien die poetischen Lieder der sogenannten cantautori genovesi empfohlen: In den Sechzigerjahren fingen auf der Welle der französischen Chansonniers ein paar junge, begabte Leute aus Genua an, poetische Texte zu schreiben - empfindsam, lapidar -, sie zu vertonen und zu singen. Sie hießen Bruno Lauzi, Umberto Bindi, Luigi Tenco, Gino Paoli und verstanden es, jeder in einem eigenen, unverwechselbaren Stil, Lieder zu schreiben, die mit den Klischees von San-Remo-Schlagern nichts zu tun hatten. Die scuola genovese war geboren. Der Berühmteste und wohl auch Geliebteste unter ihnen ist der 1999 gestorbene Fabrizio De André, eine regelrechte Kultfigur. Von Literaturkritikern als einer der größten zeitgenössischen Dichter Italiens eingeschätzt, erzählen viele seiner Lieder, manche in Genueser Dialekt, vom Straßenleben in der Altstadt Genuas, vom Meer, von den Menschen Liguriens. Die beste Plattenauswahl zur scuola genovese finden Sie auf der auch von De André besungenen Altstadtgasse Via del Campo bei Musica Gianni Tassio (Nr. 29 r | www.giannitassio-viadelcampo.it).

Rolli

Genuas goldenes Zeitalter begann 1528, als der große Admiral Andrea Doria mit Spanien unter dem Habsburgerkaiser Karl V. einen Vertrag abschloss, der ihn zum Oberhaupt der spanischen Flotte machte und die Genueser Kaufleute und Bankiers im Schlepptau der neuen Großmacht Spanien zu den aktivsten Geldverleihern und Finanzhändlern Europas. Eine Geldoligarchie aus Genueser Bankiersfamilien entwickelte sich, die ihren sagenhaften Reichtum aus der Verzinsung des Geldverleihs in den Bau prachtvoller Palazzi steckte, die sie mit den schönsten Gemälden der besten Künstler des 16. und 17. Jhs. füllte - Palazzi und Gemäldesammlungen, die man heute bewundern kann.

42 dieser Prachtpalazzi wurden von der Unesco in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, rolli werden sie genannt, (nach rotoli del catasto, Katasterrollen). Ins rollo-Verzeichnis kamen die Besitzer, wenn ihr Palazzo Folgendes aufbieten konnte: unten großzügige Geschäfts- und Lagerräume, ab dem dritten Stockwerk prächtige, mit Fresken und Gemälden ausgeschmückte Gemächer, in denen die Familie die Honoratioren und Staatsgäste der Stadtrepublik Genua ehrenvoll empfangen konnte. In der oberen Altstadt und vor allem um zwei Straßenzüge gruppieren sie sich noch heute: an der Via Garibaldi mit dem Rathaus und den Museumspalästen sowie an der Via Balbi mit den Universitätspalazzi. www.irolli.it