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Die Grosse Wüstentour

Die Tour durch den Hohen Norden steht beispielhaft für mehrere mögliche Rundkurse, die einen Eindruck von den Weiten der Atacamawüste vermitteln. Sie verläuft auf Asphaltstraßen, zunächst von Iquique an der Küste entlang nach Antofagasta, von dort über die Panamericana, R 5, und die R 25 nach Calama. Von Calama führt ein Abstecher nach San Pedro de Atacama in das Herz der Wüste. Zurück geht es über die Kupfermine Chuquicamata auf der R 24 nach María Elena, von dort über die Panamericana wieder nach Iquique. Die Gesamtstrecke beträgt rund 1300 km; Sie sollten mindestens eine Woche veranschlagen. Natürlich kann man sich auch eine Teilstrecke aussuchen.

Iquique-Antofagasta: Die übliche Nord-Süd-Verbindung verläuft über die Panamericana durch die nordchilenische Pampa - vorbei an den zahlreichen ehemaligen Salpeterminen. Die R 1 dagegen führt unmittelbar an der einsamen Pazifikküste entlang. Wer auf ihr die 420 km nach Antofagasta zurücklegt, kommt an verlassenen Fischernestern und wilden Felsenbuchten vorbei. Erst in Chanabayita (60 km) tauchen wieder einige Hütten auf; hier gibt es sogar ein Fischrestaurant. Über eine touristische Infrastruktur verfügt diese Region nicht. Wenige Kilometer weiter türmen sich riesige Salzberge aus dem „größten Salzfass der Welt“, Salar Grande, auf. Bei El Aguila (80 km) sind schöne Badebuchten zu finden; nebenan bei Pabellón de Pica wird heute noch an den Klippen Guano abgebaut. Ein Gedenkstein in dem gottverlassenen Ort erinnert an die chinesischen Tagelöhner, die man im 19. Jh. für diese gefährliche Arbeit eingesetzt hat. Bei km 147 (Zollstation) überquert die Straße die Mündung des Río Loa, des einzigen Flusses im Hohen Norden, der das Meer erreicht. Tocopilla (227 km) war zur Zeit des Salpeterbooms eine sehr belebte Hafenstadt. Reihengräber im Wüstensand erinnern noch daran. Mejillones (358 km) ist der Badeort der Großstadt, deren Skyline man bald darauf auftauchen sieht.

Antofagasta-Calama: Sie verlassen Antofagasta über den nördlichen Zubringer zur Panamericana, auf die Sie nach 13 km und zahlreichen Serpentinen stoßen, die durch das schottrige Küstengebirge auf etwa 1200 m Höhe führen. Von da an fahren Sie schnurgerade über die Panamericana durch eine tischebene Wüste, deren Monotonie nur von Eisenbahnlinien und verlassenen Salpeterminen unterbrochen wird. Nach 100 km erreichen Sie den Abzweig der R 25 rechts nach Calama. Fahren Sie trotzdem noch etwa 1 km weiter auf der R 5 zur Salpetermine Chacabuco, der am besten erhaltenen Geisterstadt in der Wüste. Zurück zum Abzweig der R 25 fahren Sie an zwei Dutzend oficinas vorüber, von denen außer Erdhügeln und Friedhöfen kaum noch etwas zu sehen ist. Ca. 30 km vor Calama durchqueren Sie eine Hügelkette, von deren Höhen man bereits einen Blick auf die Anden werfen kann.

Calama-San Pedro de Atacama: Aus Calama führt die R 23 in Richtung Südosten hinaus und in weiten Schwüngen durch eine unwirkliche Mondlandschaft. Der wolkenlose, blaue Himmel wird durch die heißen Gesteinsflächen reflektiert, und Sie glauben, auf riesige Seen zuzusteuern: eine echte Fata Morgana. Bis Sie tatsächlich den ersten grau-weißen Salzsee ausmachen. Die schneebedeckte Andenkette im Osten bildet dazu eine traumhaft unwirkliche Kulisse. Etwa 20 km vor San Pedro de Atacama durchquert die Straße in engen Kurven die Cordillera de la Sal, die wild verwitterte Salzkordillere, und senkt sich hinab in die grüne Oase, in die das Dorf eingebettet ist. Vom Stützpunkt San Pedro aus lassen sich gut die nahen Naturwunder erreichen. Zur Fortsetzung der Tour müssen Sie zurück nach Calama.

Calama-Chuquicamata-María Elena: Von Calama führt eine veritable Autobahn zur 16 km entfernten, weltweit größten offenen Kupfermine in Chuquicamata. Einen halben Tag zum Besuch des Tagebaus sollten Sie einplanen. Über die R 24 geht es von Chuquicamata weiter: recht rau durch die Berge nach Westen und dann 70 km wie mit dem Lineal gezogen sanft fallend und ohne jede Siedlung am Rande (aber mit Hochspannungsmasten) zurück zur Panamericana - die eintönigste Straße, die man sich denken kann! María Elena liegt etwa 15 km westlich der Panamericana; es ist eine reine „Company-Town“ mit der letzten noch in Betrieb befindlichen Salpeterraffinerie, die die Luft verpestet. Im Ort gibt es zwei recht primitive Hotels, die üblichen Kantinen mit einfachen Speisen sowie neben der Kirche ein winziges, aber eindrucksvolles Museum mit Exponaten zu prähispanischer Kultur und zur Geschichte der Salpeterminen.

María Elena-Iquique: Das eintönig schnurgerade Asphaltband der Panamericana führt Sie die 320 km zurück nach Iquique. Etwa 100 km vor dem Ziel kommen Sie durch den Naturpark Pampa del Tamarugal, wo auf einer Fläche von 23000 ha mühselig angepflanzte tamarugos (Harthölzer, die gegen die Trockenheit immun sind) wachsen. Am Abzweig der R 16 nach Iquique liegen die Oficina Humberstone und die Oficina Santa Laura, zwei verlassene Salpeterminen, die einen Besuch lohnen. Bis nach Iquique sind es dann noch rund 50 km hinab zur Küste.

Auf einsamen Andenpfaden

Wer unberührte, imposante Landschaften sucht, der muss nicht die weite Reise in die Atacamawüste oder nach Patagonien auf sich nehmen. In den Zentralanden, im Herzen des Landes, finden Naturfreunde, was in den Alpen selten geworden ist: Einsamkeit inmitten wilder Bergkulissen. Der hier vorgestellte Rundwanderweg „Circuito Los Cóndores“ wurde vor kurzem erstmals beschrieben, und nur wenige haben ihn bislang komplett begangen.

Das liegt freilich nicht nur daran, dass die Anden bei Talca auch bei Chilenen kaum bekannt sind. Vielmehr fordern fehlende touristische Einrichtungen und kaum markierte Wege dem Bergwanderer einiges ab. Es wird daher dringend geraten, sich ortskundigen Führern oder einer organisierten Tour anzuvertrauen. Kontakte finden sich unter www.trekkingchile.com, dort kann auch die dazugehörige Wanderkarte bestellt werden. Für den ganzen Rundkurs (8-10 Tage) sollte man Packpferde mieten, die die Lebensmittel tragen und auch bei Flussquerungen nützlich sind. Auch Teilstrecken sind möglich, z.B. zum Enladrillado (1-2 Tage), zum Vulkan Descabezado Grande (4-5 Tage) oder zu Laguna Mondaca (4-5 Tage). Von November bis April kann man mit trockenem, sonnigem Klima rechnen.

Ausgangspunkt ist Talca, 250 km südlich von Santiago und gut per Zug und Bus zu erreichen. 66 km östlich der Provinzhauptstadt liegt auf gut 1000 m Höhe die kleine Feriensiedlung Vilches; bis hierher verkehren noch Busse. In Vilches beginnen das Naturreservat Altos de Lircay und die Wanderung. Durch alte Südbuchenwälder geht es zunächst zur tief eingeschnittenen Schlucht des Río Claro. Einen Abstecher lohnt die natürliche Plattform Enladrillado, wo die Einheimischen angeblich immer wieder Ufos sichten. Der hüfttiefe Claro-Fluss muss mehrfach über- bzw. durchquert werden, bevor man durch das Blanquillo-Tal hinaufsteigt zu den unwirklich anmutenden Aschefeldern rings um den „geköpften“ Vulkan Descabezado Grande (3953 m), die an die Filmszenerie in „Der Herr der Ringe“ erinnern. Die mühsame Kraxelei zum eisgefüllten Krater wird mit dem tollen Rundblick auf die teils vergletscherten Anden belohnt.

Weitere zwei Tage sind es zu den heißen Schwefelquellen am Estero Volcán. Nur Kondore und Andenfüchse begleiten den Wanderer; ein gelegentlicher arriero (Viehhirte, mitunter auch -schmuggler) freut sich vielleicht über Gesellschaft. Ein Abstecher führt zur Basaltschlucht des Río Lontué und zur tiefblauen Laguna Mondaca. Vorbei an der Laguna Ánimas und einem versteinerten Urwald geht es dann hinunter ins Valle del Indio mit der Möglichkeit, über das Naturreservat Siete Tazas in die „Zivilisation“ zurückzukehren (Busse verkehren ab dem Parkeingang). Wer den Rundweg komplettieren will, erklimmt stattdessen die Gebirgskette Guamparo mit herrlichen Panoramablicken auf die Wildnis und kehrt zurück nach Vilches.

Mit Bus und Boot über die Anden

Im Schatten schneebedeckter Vulkane und stiller Südzypressenwälder pflügt man im Nationalpark Vicente Pérez Rosales durch kristallklares Wasser, bewundert die Reinheit der Natur, die Melancholie der Einsamkeit, die Düsternis der Nebelwälder. Der Traumtrip quer durch die südlichen Anden führt mit Bus und Boot über drei Seen und die Ländergrenze (Reisepass nicht vergessen!) bis nach Bariloche in Argentinien und eventuell über eine Alternativroute zurück. Die Strecke (rund 200 km) kann im Sommer an einem langen, durch mehrfaches Umsteigen zwischen Bussen und Booten sehr anstrengenden Tag bewältigt werden. Im Winter sind es obligatorisch zwei Tage. Leichtes Gepäck und regenfeste Kleidung sind zwingend erforderlich.

Ausgangspunkt ist Puerto Montt, das der Bus morgens um 8 Uhr verlässt. Nach 20 km wird Puerto Varas am Lago Llanquihue erreicht. Entlang des Südufers geht es - den majestätischen Kegel des Vulkans Osorno (2652 m) immer im Blick - nach Petrohué am Lago Todos Los Santos. Unterwegs wird Pause gemacht, um die Kaskaden des Río Petrohué zu besichtigen. In Petrohué wartet ein Katamaran auf die Passagiere, um sie über den unberührten Lago Todos Los Santos nach Peulla zu bringen, wo im Hotel Peulla (€€€) ein Mittagessen serviert wird (im Winter wird hier übernachtet). Wer möchte, kann natürlich auch im Sommer länger bleiben und in den hier dicht bewaldeten Anden wandern oder reiten.

Peulla ist schon chilenischer Grenzposten, danach folgen zwei Stunden Schotterpiste (23 km) über den Pass Pérez Rosales (1022 m) und durch schweigende Wälder zum argentinischen Grenzposten Puerto Frías. Dort folgt die Einschiffung über den gleichnamigen kleinen See (20-Min.-Trip) nach Puerto Alegre; von dort weiter mit dem Bus nach Puerto Blest. Und wieder weiter mit einem Katamaran in 90 Minuten über einen Seitenarm des gigantischen Lago Nahuel Huapi, nach Puerto Pañuelo. Von dort fährt der Bus in ca. 60 Minuten ins Zentrum von Bariloche.

Bariloche (50000 Ew.) bietet wenig Attraktionen - wenn man von den zahlreichen Kuchen-Kaffee-Salons und dem pseudoalpinen Baustil der Häuser absieht. Sie sollten sich zum Abschluss der Andendurchquerung ein Luxusgeschenk leisten und im „schönsten Hotel Südamerikas“, dem Llao-Llao Hotel and Resort, absteigen, das dem ungarischen Investor George Soros gehört. Das 1940 im imperialen Alpinstil errichtete Hotel liegt auf einer Halbinsel des Lago Nahuel Huapi oberhalb der Anlegestelle Puerto Pañuelo. 164 luxuriöse Zimmer, 14 Suiten - alle mit herrlichem Blick - dazu Pool, Golfplatz, Reitpferde, Segelboote etc. | Buchung Tel. 005411/57767450 (Argentinien) | www.llaollao.com | €€€

Die Rückreise können Sie per Bus über den Puyehue-Pass antreten. Dabei umrundet man den Lago Nahuel Huapi und gelangt auf chilenischer Seite durch den Nationalpark Puyehue wieder hinunter nach Osorno und Puerto Montt. Die hier beschriebene Tour kann über Reisebüros gebucht werden (Info: www.crucedelagos.cl) und kostet ohne Unterkunft ca. 180 US$ pro Person.