Von Wolfgang Gärner

Bei der Umstellung von Slalom auf Abfahrt verliert Maria Riesch ihre Weltcup-Führung an Lindsey Vonn.

Maria Riesch

Maria Riesch verlor erst die Kontrolle über ihre Ski und dann die Weltcup-Führung an Lindsey Vonn. Foto: dpa

Der Weg von Zagreb nach Maribor führte über Garmisch-Partenkirchen und ebenso der Weg von Maribor zum Zauchensee. Wann immer es ging, übten die deutschen Skifrauen Abfahrt und Super-G auf dem Kreuzeck. Nicht nur, weil dort in zwei Wochen der HeimWeltcup stattfindet, sondern ebenso, weil sie im Jahr 2009 praktisch noch überhaupt nicht auf die langen Ski gekommen waren - fast vier Wochen lang folgte ein Torlauf-Derby dem anderen, und Maria Riesch ritt die Slalomwelle in unvergleichlich erfolgreicher Manier mit vier Siegen hintereinander.

Die Slalom-Festwochen sind nun zu Ende, in Zauchensee begann eine Speed-Periode, und Maria Riesch musste absteigen von der Welle als Ausgeschiedene in der Kombination und Siebte in der Abfahrt: "Nicht das Traumergebnis", gestand die Erfolgsverwöhnte später.

"Es war eine lange Slalomserie, deshalb bin ich jetzt wirklich glücklich, zurück beim Speed zu sein - denn das ist es, was ich wirklich mag", hatte die Amerikanerin Lindsey Vonn gesagt, die Titelverteidigerin im Weltcup ist und die in diesem Wettbewerb ihrer Freundin Maria Riesch die Führung wieder abgenommen hat, weil sie das Schnellfahren nicht nur mag, sondern immer noch ausnehmend gut kann und am Zauchensee ebenso Erste (in der Kombination) und Dritte wurde wie die Schwedin Anja Pärson (die sich den Abfahrtssieg mit der Schweizerin Dominique Gysin teilte).

"Das Problem ist, dass man das Timing ein bisschen verliert. Es dauert ein bisschen, bis man sich wieder dran gewöhnt hat", sagt Lindsey Vonn. Tatsächlich sei es nicht die ganz normale Routine, von den 1,60 Meter langen Slalombrettern auf die einen halben Meter längeren Geräte für die Abfahrt umzusteigen, bestätigt Andreas Fürbeck, der Speedtrainer der deutschen Frauen.

Auch Maria Riesch hatte verkündet, sie freue sich auf die langen Ski, "denn es war wirklich Zeit für die zweite Abfahrt" (die erste hatten sie Anfang Dezember in Lake Louise bestritten). Aber freilich: "Man hatte sich auf die kurzen Ski eingefahren - man kann kein besseres Gefühl haben als für die Ski, auf denen man vier mal hintereinander gewonnen hat." Man müsse keine Bedenken haben, hatte Cheftrainer Mathias Berthold beschwichtigt, "Maria ist eine, die den Wechsel sehr gut hinkriegt". Sogar am besten, schätzte Fürbeck, "für sie ist das kein Problem - denn sie hat das ja immer. Wir simulieren das im Training im Herbst, indem wir zwei Disziplinen an einem Tag fahren." Es gebe einige, die das gut können, schränkte die Partenkirchenerin ein und gestand als Dritte der Kombinationsabfahrt am Samstag ihre Überraschung darüber, "dass ich mich so weit vorn platzieren konnte - weil ich Lindsey und Anja auf den langen Ski doch stärker eingeschätzt habe".

Es geht um die Gewöhnung an die Geschwindigkeit, und es geht um die Umstellung auf die langen Radien: "Es braucht Geduld in den Abfahrtskurven", sagt Fürbeck. Maria Riesch bringt diese Geduld nicht immer auf, "aber wir haben keine Probleme, wenn sie sich dessen besinnt, was sie kann", sagte der Cheftrainer. Im gleichen Sinn der Abfahrtscoach: "Was sie kann, das reicht." Noch nicht ganz: Platz sieben ist nicht die Region, in die sich Maria Riesch hineinwünscht. "Auch im Speed ist es mein Anspruch, vorne mitzufahren." Das Podium war für sie am Sonntag aber sechs Zehntelsekunden entfernt.

Fahren, nicht reden

Das Positive für sie in Zauchensee blieb, ein halbwegs annehmbares Rennen ins Tal gebracht zu haben nach der Enttäuschung in der Kombination am Tag zuvor, "als ich doch ziemlich am Boden war". Zur Einordnung dieses annehmbaren Ergebnisses benötigte sie nicht das Urteil von Mathias Berthold, dies sei einfach skitechnisch keine saubere Fahrt gewesen. Das hatte sie selbst schon unterwegs erfahren: "In den Sprüngen habe ich gerudert und kam in Rücklage, einige Kurven bin ich auch nicht sauber gefahren." Es war noch mal ein Stück finsterer in der Kälberlochpiste, so was hatte sie in früheren Jahren mal als störend erwähnt: Inzwischen ist das kein Thema mehr, Maria Riesch sagte: "Die Sicht war für alle gleich."

Die Piste auch: Eine schöne Abfahrt, sagte Maria Riesch, "aber nicht unbedingt nach unserem Geschmack" - nach ihrem und dem von Lindsey Vonn, zu unrhythmisch, zu untypisch die Kurvenradien. Die Amerikanerin hat allerdings schon mehr rausgeholt aus dem Kälberloch. Für die Deutsche dagegen war der siebte Platz vom Sonntag tatsächlich ihr bestes Resultat am Zauchensee bei fünf Starts binnen sieben Jahren. "Das ist nicht unbedingt meine Lieblingsabfahrt", sagt sie.

Aber darum geht es nicht, das weiß sie selbst: "Man muss die Ergebnisse auch fahren, nicht nur davon reden. Ich muss noch was tun im Speed. Aber ich habe es drauf, und ich werde mich steigern. Kommendes Wochenende in Cortina geht es bestimmt ein Trumm besser." Die Gewöhnung an die langen Ski geht weiter.

(SZ vom 19.01.2009/jüsc)