Reisetipps Venedig

Ausflüge & Touren Venedig

Mit dem Rad vom Lido bis nach Chioggia

Dieser Ausflug lässt Sie ausführlich Meeresluft schnuppern, fördert die Fitness und macht zudem mit den entlegeneren Gebieten des Lido di Venezia samt den Orten Malamocco und Alberoni sowie mit dem benachbarten Lido di Pellestrina bekannt. Fahrräder können Sie am Ausgangspunkt mieten. Gesamtstrecke dieser ohne jegliche Steigungen verlaufenden Tagestour: hin und zurück gut 50 km.

Wer sein eigenes Fahrrad dabeihat, kann mit einem speziellen Ticket auf der Autofähre direkt von den Parkhäusern auf der Insel Tronchetto zum Lido fahren (Abfahrt von frühmorgens bis spätnachts ca. alle 30 Min.). Für die meisten Venedigbesucher ist es jedoch wohl einfacher, per vaporetto auf den Lido überzusetzen. In unmittelbarer Nähe des Anlegers, am Beginn des Viale Santa Maria Elisabetta, bieten mehrere Fahrradverleiher ihre Dienste an (www.biciclettegardin.com | www.lidoonbike.it).

An der meerseitigen Straße strampeln Sie am imposanten, durch Viscontis „Tod-in-Venedig“-Verfilmung weltberühmten Grand Hotel des Bains, kurz danach am Palazzo del Cinema, in dem alljährlich Anfang September Venedigs Filmfestival logiert, und schließlich am merkwürdig maurisch anmutenden Hotel Excelsior vorbei. Wenig später, an einer sanften Rechtskurve, müssen Sie sich entscheiden: Entweder folgen Sie der Hauptstraße durch die Villensiedlung nach Malamocco. Oder Sie tragen das Rad linker Hand ein paar Stufen hoch und fahren nun auf der Krone der sogenannten murazzi weiter, jener im 19. Jh. aufgeschichteten Steinwälle, die Lido und Lagune gegen die offene Adria hin abschirmen. Kleine Hindernisse auf dieser meerseitigen, Leib und Seele erfrischenden Promenade, an der man zur warmen Jahreszeit nicht zufällig zahlreiche Liebespaare antrifft, bilden Sandflächen, durch die man sein Gefährt ab und an zu schieben hat. Malamocco entpuppt sich als malerischer Fischerort von fast kitschiger Beschaulichkeit. Deutlich fashionabler, weil in erster Linie dem Freizeitvergnügen geweiht, ist das angrenzende Alberoni mit seinem auf dem Gelände der ehemaligen Festung angelegten Golfplatz.

Keine 500 m dahinter heißt es ab- und jene Fähre besteigen, die im 30- bis 60-Minuten-Takt in einem knappen Viertelstündchen zum Lido di Pellestrina übersetzt. Dieser 11 km lange, schmale Sandstreifen ist keine touristische Vorzeigeinsel. Im 18. Jh. zählte sie noch 10 000 Einwohner, heute fristen hier kaum noch 500 Menschen, hauptsächlich Fischer und Muschelzüchter, ein eher karges Dasein. San Pietro in Volta, Porto Secco und Pellestrina heißen ihre drei Dörfer, die Sie durchfahren. Auch hier stehen zwei Routen zur Auswahl: die meerseitige, relativ verkehrsreiche Straße oder das lagunenseitige Sträßchen, auf dem man die Orte besser kennenlernt und außerdem immer wieder die kuriosen Stelzenhütten im Wasser stehen sieht, in denen die Anrainer ihre Fischereigeräte lagern.

Wer will, kann ganz im Südwesten von Ca' Roman aus, einem kleinen Naturschutzgebiet, ein weiteres Mal eine Fähre besteigen und anschließend bis Chioggia strampeln. Doch genau genommen gehört dieses bunte, quicklebendige Fischerstädtchen nicht mehr zu Venedig, orientiert sich mehr zum Festland und zum Meer hin als in die Lagune. Außerdem ist der Rückweg von Pellestrina weit genug, zumal entlang der Route mehrere Lokale zum kräftigenden Halt locken. Zwei Empfehlungen: Trattoria Da Celeste in Pellestrina | Sestier Vanelli, 625 | Tel. 041967355 | Mi und Nov. bis Feb. geschl. | €€; Ristorante Le Garzette in Malamocco | Lungomare Alberoni, 32 | Tel. 041731078 | geöffnet nur März-Nov. jeweils Fr-Abend sowie Sa und So | €€ | auch schöne Übernachtungsmöglichkeit.

Auf die unbekannten Laguneninseln

Mit der Vaporetto-Linie 13 vom Anleger Fondamente Nove aus nach Le Vignole, Sant'Erasmo und, an Wochenenden, auch zum Lazzaretto Nuovo und per Wassertaxi oder im Privatboot des Klosters zur Insel San Franceso del Deserto. Für jede der Touren sollten Sie ungefähr zwei bis drei Stunden veranschlagen, wenn Sie mehrere miteinander verbinden, einen ganzen Tag.

Murano, Burano und Torcello sind berühmte Ausflugsziele, die auf dem Standardprogramm der meisten mehrtägigen Venedigaufenthalte stehen. Kaum bekannt, aber ebenfalls reizvoll sind etliche der kleineren Inseln in der nördlichen Lagune. Sie zeigen Venedig von seiner sehr ländlichen Seite und bieten die Gelegenheit, sich im Grünen die Füße zu vertreten, die Eigenheiten der örtlichen Natur kennen zu lernen und sogar zwei, drei steinerne Sehenswürdigkeiten zu begutachten.

Beginnen Sie am besten mit der Gemüseinsel Le Vignole: Von der Altstadt ist sie in nicht einmal 15-minütiger Bootsfahrt erreichbar. Spazieren Sie von der Schiffsstation auf dem Hauptpfad bis zum Brückchen, queren dort den Hauptkanal und folgen rechter Hand dem Weg durch die Gemüsefelder bis zur Trattoria alle Vignole (Mo und Okt.-April geschl. | Tel. 0415289707 | €). Wetten, dass Ihnen an den einfachen Holztischen unter freiem Himmel mit Blick auf Venedigs Silhouette die Fisch- und Fleischspezialitäten vom Grill ganz besonders gut munden?

Von ähnlich tiefer Friedfertigkeit ist die benachbarte Insel Sant'Erasmo - der zweite, freilich weit größere Vorgarten Venedigs. Sie sollte man beim Anleger Capannone betreten. Rund 15 Minuten Richtung Süden gestapft, und Sie stehen vor der Torre Massimiliano (Sa/So 10-20 Uhr, Mo-Fr je nach Saison wechselnde Zeiten), einem wehrhaften Ziegelturm aus der Zeit der österreichischen Besatzung, in dem neuerdings interessante Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt werden. Von hier wandern Sie den Uferweg oder Strand entlang dem am Horizont emporragenden Campanile entgegen. Nach einem guten halben Stündchen stehen Sie dann vor dem Ristorante Ca' Vignotto (tgl. mittags, Do-Sa auch abends | Tel. 0412444000 | €), einem schlichten Lokal mit nettem Garten, dessen Padrone seinen oft nicht gerade übermäßig zahlreichen Gästen stolz die Produkte der Insel - von den violetten Artischocken bis zum Wein - und vor allem Fischgerichte serviert.

Gegenüber der erwähnten Stazione Capannone liegt das Inselchen Lazzaretto Nuovo, das von den Venezianern und ihren Besatzern dank seiner strategisch günstigen Lage seit alters als Militärstützpunkt missbraucht wurde und vom 15. bis zum 18. Jh. der Serenissima zum Schutz vor Seuchen als Quarantänestation diente. Seit einigen Jahren kümmern sich Archäologen und Ökologen verstärkt um das lange Zeit verwahrloste und in Vergessenheit geratene Eiland. Im Rahmen der Aktion „Wiedergeburt einer Insel“ veranstaltet ein Verein aus freiwilligen Helfern von Mai bis Ende Okt. Sa und So naturkundliche Rundgänge (Tel. 0412444011). Ebenfalls auf Lazzaretto Nuovo bietet das ganze Jahr über der Archeoclub d'Italia (Tel. 041710515 | www.archeove.provincia.venezia.it) interessante Exkursionen zu Festungsbauten und archäologischen Stätten. Dabei können Gäste auch an Grabungen teilnehmen.

Sehr empfehlenswert ist auch eine Visite auf der Klosterinsel San Francesco del Deserto. Eine Hand voll Mönche genießt hier inmitten der stillen Wasserflächen und Sumpfwiesen ihr bukolisches Dasein. In den beiden Kreuzgängen der Anlage und dem mit Zypressen, Pinien und Palmen bestandenen, von vielerlei Haustieren bevölkerten Garten lässt es sich wunderschön lustwandeln. Um das täglich von 9 bis 11 und 15 bis 17 Uhr zugängliche Idyll zu erreichen, fährt man im vaporetto (Linie 12) bis Burano. Von dort muss man dann im Wassertaxi auf eigene Faust übersetzen. Auskunft: Tel. 0415286863

Aufs Festland: Padua und die Brentavillen

Nach Padua fahren Sie am besten mit einem der unzähligen Lokalzüge von Venedigs Bahnhof Santa Lucia. Die Villen im Umland erkundet man am besten im eigenen oder im Mietwagen. Eine beschauliche Alternative, um einige der Prachtbauten zu sehen, bieten die diversen Ausflugsboote, die auf dem Brentakanal (Naviglio di Brenta) verkehren. Für jede der drei Varianten dieser Tour sollten Sie einen langen Tag einkalkulieren.

Die knapp 40 km westlich von Venedig gelegene Provinzhauptstadt Padua (ital. Padova) birgt eine Reihe einzigartiger Kunstdenkmäler (www.turismopadova.it, ausführliche Infos im Marco Polo Band „Venetien/Friaul“). Einen Tag sollten Sie dem Ort auf alle Fälle widmen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Il Santo (tgl. 6.30-19.30 Uhr), jene mit ihren acht Kuppeln orientalisch wirkende, über und über mit kostbaren Kunstwerken ausstaffierte Basilika aus dem 13. Jh., in der die Reliquien des hl. Antonius ruhen.

Weitere Pflichtstationen auf dem Rundgang durch die teilweise wohltuend verkehrsbefreite Altstadt sind u.a. der Palazzo della Ragione (Di-So 9 bis 19 Uhr) mit seinem grandiosen, nach langer Restaurierung kürzlich wiedereröffneten Ratssaal; zu seinen Füßen die vom regen Lebensmittel- bzw. Flohmarkt belebten Plätze, die Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta; weiter die von Giotto freskierte, ebenfalls jüngst auf Hochglanz renovierte Scrovegni-Kapelle (nur nach Voranmeldung unter Tel. 0492010020 | www.cappelladegliscrovegni.it | Sommer Mo-Fr 9-19, Sa 9-18 Uhr) sowie die zweitälteste Universität Italiens, genannt Palazzo del Bo', mit ihrem berühmten anatomischen Lehrsaal (Führungen März-Nov. Mo, Mi, Fr 15, 16, 17, Di, Do, Sa 9, 10, 11 Uhr). Ein stilvoller Rastplatz ist das zentral gelegene, im eleganten Neoklassizismus gestaltete Caffè Pedrocchi (Mo geschl.).

Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte auf dem Rückweg einem oder zwei der unzähligen Landpaläste und -villen einen Besuch abstatten, die sich Venedigs Adlige einst auf dem Festland bauen ließen. Empfehlenswert zum Beispiel die Villa Valmarana in Mira, die Villa Gradenigo in Oriago, die Villa Pisani alias Nazionale, ein Barockschloss von gigantischen Ausmaßen in Stra, oder die Villa Foscari, auch bekannt als Villa Malcontenta, eine der schönsten Schöpfungen des genialen Andrea Palladio (Auskünfte zu Öffnungszeiten: Tel. 0415235606).

Apropos Brentakanal: Eine überaus reizvolle Alternative zu dieser Tagestour bildet eine Schiffspartie auf dem streckenweise ungemein idyllischen Wasserweg. Von Anfang März bis Ende Oktober verkehren zwischen Venedig und Padua in beide Richtungen Ausflugsboote, die unterwegs an mehreren Villen Halt machen. Die Hin- bzw. Rückfahrt zum/vom Ausgangspunkt erfolgt in Bussen. Auskunft und Buchung z.B.: I Batelli del Brenta | Tel. 0498760233; Il Burchiello | Tel. 0498206910