Reisetipps Berlin

Auftakt Berlin Was für eine Stadt!

Stadt des Designs, Mauerstadt, Metropole ohne Sperrstunde - es gibt viele Gründe, Berlin zu besuchen. Eine Stadt mit so viel Geschichte und so vielen Gesichtern gibt es weltweit kaum ein zweites Mal. Die vielfältige Museumslandschaft, das bunte Nachtleben und die vielen Shoppingzentren der Stadt laden zu einer einmaligen Entdeckungstour ein. Wer morgens gut und günstig shoppen geht, mittags von der sonnendurchfluteten Kuppel des Reichstags auf das Regierungsviertel schaut und nachmittags den weltberühmten Pergamonaltar bestaunt, ist noch lange nicht am Ende. Abends stilvoll ins Clubleben einzutauchen oder die Staatsoper zu besuchen gehört für Einheimische wie Berlin-Besucher einfach dazu. Diese Stadt schläft nie, lassen Sie sich überraschen!

Himmelsrichtungen sind in Berlin immer noch bedeutsamer als anderswo: "Wo beginnt eigentlich der Osten, oder - wo hört er auf?" Das ist ein Thema, das selbst die Einheimischen immer wieder beschäftigt. Lange Zeit brauchte man keinen Kompass, um festzustellen, wo der Osten aufhörte und der Westen anfing. Die Mauer, die von 1961 bis 1989 quer durch die geteilte Stadt verlief, war Zeichen genug: Auf der einen Seite Ost-Berlin als Hauptstadt der DDR unter sowjetischem Einfluss, auf der anderen die von den westlichen Alliierten Frankreich, Großbritannien und USA beschützte Mauerstadt West-Berlin. Heute, über 15 Jahre nach dem Mauerfall, können Besucher der Stadt kaum noch erahnen, welche Unterschiede die verschiedenen politischen Systeme auch im Stadtbild geschaffen hatten. Viele der DDR-typischen Plattenbauten im Ostteil sind zum großen Teil saniert. Sie sehen so erstaunlich modern und wohnlich aus, dass es mittlerweile wieder schick ist, etwa im achten Stock am Alexanderplatz zu wohnen. Und wer am Checkpoint Charlie steht, dem ehemaligen Grenzübergang der Alliierten in der Friedrichstraße, wird feststellen, dass im ehemaligen Ostteil Berlins luxuriöse Geschäftshäuser und Boutiquen dominieren. Im Westteil der Friedrichstraße herrscht dagegen eher Tristesse: Sozialbauten und Discounter allerorten.

Die neue, alte Hauptstadt Berlin mit ihren rund 3,4 Mio. Einwohnern ist nach wie vor im Umbruch: Die Bemühungen, eine architektonisch repräsentative Hauptstadt zu gestalten, sind seit vielen Jahren enorm. Es wird gebaut, restauriert und saniert. Der Potsdamer Platz, Mitte der 1990er-Jahre Europas größte Baustelle, hat sich als neues Zentrum bereits erfolgreich etabliert. Das herausragende Zeltdachkonstrukt des Sony-Centers gilt mittlerweile als eines der Wahrzeichen der Stadt. Und es geht weiter: Die Bauarbeiten am neuen Hauptbahnhof, Europas größtem Bahnhof, der im Mai 2006 eröffnet wurde, sind beendet. Nach dem Abriss des Palasts der Republik, des ehemaligen Sitzes der DDR-Volkskammer, soll 2010 an seiner Stelle das einstige Stadtschloss wieder auferstehen.

Die gelungene Architektur des neuen Regierungsviertels macht selbst skeptische Berliner stolz. Blickt man von der Kuppel des Reichstags, sieht man im Süden den Potsdamer Platz, im Norden das monumentale Glasdach des neuen Hauptbahnhofs, im Westen das Bundeskanzleramt und im Osten die Abgeordnetenbüros. Apropos Reichstagskuppel: Während in anderen Hauptstädten das gemeine Volk durch eine Bannmeile möglichst weit weg von der Volksvertretung gehalten wird, steigen Sie hier den Parlamentariern im wahrsten Sinne des Wortes aufs Dach und sehen ihnen von oben beim Diskutieren zu. Das ist Bürgernähe, wie sie von der Politik gewünscht ist, und nicht zuletzt das gibt der Hauptstadt ein ganz besonderes Flair. Dazu gehört auch, dass viele Politiker und Abgeordnete die Öffentlichkeit nicht scheuen. Sie werden überrascht sein, wie vielen Prominenten Sie in den umliegenden Restaurants oder Cafés begegnen. Und das ist nur in einer Stadt wie Berlin denkbar: Menschen werden in erster Linie als Menschen wahrgenommen. Ob jemand prominent ist, interessiert erst an zweiter Stelle. "Leben und leben lassen" - das ist das vorherrschende Motto. Man möchte selbst als Individuum wahrgenommen werden, und das gesteht man auch anderen zu.

Tolerant, offen für neue Wege und in vielerlei Hinsicht Avantgarde, so zeigt sich Berlin besonders in Bezug auf das kulturelle Leben. Mit über 150 Konzerthäusern, Theatern und Bühnen, drei Opernhäusern, zahllosen Kinos und rund 170 Museen und Sammlungen bietet Berlin heute eine Vielfalt wie kaum eine andere Stadt. Berühmt ist Berlin auch für sein brodelndes Nachtleben mit über 200 Clubs sowie unzähligen Bars, Cafés und Kneipen. Da es keine Sperrstunde gibt, schließen die meisten Etablissements erst in den frühen Morgenstunden - wenn überhaupt.

Mindestens 200000 Russen, Polen, aber auch Ukrainer und Tschechen leben mittlerweile in der Stadt. In Berlin wird nicht nur das Zusammenwachsen des ehemals geteilten Landes sicht- und erlebbar, sondern auch das ganz Europas. Berlin gehört, und das ist einzigartig, sowohl zu Ost- als auch zu Westeuropa! Da viele Russen und Ukrainer, die in Berlin leben, jüdischen Glaubens sind, hat auch jüdische Alltagskultur wieder ihren Platz in der Stadt. Beim Spaziergang durch das lebendige Viertel rund um die Oranienburger Straße in Mitte können Sie neben der Neuen Synagoge auch koschere Lebensmittelläden, eine jüdische Schule und Cafés mit jüdischen Spezialitäten entdecken.

Türkisches Leben wiederum prägt besonders die westlichen Innenstadtbezirke, vor allem aber Kreuzberg und Wedding. Auf Wochenmärkten kaufen türkische Großfamilien gleich kistenweise Auberginen und Weintrauben, verhüllte Frauen feilschen um den Preis, Händler preisen lautstark ihre Waren an. Ein Hauch von Orient und ein echtes Erlebnis!

Kulturelle und wirtschaftliche Impulse gingen in der 770-jährigen Geschichte der Stadt häufig von Zugezogenen aus. Ob Hugenotten, Böhmen oder Schlesier - sie alle fanden im Laufe der Jahrhunderte in Berlin eine neue Heimat und prägten die Stadt mit ihren Sitten und Gebräuchen, nicht zuletzt auch kulinarisch. Bouletten etwa, die französische Bezeichnung für Fleischküchlein, sind eine Berliner Spezialität geworden. Vor allem Glaubensflüchtlinge zog es an die Spree, denn über die Landesgrenzen hinaus waren die Herrscher Preußens bekannt für ihre religiöse Toleranz. So wurde unter Friedrich I. für die protestantischen Hugenotten 1701 eine eigene Kirche gebaut, der Französische Dom am Gendarmenmarkt, und für die Schlesier Ende des 18. Jhs. ein katholisches Gotteshaus, die St.-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz. 1866 kam in der Oranienburger Straße Europas größte Synagoge hinzu.

Berlin stand im Lauf der Geschichte nicht nur einmal im Zentrum der Weltpolitik, mahnende Erinnerung spielt in der Stadt eine große Rolle. Das Gedenken an Nazidiktatur, Judenverfolgung und die schrecklichen Folgen des Zweiten Weltkriegs wird in Form von zahlreichen Gedenkstätten und Mahnmalen wachgehalten. Natürlich hat auch die jüngere Vergangenheit ihre Spuren hinterlassen. Viele junge Bewohner und Besucher Berlins haben die Teilung der Stadt niemals mit eigenen Augen gesehen. Gedenkstätten, wie etwa das Mauer-Dokumentationszentrum in der Bernauer Straße oder das Alliiertenmuseum in Zehlendorf, sind deshalb wichtiger denn je. An die Luftbrücke, als der westliche Teil der Stadt 1948/49 wegen der sowjetischen Blockadepolitik komplett aus der Luft versorgt werden musste, erinnert noch regelmäßig das Brummen einer Douglas DC3, eines Transportflugzeugs aus jenen Tagen, das heute regelmäßig zu Rundflügen über Berlin startet. Von den vier Besatzungsmächten zeugen die französischen, englischen, russischen und amerikanischen Bildungseinrichtungen und Kulturzentren, weshalb so manches Berliner Kind eine französische Musikschule besucht oder ein Gymnasium mit Schwerpunkt Russisch. Und auch die über 400000 Straßenbäume, gepflanzt, um das Dasein in der Mauerstadt West-Berlin erträglicher zu machen, sind geblieben. Kaum eine vergleichbare Großstadt in der Welt hat so viele Parks und Grünflächen wie Berlin!

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der 40 Jahre währenden Teilung sind allerdings nicht so schnell zu verarbeiten; es geht nur langsam bergauf. Einst am finanziellen Tropf zweier politischer Systeme, hat es die Stadt schwer, ohne ein gewachsenes, wirtschaftlich leistungsfähiges Umland zu existieren. Und trotz eines rasant steigenden Anteils an Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich muss Berlin mit einer Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent leben. Doch die Berliner machen wie immer das Beste daraus, gründen neue, kreative Unternehmen und schaffen es auf diese Art, immer wieder Avantgarde zu sein. Ideen gibt es auch anderswo viele, doch Berlin ist die Stadt, wo sie tatsächlich verwirklicht werden. Und so wie vielen Berlinern, die tagtäglich ihre Stadt erleben, wird es auch Ihnen gehen: Auf Ihrer Entdeckungstour durch die Bezirke der Hauptstadt werden Sie erstaunt sein, was Sie alles vorher noch nicht kannten. Berlin - das ist wie eine Wundertüte: Viel Spaß beim Öffnen!