Mehr als eine Vernunftehe
Schwarz-grüne Koalition in Hamburg
25.04.2008, 21:43
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Mehr als nur eine Vernunftehe: Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Christa Goetsch (GAL) (Foto: AP)
Vasco Schultz lacht wie einer, dem vor dem Abschied nur noch Spott und Häme bleiben. Jeder seiner Sätze klingt wie ein böser Nachruf auf eine Partei, die jetzt endgültig nicht mehr seine ist. "Es ist ein bisschen wie eine Massenpsychose", sagt der 31-jährige Student der Wirtschaftsinformatik über die Befindlichkeit vieler Parteifreunde in der Hamburger GAL. Geradezu verblendet kommen viele ihm vor, sobald es um die Koalition mit der CDU geht. "Die wollen das jetzt einfach gut finden."
Am Sonntag will die GAL über die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene abstimmen. Schultz hätte für diese Zäsur gern einen Showdown heraufbeschworen. Als die Partei den Einstieg in die Koalitionsgespräche beschloss, begann er, Unterschriften zu sammeln.
Er wollte, dass über den Koalitionsvertrag die Basis in einer Urabstimmung befindet. Schultz hätte nur von zehn Prozent der Mitglieder die Unterschriften gebraucht und hat sie doch nicht zusammenbekommen. Vor zwei Wochen blies er die Aktion ab. "Es wird keine große Schlacht mehr geben", sagt er.
Noch in den vergangenen Wochen haben führende Hamburger Grüne stets zu großer Vorsicht gemahnt. Was immer mit der CDU vereinbart werde, stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch ihre Basis. Sie warnten nicht nur pro forma. Eine Mitgliederversammlung der Grünen konnte früher unberechenbar sein. Vorsorglich hat die GAL den Saal in Hamburg-Wilhelmsburg für Sonntag von Mittag an für sieben Stunden reserviert.
Doch niemand rechnet mit einer spannenden Saalschlacht über den vermeintlichen Verrat grüner Werte. Verwundert nimmt auch die Parteispitze wahr, wie glatt es läuft. So soll der historische Augenblick aussehen?
In den internen Debatten seit Unterzeichnung des Koalitionsvertrags haben sich kaum Kritiker zu Wort gemeldet. Wenige kennt man in der Parteispitze mit Namen. Eine prominente Front von Gegnern gibt es nicht. Vasco Schultz, bis vor kurzem Kreisvorsitzender in Hamburg-Wandsbek, zählt zu den wenigen bekannteren Gegnern der schwarz-grünen Verbindung, die sich am Sonntag zu Wort melden wollen.
Das sei er sich schuldig, sagt er und beklagt, der Koalitionsvertrag enthalte zu wenig Konkretes. Über 400mal stehe da das Wort "sollen", mit dem nur gute Absichten bekundet würden. "Ich rechne mit rund 20 Prozent Gegenstimmen", sagt er resigniert, "aber nur wenn es gut läuft für die Gegner."
Zu seinem Eindruck passt die Zuneigung, mit der Grüne und Christdemokraten nach den Koalitionsgesprächen voneinander schwärmen. Vor der Wahl mochte Spitzenkandidatin Christa Goetsch gar nicht nach der schwarz-grünen Option gefragt werden. Zu gefährlich für ihre Wahlaussichten erschien schon das gedankliche Spiel mit der Option. Für sie sollte es darum gehen, Ole von Beust als Ersten Bürgermeister abzulösen. Jetzt ist sie mit der herzlichen Feststellung zitiert worden, an Beust seien nur die hanseatisch blauen Anzüge richtig CDU.
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