Die zornigen Propheten

    US-Immobilienkrise

    20.02.2008, 6:50

    Von Markus Zydra

    Mahnende Worte von Joseph Stiglitz, Robert Shiller und William F. Sharpe: Die amerikanische Immobilienkrise war vorhersehbar, sagen die drei Ökonomen.

    Joseph Stiglitz, AFPGrossbild

    Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. (Foto: AFP)

    Es tut gut, wenn komplexe Sachverhalte wie die Kreditkrise in einer Frage komprimiert werden. "Warum haben US-Banken Hauskredite an arme Bürger vergeben?", fragt Joseph Stiglitz. Der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2001 lacht rau. "Banken sind doch nicht für solche Almosen bekannt", stänkert er weiter. "Das hätte doch alle Welt misstrauisch machen müssen", ruft Stiglitz. Viele im Publikum nicken: Ja, so einfach ist es! Doch dann steht in manchem Gesicht die Frage geschrieben: Warum war denn niemand misstrauisch? "Keiner wollte die Party verderben", antwortet Stiglitz ungefragt. "Außerdem wurden die Kredite sofort weiterverkauft."

    Nun ist Stiglitz keiner der unangenehmen Besserwisser - ihm war das Geschäft mit den US-Häusern schon immer suspekt. Genauso erging es Yale-Professor Robert Shiller, der das Platzen der Internetblase im Jahr 2000 vorausahnte, und auch William F. Sharpe, dem Wirtschaftsnobelpreisträger von 1990.

    Die drei Ökonomen sprachen beim "Institutional Money Kongress" in Frankfurt. Selten ballt sich soviel kritische US-Intelligenz zur selben Zeit am selben Ort. Hunderte Finanzmarktprofis lauschten den Ansprachen. Kernaussage: Schnell steigende Preise deuten auf eine Blase hin! Zugegeben, das klingt banal. Allerdings zeigt die Finanzkrise, wie gerne sich Profis solch banalen Einsichten entziehen. Viele machten mit bis zum Schluss, weil sie dachten, noch rechtzeitig abspringen zu können.

    Kumulierte Dummheit

    Immer wieder gibt es dieses Herdenverhalten. Vielleicht war das auch der Grund, dass die drei Finanz-Propheten in ihren Ansprachen zwischen Zorn und Ironie schwanken. "Warum stiegen denn die US-Häuserpreise?" fragte Robert Shiller. "Die Baukosten waren konstant, die Bevölkerung wuchs nicht, die Zinsen fielen kaum", zählt er auf. Dabei lacht er nach jedem Satzabschnitt und schüttelt dabei den Kopf. In diesem Moment scheint er die kumulierte Dummheit der Welt vor Augen zu haben, denn sein Kopfschütteln drückt Hilflosigkeit aus. Seit Jahren hatte er gewarnt, dass die amerikanische Immobilienblase platzt, und er machte sich keine Freunde.

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    Leserkommentare (12)



    20.02.2008 11:14:49

    Tinus77: @gibacht

    Warum sollte ich mich nicht hierher wagen? Ich verstehe sie nicht ganz. Warum sollte ich Geld bekommen? Bekommen Sie welches? Und warumd 1. April? Meine Vorhersagen waren bisher gar nicht schlecht.


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