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Nach Corona:Carsharing ist wieder gefragt

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Carsharing-Parkplatz in München. Viele Menschen meiden Bus und Bahn und nutzen lieber den Leihwagen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eine Frage, eine Antwort: Geht es der Carsharing-Branche nach den Lockdowns wieder besser?

Von Kevin Gallant

Die vergangenen eineinhalb Corona-Jahre waren eine Zeit mit heftigen Turbulenzen, auch für die Carsharing-Anbieter. Der Bundesverband Carsharing berichtet von Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent am Anfang der Pandemie. Kein Wunder: Am Morgen fiel der Weg in die Arbeit via Leihauto für viele Berufstätige weg, weil sie von zuhause arbeiten konnten. Abends blieben die Feierwilligen daheim. Und dann war da damals noch die Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus: dann doch lieber aufs Fahrrad steigen als in ein fremdes Auto.

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Dabei ging es beiden Sparten der Branche ähnlich: den sogenannten Freefloatern wie Marktführer Share Now, bei denen die Leihautos in Großstädten an beliebigen Plätzen abgeholt und wieder abgestellt werden. Und den stationsbasierten Anbietern, die zum Teil auch außerhalb der Ballungsräume zu finden sind. Die hat es laut dem Bundesverband am Anfang der Pandemie besonders hart getroffen: Mehreren habe die Schließung gedroht. Die Landesregierung von Baden-Württemberg etwa stellte im Juli 2020 einen Rettungsschirm in Höhe von 3,8 Millionen Euro für die betroffenen Carsharer bereit. Die Zahl der Automieten bei Share Now sank laut Sprecherin Anja Mentzel im März 2020 etwa in Berlin um 56 Prozent, in Hamburg um 62 Prozent. Die Folge: Ein Teil der über zehntausend Autos starken Flotte wurde vorübergehend stillgelegt. Mitarbeiter mussten im ersten Corona-Jahr in Kurzarbeit gehen. Wie viele der insgesamt 500 Arbeitnehmer das genau betraf, wollte das Unternehmen nicht mitteilen.

Seit den Lockerungen hat sich die Lage für die Carsharing-Anbieter wieder verbessert. Viele Menschen meiden Bus und Bahn und entscheiden sich für einen Leihwagen, um sich so vor einer Infektion zu schützen. Und entdecken das Angebot ganz neu für sich: wenn schon in einem geschlossenen Raum fahren, dann wenigstens allein und mit möglichst wenig fremden Aerosolen. Nach Angaben des Bundesverbands stiegen die Nutzerzahlen aller Carsharer in Deutschland 2020 um über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf ungefähr 2,8 Millionen. Bei Share Now wuchs die Zahl laut Mentzel zwischen April und Oktober 2020 in Deutschland um 67 Prozent. Europaweit haben sich dort seit Anfang 2020 ungefähr eine halbe Million neue Nutzer registriert. Was allerdings nicht heißt, dass sie auch nur einen Meter gefahren sind. Als Nutzer gilt schon, wer sich bisher nur registriert hat. Share Now arbeitet in immer mehr Städten profitabel, zu genauen Zahlen wollte sich das Unternehmen aber nicht äußern.

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