Reisetipps Australien

Stichworte Australien

Aborigines

Zwar genießen Aborigines heute die gleichen Rechte wie Australier anderer Abstammung; diese Gleichberechtigung existiert allerdings vor allem auf dem Papier. So ist etwa die Gesundheitsversorgung in vielen Aborigine-Gemeinden katastrophal und wird von Experten mit den Verhältnissen in Ländern der Dritten Welt gleichgestellt. Australische Ureinwohner sterben im Durchschnitt sieben Jahre früher als andere Australier. Ignoranz und purer Rassismus von Seite der Bevölkerungsmehrheit sind für viele Ureinwohner Teil des Alltags. Boulevardmedien zeichnen fast nur ein negatives Bild von den Aborigines und sind ein wesentlicher Grund dafür, dass viele Australier die indigene Minderheit als eine Art Schandfleck sehen. Diese Haltung steht im krassen Gegensatz zu der von Touristen, die sehr oft nach Australien kommen, um eine der ältesten noch bestehenden Kulturen kennenzulernen.

Britische Höflichkeit

In Australien sind britische Höflichkeit und Diplomatie an der Tagesordnung. So entschuldigen sich viele Aussies im täglichen Umgang eher einmal zuviel als einmal zu wenig - so z.B. schon, wenn sie aus Versehen einmal vor das Objektiv der Videokamera geraten, sich am Tisch räuspern oder in einer Warteschlange laut niesen müssen.

Einwanderung

Wie Kanada und die USA ist auch Australien ein begehrtes Ziel von Einwanderern. Seit 200 Jahren tragen Millionen von Immigranten zur Identität des Landes bei. Heute stammt jeder vierte der über 20 Mio. Australier aus einem anderen Land oder hat Eltern, die in Übersee geboren wurden. Ohne Einwanderer gäbe es das moderne Australien nicht. Je nach politischem Klima und wirtschaftlichen Bedürfnissen nimmt Australien pro Jahr zwischen 60000 und 185000 Neuankömmlinge auf.

Flora & Fauna

Die urzeitliche Flora und Fauna Australiens hat sich nach dem Abdriften des Landes vom Superkontinent Gondwanaland vor etwa 100 Mio. Jahren dank der Isolation nahezu ungestört entwickeln können. Nach dem Untergang der Dinosaurier setzten sich in anderen Teilen der Welt die Säugetiere durch. In Australien entwickelten sich die Beuteltiere. Känguruhs sind nur eine der fast 180 Beuteltierarten. Manche der 40 australischen Känguruharten sind klein wie Kaninchen, andere werden über 2 m groß, wieder andere können sogar auf Bäume klettern.

Australien ist ein Paradies für Reptilien und Insekten. Die meisten sind harmlos, aber einige Spinnen und Schlangen sind hochgiftig. Die seltsamsten Tiere Australiens sind die Monotremes, die Eier legen, aber ihre Jungen säugen. Das Schnabeltier (Platypus), das einem Otter mit Entenschnabel ähnelt, und der Ameisenigel (Echidna) sind die einzigen überlebenden Vertreter dieser uralten Säugetierart. Vor vielen Stränden spielen Delphine. Wer nur zwei Stunden aus der Stadt herausfährt und im Busch an der Küste oder in den Bergen kampiert, kann nachts ganze Känguruhfamilien und Wombats beobachten. Die braun behaarten Beuteltiere von der Größe eines kleinen Schweins sind die Lieblingstiere vieler australischer Kinder. In einigen Gegenden kann man hoch in den Kronen der Eukalyptusbäume kuschelige Koalas entdecken.

Flying Doctor

Der fliegende Doktor ist eines der bekanntesten Symbole Australiens. Der weltweit erste ärztliche Notfalldienst aus der Luft begann 1928 als Australian Aerial Medical Service in der kleinen Stadt Cloncurry in Queensland, nachdem der Presbyterianerpriester John Flynn das Elend der Outbackbewohner gesehen hatte. Hunderte oder sogar Tausende Kilometer von ärztlicher Hilfe entfernt starben Menschen an den Folgen auch kleiner Verletzungen und Krankheiten, die in den Städten leicht zu behandeln gewesen wären. Heute ist der Royal Flying Doctor Service (RFDS) mit 50 Basisstationen eine unverzichtbare Lebenslinie zwischen den Menschen im Busch und der Zivilisation.

Hilfsbereitschaft

Eine sehr liebenswerte Eigenschaft aus den Pioniertagen konnte in die Neuzeit hinüber gerettet werden: Schier grenzenlos ist die Hilfsbereitschaft der Australier, ganz gleich, ob bei einer Reifenpanne im Outback oder Orientierungsverlust in Sydney oder Melbourne. Da werden Termine verschoben, um schnell den Pneu montieren zu können, da werden Karten organisiert, Routen erklärt, und das alles mit einer Geduld und Freundlichkeit, über die Europäer nur staunen können. In solchen Momenten kann man dann erfahren, wie groß der Zusammenhalt der Australier untereinander noch immer ist und dass Solidarität zumindest innerhalb des weißen Australien zu den Grundwerten gehört.

Mateship

Die mateship ist ein typisch australisches Phänomen, das auch heute noch Männer wie Blutsbrüder zusammenhalten lässt. Damals, in der Wildnis des unerforschten Kontinents, hatten nur „echte Kerle“ eine Chance. Gemeinsamkeit machte stark, half beim Überleben. Bei geselligen Anlässen sind auch heute noch die meisten australischen Männer lieber unter sich.

Musik

Australiens sehr lebendige Musikszene ist mehr als nur Kylie Minogue, jene Popikone, die international für Furore gesorgt hat. Wer die Musikszene Downunder beleuchtet, kommt etwa an Rockgrößen wie AC/DC oder INXS nicht vorbei - oder an Paul Kelly, der auch der Bob Dylan Australiens genannt wird. Wie kein anderer vor ihm erfasst der aus Adelaide stammende Songwriter seit den 1980er-Jahren die australische Seele. Oft machen lokale Pop- und Rockbands wie die aus Brisbane stammenden Powderfinger steile Karrieren, auch Aboriginebands wie Yothu Yindi schaffen es mit ihren oft kritischen Songs, das Publikum zu begeistern.

Naturschutz

Standen schon die ersten Entdecker im 18. Jh. im Kampf mit einer überwältigenden, fremden Natur, so hat sich daran bis heute nichts Wesentliches geändert. Mitten im Kakadu National Park rattern, ganz zwanglos, die Bagger auf der Suche nach Uran und Gold; das Great Barrier Reef konnte nur mit Mühe und Not davor bewahrt werden, von Erdölgesellschaften angebohrt zu werden. Auch der ausufernde Touristenrummel trägt seinen Teil zur Umweltschädigung bei. Auf dem größten Heiligtum der Ureinwohner, dem Uluru (Ayers Rock) steigen tagtäglich hunderte Besucher herum. Greenies, wie Umweltschützer gern genannt werden, gelten als Spinner und wirtschaftsfeindlich; das Etikett „Eco“ für ökologisch ist nur auf Tourismusprospekten wirklich gern gesehen.

Picknick

Picknicks sind eine australische Leidenschaft. In fast allen Parks und auf den Rastplätzen entlang der Highways gibt es ausgezeichnete Picknickmöglichkeiten: schattige Bänke und Tische, Wasser und Grillplätze. Picknicks werden zu jeder Gelegenheit veranstaltet: mit Kerzenlicht, Porzellan und ausgebreiteten Tischdecken vor Openairkonzerten oder Theaterveranstaltungen, Geburtstagspicknicks für Kinder, Picknicks am Strand, an öffentlichen Feiertagen, vor Sportereignissen.

Regierungssystem

Grundsätzlich folgt das australische Regierungssystem dem Modell der liberalen Demokratien Großbritanniens und Nordamerikas. Daneben hat es auch eigene Merkmale. Die Regierung setzt sich aus Mitgliedern eines vom Volk gewählten Parlaments mit zwei Kammern zusammen, dem Repräsentantenhaus (House of Representatives) und dem Senat (Senate). Regierung und Parlament haben ihre Sitze seit 1927 in Canberra. Die Partei oder Parteienkoalition, die im Repräsentantenhaus die Mehrheit genießt, stellt die Regierung. Das Staatsoberhaupt, Königin Elisabeth II., ernennt auf Vorschlag der Regierung einen Generalgouverneur als ihren Vertreter. Dieser gibt dann den Ministern den Segen, die ihm vom Premierminister vorgeschlagen werden.

Sport

Die Australier sind sportverrückt. Auf Partys und Festen ist Sport oft das Thema Nummer eins. Das liegt nicht nur am britischen Erbe: Das Thema Sport eint die Australier. Jeder kann dabei mitreden - egal, aus welcher Kultur er oder sie stammt.

Tall Poppies

Auf Arroganz und Anmaßung reagieren Australier empfindlich. Tall poppy syndrome nennen sie es, wenn Prominente zu viel Wirbel um die eigene Person machen - sei es durch eine aufgeregte Schar von Leibwächtern, sei es, etwa in der Politik, durch zu große Distanz vom Volk. Abgehobene Großkopferte, also tall poppies, muss man nach Meinung vieler wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringen.