Auf Bali debattiert die Weltgemeinschaft über Maßnahmen zum Klimaschutz. Aber auch die Leugner des Klimawandels machen dort PR - mit allen Mitteln.
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Ein Mann am ausgetrockneten Lam Takhong-Staudamm in Thailand: Von solchen Anblicken lassen sich Klimawandel-Skeptiker nicht beirren. Foto: dpa
Lord Monckton ist ein entsetzlich korrekter Mann, ein Mathematiker. Gleich bei der ersten Rechnung fand er, was er suchte: einen Fehler. Einen Fehler in den Berechnungen des Weltklimarates, des größten Wissenschaftler-Gremiums, das die Welt je gesehen hat, kurz IPCC. Der Befund des Lords ist von mathematischer Logik, zumindest für ihn.
"Wenn das IPCC falschliegt, dann haben wir keinen Klimawandel", sagt der Lord. "Dann sind die Maßnahmen, die hier diskutiert werden, dumm, überflüssig und kostspielig." Lord Monckton, trotz brütender Hitze im dunkelblauen Zweireiher, ist jetzt in Fahrt. In der Lobby seines Hotels auf Bali wirft er mit Zahlen, CO2-Konzentrationen, Autoren verschiedenster Studien um sich. Die These ist immer dieselbe: Einen Klimawandel, den der Mensch verantwortet, gibt es nicht.
"Und wenn es kein Problem gibt, braucht man nicht nach Lösungen zu suchen." Dann können alle Delegierten auf Bali den Griffel fallenlassen und sich an den Pool legen. Lord Monckton hat die Sache für sie gelöst.
Er ist vielleicht der Skurrilste, aber keineswegs der Einzige, der auf der Weltklimakonferenz gegen den Strom schwimmt - im Gegenteil. Mehr Lärm als je zuvor machen die Klimaskeptiker auf Bali. Als führten sie angesichts der wachsenden Dynamik im Klimaschutz nun ihr letztes Gefecht. Sie treten als Nichtregierungsorganisationen auf wie die Umweltgruppen, geben sich sogar ähnliche Namen. "Climate Change Network" etwa heißt eine,"Climate Action Coalition" eine andere - fast so wie das "Climate Action Network", die Dachorganisation der globalen Klimaschutzbewegung.
Nur haben ihre Ziele mit Klimaschutz nicht viel gemein. Jeder versucht auf seine Art, den Staaten die Konferenz auszureden. Die "International Climate Science Coalition" ICSC, die sich bestimmt nur zufällig so ähnlich abkürzt wie das IPCC, präsentiert ihre eigenen Temperaturkurven; die Botschaft ist simpel: "Vergesst das CO2! Schaut auf das Thermometer!" Alle Anstiege, so schreibt die Wissenschaftler-Allianz, ließen sich natürlich erklären. Eine Klimakonferenz? Völlig überflüssig.
"Eine Vergeudung von Ressourcen"
Patrick Michaels von der Climate Action Coalition versucht es anders. "Angesichts der Tatsache, dass eine Stabilisierung des atmosphärischen Kohlendioxids Emissionsminderungen um 90 Prozent oder so erfordert", leitet er ein, solle man sich doch lieber auf die Bewältigung der Folgen konzentrieren. "Es gibt keine Technologie, die auch nur um 50 Prozent die Emissionen mindern könnte", sagt er. "Ergo ist es eine Vergeudung von Ressourcen, es heute zu versuchen."
Warum wiederum diese Gruppen ausgerechnet in diesem Jahr so viel mehr Ressourcen darauf verschwenden, die Bali-Konferenz eines anderen zu belehren, bleibt rätselhaft. Womöglich, weil hier Weichen gestellt werden könnten. Oder hängt es damit zusammen, dass ihr bislang wichtigster Verbündeter, die USA, in diesem Jahr nahezu geläutert auftritt? In kurzer Hose und bester Stimmung tauchte jüngst sogar der sonst so hartleibige US-Unterhändler Harlan Watson auf einer Party von Nichtregierungsorganisationen auf, und zwar auf jener der Umweltgruppen.
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Aus Lord Moncktons Sicht ein gigantischer Fehler. Denn hinter dem ganzen Klimagedöns stecke inzwischen eine ganze Industrie, eine Art Erderwärmungs-Wirtschaft. Und die veranstalte den ganzen Zirkus nur, weil sie damit an Steuergeld und Spenden gelange. "Die versuchen nur, ihre Einnahmen zu maximieren", vermutet er. Selbst der Wissenschaftler-Rat IPCC, seit Montag Friedensnobelpreis-Träger, reihe sich da ein.
Die vielen beteiligten Wissenschaftler profitierten von den Klima-Aufträgen, also schreiben sie das Klima schlecht. Ergebnis: "1600 Seiten Müll", sagt Monckton. "Nicht einmal einer Überprüfung hat sich der IPCC unterzogen." Otmar Edenhofer, Vize-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und selbst an dem Bericht beteiligt, kann darüber nur müde lächeln. "Es hat in der Geschichte noch keine wissenschaftliche Arbeit gegeben, die derart akribisch überprüft wurde wie diese."
Das schließe Rechenfehler zwar nicht aus. "An den Kernaussagen gibt es aber keinen Zweifel." Und wie es aussieht, verhandelt auch unter den 190 Staaten in Bali niemand mehr über das Ob der Erderwärmung, sondern nur noch darüber, wie sie sich am besten bremsen lässt.
Wer sich dennoch vom Gegenteil überzeugen will, findet in Bali genügend Angebote. Das amerikanische "Heartland Institute" etwa lädt für Freitag zum Frühstück und zu den Vorträgen dreier Wissenschaftler ein. "Wenn man einmal den Beweis akzeptiert, das CO2 für die Erderwärmung nicht signifikant ist", so schreibt das Institut in der Einladung, "sind die Konsequenzen ganz logisch." Unter anderem könnten die USA dann eine "rationalere Energiepolitik wählen, unbelastet von Klimaängsten".
Unübertroffen aber bleibt das "Komitee für ein konstruktives Morgen". Am Dienstag verteilte das Komitee auf Bali Einladungen an Journalisten - zur kostenlosen Massage. "Entspannt mit uns", heißt es darin. "Schlagt die Hitze beim coolsten Event der Stadt." Da, leider, liegt das Problem: Wenn es bloß nicht so warm wäre.
(SZ vom 12.12.2007/gba/grc)





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