Reisetipps Budapest

Stadtspaziergänge Budapest

Rundgang auf dem Burgberg

60 m hoch ragt der Burgberg am Donauufer auf. Trotz aller Katastrophen, die diesen historischen Kern der Stadt heimsuchten - Erdbeben, Brände, Belagerungen und Kriege -, ist der 1,5 km lange und bis zu 500 m breite Hügel ein kulturhistorisches Juwel. Zwei Drittel der Fläche nimmt das Burgviertel ein, ein Drittel der gewaltige Burgpalast. Für diesen Spaziergang sollten Sie sich drei bis vier Stunden Zeit nehmen.

Den schönsten Weg zum Burgberg nimmt die Standseilbahn (Sikló | in geraden Wochen Mo geschl., sonst tgl. 7.30-22.30 Uhr). Sie fährt in zwei Minuten - auf einer 95 m langen Strecke mit 48-prozentigem Gefälle - vom Clark Ádám tér (an der Kettenbrücke) zum Szent György tér.

Der Burgberg ist auch Wohngebiet, aber es leben nur wenige Menschen in den historischen Mauern. Die privat genutzten Häuser sind meistens gar nicht oder kaum modernisiert. In den Sommermonaten füllt sich der Burgberg mit Besuchern, doch im Winter bietet er ein stilles, in manchen Ecken gar verlassenes Bild. Es gibt Pläne, das Areal zu beleben, doch es wurden noch keine Projekte realisiert. Für Besucher ist das Viertel mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten, den Restaurants, Cafés und Läden ein Muss.

Von der Bergstation der Standseilbahn geht es nach links zum Burgpalast mit seinen Museen. Die große Bronzeplastik am nordöstlichen Ende des Palasts stellt den Turul-Vogel dar, einen Riesenfalken. Der Sage nach gilt er als halbgöttlicher Stammvater der Ungarn.

Wenn Sie von der Bergstation nach rechts gehen, kommen Sie in die Színház utca (Theaterstraße). Das klassizistische Palais Alexander (Sándor palota) von 1806 ist der Sitz des ungarischen Staatspräsidenten. Das Palais Nr. 1-3, zuvor eine Karmeliterkirche, wurde auf Geheiß von Kaiser Franz Joseph II. zum ersten ständigen Theater in Buda umgebaut (1790 eröffnet). In diesem Burgtheater (Várszinház) ist jetzt das Nationale Tanztheater zu Hause. Im schönen Hof des Klosters befindet sich im Sommer das Café Rivalda. Der Dísz tér (Paradeplatz) markierte einst die Grenze zwischen dem Palastviertel und der Bürgerstadt. Im Mittelalter war er Marktplatz und Hinrichtungsstätte. Vom Dísz tér gehen mehrere Straßen ab. Eine ist die Tárnok utca, in der früher deutsche Händler wohnten.

Den Spaziergang setzen Sie in der Tóth Árpád sétány fort, einer Promenade auf der Befestigungsmauer des Burgbergs mit schönen Ausblicken über die Budaer Stadtviertel. Biegen Sie nun nach rechts in die Szentháromság utca (Straße der Heiligen Dreifaltigkeit) ein. Dort lädt das elegante kleine Café Ruszwurm von 1824 zu einer Pause ein. Ihm gegenüber liegt das alte Rathaus von Buda, das 1873, mit der Vereinigung von Buda, Óbuda und Pest seine Funktion verlor und seitdem als Kolleg genutzt wird. Der gewaltige Barockbau reicht von der Úri utca (Herrenstraße) bis zum Szentháromság tér. In der Úri utca, in der auch die deutsche Botschaft liegt, geht der Rundgang weiter. Hier finden Sie viele Spuren des Mittelalters, z. B. gotische Sitznischen. An den Gebäuden zeigt sich, wie nach der Zerstörung durch die Türken barocke Bauten auf den Trümmern der gotischen Bauwerke errichtet wurden. Gotisch ist noch die Fassade des Hauses Nr. 31, und auch an den Häusern Nr. 32, 34, 36 und 38 sind gotische Elemente zu erkennen.

Über die Querstraße Dárda utca gelangen Sie in die Országház utca (Parlamentsstraße). In dieser Straße haben zwei gotische Häuser (Nr. 18, 20) und ein Barockhaus (Nr. 22) die Stürme der Zeit überlebt. Am Ende der Országház utca liegt der schöne Kapisztrán tér mit dem spätgotischen Maria-Magdalena-Turm (Magdolna torony), von dem jede Viertelstunde ein Glockenspiel erklingt. Nur der Turm der Kirche (13. Jh.) hat ihre Zerstörung im Zweiten Weltkrieg überstanden. Das klassizistische Militärhistorische Museum (Hadtörténeti Múzeum) war einst eine Kaserne. Durch die Petermann biró utca kommen Sie zum Bécsi kapu tér (Wiener-Tor-Platz). An der Ecke zur Fortuna utca steht die neoklassizistische Evangelische Kirche.

Der nordöstliche Teil des Burgviertels war im Mittelalter das jüdische Ghetto. Sein Zentrum, die Táncsics Mihály utca, wurde im Volksmund „Judengasse“ genannt. Ihr schönstes Barockgebäude ist das Erdődy-Palais (Nr. 7). Die Straße führt am Hotel Hilton vorbei zur Matthiaskirche am Szentháromság tér. Die 14 m hohe Dreifaltigkeitssäule auf dem Platz wurde 1715 zur Erinnerung an das Wüten der Pest im Jahr 1706 aufgestellt. Auf der rechten Straßenseite liegt der Eingang zum Haus der ungarischen Weine. Von der Matthiaskirche sind es dann nur noch wenige Schritte zur Fischerbastei. Das große Reiterdenkmal stellt König Stephan I. dar. Dieser Teil des Burgbergs - Matthiaskirche, Fischerbastei und Reiterstandbild - wurde von Frigyes Schulek Ende des 19. Jhs. als Gesamtanlage konzipiert und realisiert.

Der Rückweg führt durch die Szentháromság utca nach links in die Úri utca. Im Haus Nr. 9 geht es hinunter zum Burgberg-Labyrinth. Dass der gesamte Burgberg von natürlichen Höhlen und Tunneln durchzogen ist, war schon im Mittelalter bekannt. Zurück kommen Sie über die Úri utca, den Dísz tér und die Königstreppe (Kiraly lépcső), die zur Donau führt, oder mit der Standseilbahn.

Die Elisabethstadt: Entdeckungen im jüdischen Viertel

Verfall und neuer Glanz liegen im jüdischen Viertel - im VII. Bezirk Elisabethstadt (Erzsébetváros) - dicht beieinander, aber es entwickelt sich mit jedem Jahr mehr zu einem lebendigen, attraktiven Teil der Hauptstadt. Dauer des Spaziergangs: eine Stunde.

Der Spaziergang beginnt am religiösen Zentrum der jüdischen Gemeinde, der Synagoge in der Dohány utca, die 1859 feierlich eingeweiht wurde. Anfang des 20. Jhs. lebten in Budapest etwa 170000 Juden. Ihr Anteil an der Bevölkerung stieg in den Jahren von 1872 bis 1900 wegen des weltoffenen Klimas der Stadt von 16 auf 21,5 Prozent. 1939 wurden etwa 200000 Juden gezählt. Orthodoxe Gläubige waren in Budapest immer nur eine kleine Minderheit, etwas wie ein Schtetl - ein Viertel, in dem nur nach jüdischen Traditionen gelebt wurde - hat sich nie entwickelt. Die große Mehrheit der Juden war liberal und versteht sich bis heute als Teil der ungarischen Bevölkerung. Ende 1944 wurde die Elisabethstadt, von der Umgebung durch eine Mauer abgeriegelt, zum Ghetto und für Tausende der eingeschlossenen Juden zum Grab. Der Holocaust brachte insgesamt 600000 ungarischen Juden den Tod. An diese Verbrechen gemahnt das Holocaust Erinnerungszentrum.

Heute leben etwa 80000 Juden in Budapest, die meisten über das gesamte Stadtgebiet verstreut. Die Elisabethstadt war und ist jedoch ein Viertel, in dem jüdisches Leben viele Spuren hinterlassen hat und in dem - zuerst nach dem Grauen der Naziherrschaft, dann nach der Wende von 1989 - wieder jüdische Religion und Traditionen gelebt werden. Die grundlegende Renovierung der Synagoge in der Dohány-Straße wurde vor allem durch eine Stiftung des amerikanischen Schauspielers Tony Curtis ermöglicht. Sein Vater Emanuel war ein jüdischer Emigrant aus Ungarn. In einem Seitenflügel der Synagoge ist das Jüdische Museum untergebracht.

Von der Synagoge (Herzl-Platz) aus geht es in die Wesselényi utca. Auch wer das Gotteshaus nicht im Rahmen einer Führung besichtigt hat, sieht von der Straße aus rechts eine silbern schimmernde Skulptur des Künstlers Imre Varga. Sie steht über Massengräbern und stellt eine Trauerweide dar, auf deren Blättern die Namen der Opfer stehen. Zu sehen sind auch Gedenksteine zur Erinnerung an die im Ghetto gestorbenen und ermordeten Juden. Wenn Sie die Straße weiter hinuntergehen, passieren Sie an der Ecke Síp utca den modernen Bürokomplex des Wirtschaftsprüfungs- und Consultingunternehmens Pricewaterhouse-Coopers. Von der Wesselényi utca biegen Sie nach links in die Kazinczy utca ein. Dort liegt links das Kultusministerium (Nr. 24-26) und ihm gegenüber das Museum für Elektrotechnik (Nr. 21).

Der Gebäudekomplex an der Ecke Dob utca erschließt sich erst vom Innenhof aus. Sie gelangen hinein, wenn Sie nach rechts in die Dob utca einbiegen. Dort hängt an der Nr. 35 ein Hinweisschild auf das koschere Restaurant Hanna. Der Durchgang ist wenig einladend, aber der Hof ist ein Stück Geschichte. Das Gebäude mit der Aufschrift Iskola war eine jüdische Schule, die 1944 von den Nazis aufgelöst wurde. Teil des Komplexes ist heute wieder eine Synagoge, und zwar die der etwa 3000 orthodoxen Juden der Stadt. Zurück auf der Dob utca, zeigt der Blick nach links die Straße hinunter einige noch weitgehend unrenovierte Gebäude mit einer Reihe koscherer Geschäfte. Nach rechts, zum Klauzál tér hin, wurde schon mehr renoviert. Der Spaziergang führt nun von der Dob utca weiter nach links in die Csányi utca. An dem großartigen Eckpalais links zur Király utca (OTP-Bank) hängt eine Tafel. Sie besagt, dass der frühere Besitzer, ein Fabrikant, in diesem Gebäude über 100 Juden versteckt gehalten und dadurch gerettet hat. An dem Platz gegenüber steht die Theresienstädter Pfarrkirche von 1801. Den Turm errichtete 1871 der renommierte Architekt Miklós Ybl. Der Urnenfriedhof in der Unterkirche ist nur Mo-Sa 17.45-18.30 Uhr und So 11-12 Uhr zu besichtigen.

Wenn Sie in südlicher Richtung in die Király utca gehen, sind Sie mittendrin in einem faszinierenden Sanierungsprozess. Diese Straße entwickelt sich in diesem Teil zur Designmeile der Stadt. Während der obere Teil der Király utca noch das Gesicht der alten Stadt zeigt und mit Sexläden gespickt ist, mausert sich der untere Teil (ab Deák Ferenc tér bis Klauzal tér) immer mehr. Dort geben Designläden wie Goa (Nr. 21), der Shop Arioso Deko & Café (Nr. 9) oder die schicke Restaurantbar Noir et L'Or (Nr. 17) den Ton an. Diese neue Király utca ist ein ästhetischer Genuss - das gilt auch für das Hotel Domina Fiesta. Für einen Stopp empfiehlt sich das gute, nett eingerichtete italienische Restaurant Magdalena Merlo (tgl. | Király utca 59 b | Tel. 3223278 | €€).

Nach Jahren des Verfalls wird der wunderbare Gebäudekomplex mit der Hausnummer 13, der Gozsdu-Hof nun wieder in wunderbarem Glanz erstrahlen. Seine Zukunft - ein Luxuskomplex mit Läden und teuren Wohnungen - steht in krassem Kontrast zu seiner Vergangenheit. Er wurde Mitte des 19. Jhs. von einem reichen Mäzen als Wohnheim für orthodoxe rumänische Studenten geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg regierte hier der Terror: Beide Zugänge wurden gewaltsam versperrt, sodass der größte Teil der Bewohner elend verhungerte.

Biegen Sie nun von der Király utca nach links in die Rumbach utca ab. Nach wenigen Schritten haben Sie rechts, durch einen Torbogen, einen tollen Blick nach Buda zur Zitadelle auf dem Hügel. Die Rumbach-Synagoge wurde 1872 von dem Wiener Architekten Otto Wagner im romanisch-maurischen Stil gebaut; sie ist gelegentlich geöffnet. Etwa 18000 Juden waren hier 1944 interniert. Noch ist in dieser Straße einiges zu tun. So liegt gegenüber dem Shop La Petite Francaise noch eine Baulücke, die vorübergehend als Parkplatz genutzt wird. Wenn Sie von der Rumbach-Straße rechts in die Dob utca gehen und dann nach links abbiegen, kommen Sie zum Ausgangspunkt zurück.