Zuckerbrot und Peitsche im US-Wahlkampf: Der republikanische Kandidat McCain mahnt seine Anhänger zum fairen Wahlkampf - und vergreift sich selbst massiv im Ton.

McCain, AFPGrossbild

Der Wahlkampf könnte besser laufen für John McCain (Foto: AFP)

Vor der letzten Fernsehdebatte im Präsidentschaftswahlkampf der USA hat der republikanische Kandidat John McCain den Ton noch einmal verschärft. Er werde beim Aufeinandertreffen mit Barack Obama am Mittwoch die Peitsche mitbringen, kündigte McCain an.

Wörtlich sagte er am Sonntag vor Wahlkampfhelfern bei Washington, er werde Obama "den ihr wisst schon was auspeitschen".

Andererseits drängte er seine Anhänger zum wiederholten Mal, einen "respektvollen Wahlkampf" zu führen. "Ich respektiere Senator Obama. Wir werden einen respektvollen Wahlkampf führen und dafür sorgen, dass alle das tun, das ist wichtig", sagte McCain in seinem Wahlkampfhauptquartier in Arlington bei Washington.

"Terrorist", "Lügner", "Bringt ihn um"

Der Wahlkampf der Republikaner war in den vergangenen Tagen deutlich aggressiver geworden und Anhänger hatten auf Wahlversammlungen mit Blick auf Obama "Terrorist" oder "Lügner" gerufen. In Florida hatte ein Teilnehmer sogar "Bringt ihn um" gerufen.

McCain räumte unterdessen ein, dass er in den landesweiten Umfragen "ein paar Prozentpunkte" hinter dem Kandidaten der Demokraten liege. "Aber wir sind mitten drin im Spiel", versicherte der 72-jährige Senator. Die Finanzkrise habe ihm ihn den vergangenen zwei Wochen etwas geschadet.

Jetzt wollten die Wähler aber vor allem Erfahrung und eine Vision. "Wir werden das Amerika geben", sagte McCain. Nach der Fernsehdebatte am Mittwoch werde er 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche für den Sieg am 4. November kämpfen.

Zusammen mit seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin tritt McCain heute in Virginia auf. Dieser bislang als Hochburg der Republikaner geltende Staat ist mittlerweile zwischen beiden Lagern heftig umkämpft.

Biden: "Wir brauchen mehr als einen tapferen Soldaten"

Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden warf McCain unterdessen vor, sich in der Finanzkrise sprunghaft und unberechenbar zu verhalten. In der von Arbeitern geprägten Kleinstadt Scranton in Pennsylvania sagte Biden am Sonntag mit Blick auf die Vietnamkriegserfahrung des politischen Gegners: "Wir brauchen mehr als einen tapferen Soldaten, wir brauchen einen klugen Führer."

Umfragen zufolge wächst der Vorsprung der Demokraten weiter. Nach einer aktuellen Umfrage von Washington Post und ABC News führt Obama mit 53 zu 43 Prozent vor McCain. Die Umfrage wurde nach der letzten Fernsehdebatte am Dienstag erhoben. Der Reuters/C-Span/Zogby-Umfrage zufolge konnte McCain jedoch wieder leicht aufholen. In dieser Umfrage führte Obama mit 48 zu 44 Prozent. Am Sonntag lag er noch mit sechs Punkten bei 49 zu 43 Prozent in Führung.

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(AP/AFP/Reuters/ihe/gal)

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Leserkommentare (63)



14.10.2008 15:02:30

realismusstudio: wie man unterschwellig Botschaften verbreitet

an ginasummer: Woran glauben Sie zu erkennen, dass McCains Auesserungen kein Rassismus seien? Es ist doch ganz klar, was sich hier erkennen laesst: Man saeht unterschwellig Ressentiments, die dann mit Hilfe der erhitzten Gemueter der republikanischen Anhaengerschaft in plumpe Aggression umschlagen. Dies fuehrt zu mobartigen Szenarios und offen bekundetem Hass. Im Anschluss stellt man sich hin und sagt: Alles gar nicht so gemeint. Der ist ja gar kein Terrorist, habt ihr missverstanden. Ich respektiere ihn usw. Die Kampagne mit diesen Aussagen wird unterdessen weitergefuehrt. Demagogie in Reinstform. Allein die Unverschaemtheit in Anbetracht der Hautfarbe Obamas "die Peitsche" zu der naechsten Debatte mitzubringen. Also bitte, es ist doch voellig klar, was hier fuer Assoziationen geweckt werden sollen: Suedstaaten-Demagogie par excellence.

Die 200 $ Wahlkampfspende von Ayers als eine Obama verpflichtende "Foerderung" zu deklarieren halte ich auch fuer reichlich uebertrieben: Obama hat mittlerweile hunderte von Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingesammelt. Ausserdem: Es gehoert dazu in einer Demokratie mit Menschen anderer Ansicht zusammenzuarbeiten- das ist ihr Kern. Warum hatte denn niemand von dem republikanisch gepraegten Panel kein Problem damit, Ayers dafuer zu berufen?

Noch ein Wort zu Palin: Dass sie eine Frau ist, tut ueberhaupt nichts zur Sache. Das Problem ist vielmehr, dass viele den Eindruck haben, der Leiter ihres lokalen Supermarktes sei faehiger als Vizepraesident als eine amtsmissbrauchende Gouvernaeurin eines Ministaates (1% der amerik. Bevoelkerung lebt in Alaska) mit fundamentalistischen Ansichten. Beim besten Willen: Ich hab zwar nix fuer sie uebrig, aber bei den Republikanern ist die Personaldecke doch nicht so miserabel dass Mrs. Mainstreet ausgestattet mit Hockeyfelderfahrung Vizepraesident werden muesste.


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