Abschiede aus der Bundesliga:Reus trifft traumhaft, Streich macht sich Vorwürfe

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Die Mannschaft von Borussia Dortmund lässt Marco Reus hochleben. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Am letzten Spieltag sagen auch viele langjährige Akteure der Bundesliga Tschüss. Marco Reus, Sebastian Rode und Makoto Hasebe erleben einen perfekten Abschluss - Freiburgs Trainer Christian Streich hadert mit sich.

Marco Reus

Ganz langsam schritt der sichtlich bewegte Marco Reus Richtung Südtribüne, von dort hallten ihm schon die Gesänge entgegen. Reus kletterte auf den Zaun und stimmte mit einem Fanschal um den Hals lautstark ein. Die Vereinsikone genoss die Momente nach dem perfekten Bundesliga-Abschluss in vollen Zügen, dann wurde er von seinen Mitspielern in die Luft geworfen.

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Der Dortmunder ist nie deutscher Meister geworden und hat fast alle großen Turniere mit der Nationalelf verletzt verpasst. Doch seinen Abschied von der Borussia könnte er mit einem Sieg in der Champions League krönen.

Von Freddie Röckenhaus

"Es waren wahnsinnig viele Emotionen. So gehört es sich für einen Spieler seiner Kategorie. Schöner kann man es sich nicht ausdenken", sagte Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem 4:0 (2:0) gegen Absteiger Darmstadt 98 und fügte an: "Es wäre ein Bilderbuchabschied, wenn wir nicht in zwei Wochen dieses Finale hätten und es krönen wollen." Reus überragte in seinem letzten Heimspiel mit einem Tor und einer Vorlage für die Mannschaft von Trainer Edin Terzic, die damit auch eine gelungene Generalprobe für das Champions-League-Endspiel am 1. Juni gegen Real Madrid feierte.

Ian Maatsen (30.) brachte den BVB nach einem Assist von Reus in Führung. Kurz darauf traf der umjubelte Mann des Tages in seinem 294. Ligaspiel für den BVB mit einem wunderschönen Freistoßtor selbst (38.), im zweiten Durchgang erhöhten die eingewechselten Julian Brandt (72.) und Donyell Malen (88.). Reus wurde unter dem Jubel der Fans in der 81. Minute ausgewechselt.

Die ganze Südtribüne huldigte vor dem Anpfiff Marco Reus. (Foto: Bernd Thissen/dpa)

Trainer Terzic hatte Reus "den Rahmen bieten" wollen, "den er sich verdient" - und beorderte ihn in seine Startformation. Zudem überließ ihm der eigentliche Kapitän Emre Can noch einmal das Armband, das Reus selbst über viele Jahre für die Schwarz-Gelben getragen hatte. Der erste emotionale Höhepunkt erfolgte bereits beim Aufwärmen. Während sich die Dortmunder Mannschaftskollegen zurückhielten, betrat einzig Reus den Rasen in seinem "Wohnzimmer" - die ersten Standing Ovations, das Stadion kochte. Wenige Minuten später folgte dann die offizielle Verabschiedung. Zunächst überreichten die Vereinsvertreter um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke einen großen Blumenstrauß und ein Porträt, dann ließ sich Reus erneut von den Fans im Stadion feiern. Kurz vor dem Anpfiff präsentierte die Südtribüne noch eine große Choreo mit der Nummer elf und einem "Danke, Marco!"-Spruchband. Der Vertrag des 34-jährigen Ex-Nationalspielers war nicht noch einmal verlängert worden. Seine Karriere beendet will Marco Reus aber nicht, wohin ihn seine Abschiedstournee führen wird, hat er zuletzt offen gelassen.

Christian Streich

Christian Streich wurde schon vor dem Anpfiff emotional, später machte er sich Vorwürfe. (Foto: Andreas Gora/dpa)

Nach dem Verpassen des Europokals hat Freiburgs Trainer Christian Streich die Fehler bei sich gesucht. "Dass wir die letzten Wochen kein Spiel gewonnen haben, ist unglaublich. Das muss ich mir vorwerfen lassen", sagte Streich nach seinem letzten Spiel als SC-Coach und dem 1:2 am Samstag beim 1. FC Union Berlin. Nach fünf Spielen ohne Sieg im Saisonendspurt fielen die Breisgauer noch auf Tabellenplatz zehn zurück. "Wir hatten gute Spiele dabei, aber wir haben kein einziges gewonnen. Ich bin jetzt maximal enttäuscht von mir, dass ich es nicht geschafft habe, der Mannschaft den letzten Impuls zu geben. Es tut mir leid für die Fans und die Mannschaft", sagte Streich.

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Der Tag endete für den Trainer somit emotional. Und er hatte, wenn auch unter anderen Vorzeichen, auch emotional begonnen. Schon vor dem Anpfiff seines letzten Spiels hatte Streich Tränen in den Augen. "Ich bin seit Wochen umgeben von unzähligen Menschen, die mir viel entgegenbringen", sagte Streich im Interview beim Sender Sky. Er sei "sehr berührt", sagte er und wurde vom Sky-Moderator in den Arm genommen. Was er am meisten vermissen werde? "Die Menschen", erklärte Streich.

Der 58-Jährige verlässt den SC nach zwölf Jahren als Chefcoach, im Breisgau endet eine Ära. Am vergangenen Wochenende war Streich bereits im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (1:1) emotional von den eigenen Fans verabschiedet worden. Am Samstag bedachten ihn auch die Anhänger von Union mit lautem Applaus.

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Sebastian Rode und Makoto Hasebe

Kapitän Sebastian Rode und Makoto Hasebe sind nach dem 2:2 von Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig feierlich verabschiedet worden. Die beiden langjährigen Leistungsträger der Hessen beendeten am Samstag ihre Karriere. 57 500 Zuschauer bildeten eine würdige Kulisse, als auf dem Arena-Videowürfel noch einmal die Karriere-Highlights der Vorzeigeprofis abgespielt wurden.

Sebastian Rode und Makoto Hasebe feiern ihren Abschied. (Foto: Arne Dedert/dpa)

"Ihr seid Frankfurter Legenden und könnt auf unglaubliche Karrieren zurückblicken", sagte Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche. Rode spielte von 2010 bis 2014 und nach Abstechern zu Bayern München und Borussia Dortmund dann wieder seit 2019 insgesamt neun Jahre für die Eintracht. "Es war unglaublich, was für großartige Momente ich erlebt habe", sagte Rode. "Das hätte ich mir nie erträumt."

Hasebe, mittlerweile 40 Jahre alt, hielt den Hessen sogar zehn Jahre lang die Treue. Der Japaner absolvierte insgesamt 384 Bundesligaspiele und ist damit neben dem Polen Robert Lewandowski der ausländische Profi mit den zweitmeisten Einsätzen im deutschen Fußball-Oberhaus. Öfter war nur der Peruaner Claudio Pizarro dabei. "Die zehn Jahre in Frankfurt waren großartig", rief Hasebe den Fans zum Abschied zu.

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