In der Branche herrscht Endzeitstimmung. Dabei brauchen wir die Wahrheitsfanatiker und Tabubrecher mehr denn je.
Standards setzen, Tabus brechen, Menschen aus der Fassung bringen - Ernst Elitz über den Beruf der Wahrheitsfanatiker. Foto: dpa, AP, Grafik: sueddeutsche.de
Wozu noch Journalismus? Die Ethik der Medienmacher ist in Gefahr: Journalisten werden zu Handlangern der Politiker, bloggen im Netz und werden durch Laien ersetzt. Wie ist der Journalismus zu retten - und wieso sollten wir das überhaupt tun? In dieser Serie - herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp - setzen sich angesehene Publizisten auf sueddeutsche.de mit dieser Frage auseinander.
In der ersten Folge schreibt Ernst Elitz, 68, Gründungsintendant des Deutschlandradios. Der Professor lehrt an der Freien Universität Berlin Kultur- und Medienmanagement.
Der Journalismus hat ein paar wichtigere Probleme als die Nackedeis auf Seite eins, als pinkelnde Prinzen und Paparazzi-Fotos. Tut mir leid, liebe B-Prominenz, die Ihr lieber die geschönten Portraits Eurer Haus- und Leib-Fotografen in den Blättern seht, es gibt es keinen Konkurrenzausschluss für die hechelnde Meute. Tut mir leid, liebe Bildungsbürger, der Journalismus hat andere Probleme als den von den Redaktionsphilosophen der FAZ beschworenen Untergang des Abendlandes durch das alles umschlingende Internet.
Endzeit der eigenen Profession
Und Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen? Bekanntlich spricht man im Hause des Henkers nicht gerne vom Strick, aber in den Redaktionen redet man gern von der Endzeit der eigenen Profession. Es dreht sich so schön an der Garotte. Dabei hat der Journalismus eine blühende Zukunft, wenn er die Nähe zum Leser sucht, wenn er statt kühler Distanz Emotionen zeigt, wenn er seine gouvernantenhafte Vergangenheit abstreift und sich als Wahrheitsfanatiker neu entdeckt.
Wozu also Journalismus? Weil er der beste Welterklärer ist, den ich kenne. Und weil das digitale Zeitalter ihm neue Gestaltungsräume eröffnet.
"Die digitale Welt braucht Anker der Verlässlichkeit" - Ernst Elitz. Foto: Deutschlandradio/Thomas Mayer
Das Radio wird Zeitung
Überkommene Privilegien sind hinweggefegt. Das Fernsehen hat den Alleinvertretungsanspruch auf das Bewegtbild verloren. Videos schmücken Zeitungsportale. Die Zeitung wird Radio, Print-Journalisten sprechen ihre Kommentare ins Netz. Das Radio wird Zeitung. Hörfunk- und Fernsehbeiträge sind im Internet nachzulesen.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Journalismus Standards setzen kann.
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In diesem Artikel:



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