Reisetipps Sardinien

Insider Tipps Sardinien MARCO POLO Autor Hans Bausenhardt im Interview

Hans Bausenhardt hat als Reiseautor und Wanderführer die Insel bis in den letzten Winkel erkundet.

Wie sind Sie auf Sardinien gekommen?

Meine erste Reise nach Sardinien liegt lange zurück. Es war der klassische Familienurlaub, aber Bosa, Strand und Meer reichten mir schon nach wenigen Tagen nicht aus. So ging es mit der Schmalspurbahn und mit dem Bus auf Entdeckungsreise - und bei Fahrplanlücken auch kilometerweit zu Fuß. Dabei bekam ich einen ersten Vorgeschmack vom unbekannten, versteckten Sardinien und immer mehr Lust auf neue Orte und Plätze. Dabei lasse ich mich auch heute noch am liebsten von meiner Neugier inspirieren.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Den Tag beginne ich so oft wie möglich mit einem Bad im Meer. Manchmal schaue ich bei den Fischern vorbei und stelle mich anschließend an den Herd. Oder ich fahre los, suche nach neuen Touren und Orten. Die Wege zu Nuraghen, Feengrotten, Menhiren und verlassenen Bergwerken sind meist schmale Pfade, auf denen Feldsteinmauern, Hecken und Zäune nach Durchlässen abgesucht werden müssen. Hinterher ist die Rast an einer Quelle und im Schatten großer Bäume verdiente Belohnung. Feste an einsamen Madonnenkirchen, wo nach der Prozession Lämmer und Schweinchen gebrutzelt werden, Musik vom Rekorder oder der Ziehharmonika die Tänzer stundenlang bis spät in die Nacht begleitet, gibt es zu jeder Jahreszeit.

Mögen Sie die sardische Küche?

Die einfache Küche der Hirten und Bauern ist immer ein Erlebnis, auch wenn es nicht jedes Mal ein porcheddu vom Spieß oder Lamm vom Rost gibt. Oft sind die einfachen Genüsse die bleibende Erinnerung wie der Käse vom Hirten, eingelegte Oliven, frisch aufgeschnittene Tomaten mit etwas Öl und Kräutern, Brot und natürlich die Karaffe Wein - das alles im Schatten von Bäumen oder unter einer Pergola, zum Abschluss eine Scheibe kühle Wassermelone. Fisch und Meeresfrüchte sind immer ein Fest, auch und gerade, wenn die teuren Zutaten wie Edelfisch, Langusten und Scampi fehlen. Frisch gebratene Sardellen, ein großer Teller mit schwarzen Miesmuscheln, Sepien tiefschwarz in der eigenen Tinte geschmort und viel Brot zum Auftunken sind ein Festtagsmahl.

Und was gefällt Ihnen nicht?

Der sehr lockere Umgang vieler Sarden mit dem Müll, die vielen Waldbrände und die wuchernden Neubauten an Stränden, obwohl es schon seit Jahrzehnten ein Gesetz gibt, das Bauen in der Landschaft im Abstand von bis zu 400 m von der Küste verbietet.