Von Otto Fritscher

Der Buchhändler baut Lebenshilfe-Literatur aus, aber Personal ab: Hugendubel hat 180 Angestellte gekündigt.

Münchner Buchhändler Hugendubel setzt auf Kündigungen; HaasGrossbild

Die Hugendubel-Filiale am Stachus. Die traditionsreiche Buchhandlung hat bundesweit 180 Mitarbeitern Ende Juni betriebsbedingt gekündigt. (Foto: Robert Haas )

Die Wirtschaftskrise hat nun auch Hugendubel erwischt. Die traditionsreiche Buchhandlung mit der Hauptstelle direkt am Marienplatz hat bundesweit 180 Mitarbeitern Ende Juni betriebsbedingt gekündigt. Rund 50 Entlassungen dürften auf München entfallen. Außerdem soll das Sortiment stärker auf die Bereiche Unterhaltung und "Besser leben" getrimmt werden.

Auch der Servicebereich soll nach einer Ankündigung der Firmenleitung "neu organisiert" werden, worunter wohl zu verstehen ist, dass es künftig weniger Mitarbeiter an den Info-Points in den Läden und in der telefonischen Service-Zentrale geben wird. Als Grund für die einschneidenden Maßnahmen nennen die geschäftsführenden Gesellschafter, die Geschwister Nina und Maximilian Hugendubel, "das weiterhin schwierige Marktumfeld".

Nicht nur allgemeine Flaute


Deutlichere Worte findet Wiebke Oldsen: "Das war ein Schock", sagt die Verdi-Beauftragte nach dem Ende einer Betriebsversammlung am Dienstagvormittag zur SZ. Noch im Februar habe Hugendubel eine Pressemitteilung herausgegeben, dass die Geschäfte besser liefen als erwartet. "Und nun das", sagt Oldsen. Als Grund für die Turbulenzen, in die Hugendubel geraten ist, könne man nicht nur die allgemeine Flaute im Buchhandel anführen. "Ich vermute, dass die Firma zu schnell expandiert ist."

Der Stellenabbau betrifft sowohl Vollzeit- wie Teilzeitkräfte. Darüber hinaus sollen Zeitverträge nicht verlängert und keine Aushilfen mehr eingestellt werden. Von Filialschließungen ist nicht die Rede. Seit 1998 gehen laut einer von Nina und Maximilian Hugendubel herausgegebenen Erklärung die Umsätze im Buchmarkt zurück. "Eine Erholung ist nicht in Sicht", heißt es darin. Für eine persönliche Stellungnahme standen die Hugendubels am Dienstag nicht zur Verfügung. Zudem grabe der Buchhandel im Internet - gemeint sind Amazon & Co. - den traditionellen Läden immer mehr das Wasser ab. Als Gegenstrategie kündigen die Gesellschafter "schlankere Strukturen sowie optische und räumliche Veränderungen innerhalb der Buchhandlungen" an. "Wir müssen den Strukturwandel in der Buchhandelsbranche aktiv gestalten, um die Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Wir sind uns sicher, dass wir aus dieser Umbruchsituation gestärkt hervorgehen", schreiben Nina und Maximilian Hugendubel.

Gewerkschafterin Wiebke Oldsen ist davon nicht überzeugt. "Es ist doch unglaublich, dass Hugendubel künftig keine Auszubildenden mehr einstellen will", schimpft sie. Das habe Signalwirkung auf den gesamten deutschen Buchhandel - "und das ist sicher kein Rezept zur Zukunftssicherung".

Konzept Erlebnisbuchhandlung


Hugendubel ist noch zur Hälfte in Familienbesitz, der andere Teil gehört der Augsburger Verlagsgruppe "Weltbild". Als Klammer fungiert die DBH Buch Handels GmbH. Hugendubel hat 35 Filialen in 20 deutschen Städten, neun Buchhandlungen mit zirka 500 Mitarbeitern gibt es allein in München. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 1500 Mitarbeiter, der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 262 Millionen Euro. Das Flaggschiff des Unternehmens, das Haus am Marienplatz, wurde 1979 eröffnet, es war damals die größte Vollsortiments-Buchhandlung Deutschlands.

Die Anfänge der Buchhandlung gehen auf das Jahr 1893 zurück, als Heinrich Karl Gustav Hugendubel am Salvatorplatz eine kleine Buchhandlung übernahm, deren Geschäftsführer er vorher gewesen war. Dessen Sohn Heinrich und der Enkel Paul führten den Laden fort, bis 1964 Heinrich Hugendubel die Geschäftsleitung übernahm. Dieser baute das Filialnetz aus und veränderte das Konzept der Läden hin zu Erlebnisbuchhandlungen. So gelten die Lese-Inseln als seine Erfindung. Seit 2003 führen Nina und Maximilian Hugendubel als fünfte Generation das Unternehmen.

(SZ vom 10.06.2009/pfau)

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Leserkommentare (12)



10.06.2009 14:22:36

wrzkbrnft: Hugendubel setzt auf Ramsch - das wäre die richtige Artikelüberschrift

Ich kann Moserzwerg nur voll und ganz zustimmen. Die Probleme von Hugendubel sind im wesentlich durch die Geschäftsführung und das von ihr vertretene Geschäftskonzept bestimmt. Es wird noch schlimmer werden.


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