Reisetipps Ligurien

Auftakt Ligurien Was für eine Region!

An der Riviera begegnen Sie dem Mediterranen in seiner idyllischen Form, ein Wechselspiel aus Sonnenlicht, duftender Vegetation, zauberhaften Buchten, verwegenen Klippen vor einer Bergwelt voller Wälder, Schluchten, Bergdörfer. Die vertikal aufsteigende Hafenstadt Genua ist eine echte Entdeckung, das glitzernde Licht auf den grauen Dächern, darunter ein lebendiges Labyrinth. Nur wenige Kilometer weiter sitzt man auf einem Strandmäuerchen vor einem der hübschen bunten Badestädtchen, in der Hand eine frische focaccia, und genießt einen jener für Ligurien so typischen sinnlichen Glücksmomente.

Es ist Winter in Ligurien, aber die Sonne scheint unverdrossen, und überall blühen die Kamelien in Weiß, Rot, Rosa und natürlich die knallgelben, zartblütigen Mimosen. Dank der Olivenhaine, der Steineichen und japanischen Magnolien, dank der großblättrigen Bananenstauden und Palmen grünt es auch im Winter in allen Schattierungen. Allerorten wird gewerkelt und gepinselt, die Bewohner der Badeorte längs der Küste bereiten ihre Hotels, Eiscafés und Strandbäder auf den Ansturm der Sonnensucher vor. Die wunderbar pastellfarbigen Häuser, die aufs Meer schauen, bekommen einen neuen Anstrich. In den Dutzenden von Sporthäfen längs der 350 km langen Küste wird geklopft und gestrichen, um die weißen Motor- und Segelyachten angemessen empfangen zu können. Im März beginnt die Saison, doch wegen des milden Klimas kann man das ganze Jahr über an die ligurische Riviera fahren - was ihr den Ruf eines Rentnerdorados zum Überwintern einbrachte.

Aber die Zeiten der leicht angestaubten, etwas ältlichen Riviera sind längst vorbei. Sowieso hatte alles ganz anders begonnen: In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. waren die ersten Sommergäste aus England aufgetaucht, auf der Suche nach Sonne, nach mediterraner Pflanzenwelt und Lebensart. Sie guckten sich Bordighera, Alassio, San Remo aus, es entstanden Luxushotels, Palmenpromenaden, traumhafte Parkanlagen, Kaffeehäuser, Theater und Spielkasinos. Einiges davon hat überlebt, viele schöne Villen sind mittlerweile in Ferienwohnungen umgewandelt worden, für das wohlhabende jüngere Bürgertum aus Turin und Mailand. Die exklusive Tradition macht sich auch im Preisniveau bemerkbar: Ligurien ist kein billiges Pflaster, man merkt es an den Hotel- und Restaurantpreisen, an den Tarifen für Liegestühle, am Cappuccino an der Hafenpromenade.

Gegen Abend setzt man sich zum Sundowner an ein Cafétischchen, z.B. an der Bucht von Portofino, einem der schönsten und exklusivsten Flecken der an schönen Flecken wahrlich nicht armen Küste Italiens. Vergessen sind die verheerenden Regengüsse des Herbstes, die viele Wasserläufe immer wieder in reißende Sturzbäche verwandeln und die Kanalisation Genuas sehr rasch an die Grenzen ihres Fassungsvermögens bringen. Wer genau hinschaut, erkennt in manchen Tälern noch die Erosionsspuren und Erdrutsche, die diese Unwetter verursacht haben. Vergessen sind die Waldbrände unter der gleißenden Sommersonne. In diesem Moment gilt das Interesse allein der gewichtigen Frage, wo man am Abend speisen wird. Die Beute aus Meer und Wäldern und die Produkte der von der Sonne verwöhnten Gemüse- und Kräutergärten ergeben eine ausgezeichnete Küche - für Italienfans bekanntlich ein Reisemotiv erster Güte.

Riviera: Aus dem Italienischen übertragen heißt das Küstensaum, Gestade - und der ist in Ligurien 350 km lang. Die 1,8 Mio. Bewohner der mit 5415 km² drittkleinsten Region Italiens siedeln zu 90 Prozent in den Orten längs der Küste. Allein die Regionshauptstadt Genua nimmt mit ihren 650000 Ew. rund 30 km Küstenstreifen in Anspruch, etwa genau auf der Mitte zwischen der Ponente zum Südwesten und der Levante zum Südosten hin.

An diesen Küsten hatten sich in der Vergangenheit ein paar große Handels- und Kriegsflotten entwickeln können, von diesen Gestaden starteten die Händlerflotten und eroberten die Weltmärkte, von hier zog Christoph Kolumbus los. Vom Meer kamen aber auch die Bedrohungen, Sarazenenüberfälle, Piratenraubzüge, die Übermacht der Franzosen, Spanier, Engländer. Und immer das Gefühl des Platzmangels, eingeklemmt zwischen Bergen und Meer, ein Empfinden, das die Mentalität der Ligurer geprägt hat: Sparsam sind sie, eigensinnig, eigenständig und auf ihre Unabhängigkeit bedacht - dabei kontaktfreudig und weltoffen die Küstenanrainer, eher zugeknöpft, asketisch und konservativ die Bewohner des bergigen Hinterlands. Denn Ligurien ist ja nicht nur der Küstenstreifen der Riviera, vielmehr reicht es hinauf auf fast 2000 m Höhe, sehr viel mehr Raum als die Küste nehmen die Berge des Apennins und der Seealpen in Anspruch.

Schaut man sich die natürlichen Gegebenheiten an, unter denen die Menschen in den Tälern und an den Berghängen zu leben hatten (und heute noch haben), dann versteht man ihre Sparsamkeit: So üppig die Vegetation dank dem guten Klima ist, Boden für ertragreichen Ackerbau gibt es kaum. Alles muss äußerst mühsam auf künstlich mit Stützmauern angelegten, kleinen Terrassen angebaut werden. Dafür aber hat dieser aus funktionellen Bedürfnissen entstandene Weinanbau zum Beispiel an dem weltberühmten Küstenabschnitt der Cinque Terre zu einer derart schön gestylten Landschaft geführt, dass sie heute in die Unescoliste des Welterbes aufgenommen worden ist.

Es sind dies auch Maßnahmen, um der modernen Zersiedlung und dem Ansturm des Massentourismus etwas entgegenzusetzen, das fragile Gleichgewicht der Riviera zu retten. Die Täler und Hochebenen, die Wälder und uralten Bergdörfer werden zunehmend entdeckt, in den Tälern oberhalb von Imperia und San Remo haben sich viele Deutsche und Skandinavier niedergelassen und alte Bergbauernhäuser restauriert. Trendsportarten wie Freeclimbing und Rafting, Canyoning und Mountainbiking ziehen zunehmend auch junge Leute in die Berge. Neue Lebensformen werden ausprobiert, um die aussterbenden Bergdörfer wieder zu beleben, sei es das Ruinendorf Bussana Vecchia, in dem sich im pittoresken Verfall eine alternative Kunsthandwerkerszene angesiedelt hat, oder Colletta, das voll verkabelte Dorf für urbane Wochenendaussteiger. Gute Nachrichten kommen auch von der Küste: Überdurchschnittlich viele Strände längs der ligurischen Küste haben in den letzten Jahren die begehrte Blaue Fahne für gute Wasserqualität aufstellen dürfen. Selbst Wale und Delphine sind wieder vor der Küste aufgetaucht.

Ein frischer Wind weht auch durch Genua: Die Hafenstadt bildet einen kulturellen Mittelpunkt von großer Lebendigkeit, der alte Hafen ist heute ein Freizeitdorado für Einheimische und Besucher. Und ihre Rolle als Kulturhauptstadt Europas 2004 hat die Restaurierung der faszinierenden Altstadt vorangetrieben. Erstklassige Ausstellungen ziehen das Publikum an; bedeutende Kunstsammlungen hatte die Stadt immer schon zu bieten. Auch ist sie voller einladender Restaurants, Aperitifbars und Musikclubs. Gründe für eine Reise nach Ligurien gibt es mehr als genug.