bedeckt München

Reiseführer Sri Lanka:Stichworte

Buddhas eigene Insel - mit Kokospalmen und Elefanten, beginnendem Umweltschutz und einer überwältigenden Natur

Buddhismus

Der 2500 Jahre alten Lehre des Siddharta Gautama folgt die große Mehrheit der Singhalesen. In ein nordindisches Adelsgeschlecht hineingeboren begab sich Gautama nach einem ausschweifenden Leben auf jahrelange Sinnsuche. Unter einem Feigenbaum (ficus religiosa) meditierend wurde er zum Buddha, einem Erwachten. Denn er erkannte einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Leben und Leiden, da es stets mit Begierde und dem Wunsch nach Unvergänglichkeit verbunden ist. Durch den "achtfachen Pfad", das Bemühen um ethisches Handeln und das Streben nach Weisheit, kann der Mensch den Zustand des Nirvanas, des vollständigen Auslöschens jeder Begierde, erreichen und somit den Wiedergeburtenkreislauf beenden. Die Gläubigen sind bestrebt, durch Spenden, Almosen an die Mönche und dem Befolgen der fünf Sittenregeln (nicht töten, nicht stehlen, keine sexuellen Verfehlungen begehen, nicht lügen und keine berauschenden Mittel zu sich nehmen) so viel gutes Karma wie möglich anzusammeln.

Ceylon

Auch wenn der alte Landesname bereits 1972 ersetzt wurde, ist er vielerorts noch präsent. So zählt etwa Ceylon Tea nach wie vor zu den weltbekannten Marken der Insel. Der Begriff geht auf das chinesische Xi Lan zurück, das durch Marco Polos Schriften in Seefahrerkreisen als Seilan Verbreitung fand und eine Verballhornung des Sanskrit-Worts Sinhala Dvipa, Insel der Löwenmenschen, ist. Die Portugiesen tauften die Insel spätestens im 16. Jh. Ceilão. Unter den Holländern war von Ceylan die Rede und unter den Briten von Ceylon. Dieser Name wurde auch nach der Unabhängigkeit zunächst beibehalten.

Dagoba

Massiver buddhistischer Sakralbau, zumeist in Glocken- und Halbkugelform. Der Ursprung des singhalesischen Worts dagoba stammt aus dem Sanskrit (dhatu und gharba) und bedeutet Reliquienschrein. Reliquien sind Gegenstände, die sich, der Legende nach oder tatsächlich, auf Buddha beziehen.

Elefanten

Sie genießen als Symbole der Weisheit und der Stärke große Verehrung. In der Wildnis leben noch über 5800 Elefanten, nirgendwo in Asien können sie in so großer Zahl beobachtet werden wie in Sri Lanka (vor allem in den Nationalparks Minneriya, Kaudulla und Uda Walawe). Höchstens noch 150 domestizierte Tiere werden als Arbeitselefanten eingesetzt. Es gilt als segensreiche Tat, den Klöstern kräftige Elefanten für die großen Prozessionen zu leihen oder zu schenken. So sind beim berühmten Kandy Perahera weit über 50 Tiere beteiligt. Doch ihre natürlichen Lebensräume sind bedroht, weshalb Elefantenherden aufgrund ihrer Vorliebe für Bananen, Reispflanzen und Zuckerrohr regelmäßig großflächige Felder und Gärten heimsuchen. Beim Versuch, sie zu vertreiben, kommen jährlich rund 50 Menschen und bis zu 200 marodierende Dickhäuter ums Leben.

Flora & Fauna

Der Leopard räkelt sich genüsslich im warmen Sand. Das aufgeregte Knipsen der Touristen aus den nahen Jeeps scheint ihn nicht zu stören. Der savannenartige Yala West National Park im tiefen Südosten ist berühmt für die recht hohe Leopardenpopulation. Über 40 Exemplare ziehen durch das trockene Buschland, in dem auch Lippenbären und Sambarhirsche unterwegs sind. Wer sich eher für die Vogelwelt interessiert, braucht nicht weit zu reisen. In den Lagunen des nahen Bundala National Parks sind zahlreiche Wasservögel unterwegs, darunter auch Gruppen von Rosaflamingos. Überhaupt ist Sri Lanka ein tolles Ziel für Ornithologen. Über 400 Vogelarten wurden gezählt - 33 unter ihnen gibt es nur auf der Insel.

Dank seiner abwechslungsreichen Landschaften beeindruckt Sri Lanka durch eine erstaunlich große Artenvielfalt. Wo sonst haben Sie die Chance, am selben Tag die beiden weltgrößten Säugetiere zu erspähen, Elefanten und Blauwale? Dazu müssen Sie frühmorgens von Mirissa aus aufs Meer hinausfahren, wo die Blauwale regelmäßig kreuzen. Am Nachmittag können Sie dann durch den Uda Walawe National Park kurven, wo geschätzt 700 Dickhäuter unterwegs sind.

Und wenn Sie sich an der üppigen Dschungellandschaft des Sinharaja Forest Reserve satt gesehen haben, dann fahren Sie an Teak- und Mahagoniplantagen vorbei ins Bergland, wo sich z. B. auf den Horton Plains herrliche Rhododendrensträucher und Baumfarne ausbreiten. Selbst beim Besuch der alten Königsstätte können Sie zwischen den Ruinen eine ordentliche Portion Wildlife erleben. Allein in Polonnaruwa sind vier der fünf in Sri Lanka heimischen Affenarten unterwegs, darunter die frechen Ceylon-Hutaffen und die grauen Hanuman-Languren. Beim Weg zurück ins Hotel mag Ihnen ein weiterer tierischer Inselbewohner begegnen: ein Bengalenwaran, der trotz seiner Größe von über einem Meter völlig harmlos ist.

Geoffrey Bawa

Sri Lankas zeitgenössische Architektur ist vor allem mit einem Namen verbunden: Geoffrey Bawa. Der 2003 im Alter von 83 Jahren verstorbene Stararchitekt hinterließ einige der interessantesten Bauwerke der Insel, darunter das 1982 eröffnete Neue Parlament und die Ruhuna-Universität bei Matara. Am spektakulärsten ist sicherlich das Heritance Kandalama Hotel bei Dambulla, das sich fast über einen Kilometer an einen Bergrücken schmiegt und mit dessen Dschungel verwachsen zu sein scheint. Hier zeigt sich Bawas legendär gewordene Kunst, Architektur mit der umliegenden Natur in eine Einheit zu bringen. Gebäude sollten mit allen Sinnen erfahren werden können, lautete einer seiner wichtigsten Grundsätze, die ihn in Asien zu einem der wichtigsten Vertreter der sogenannten Tropischen Moderne machten. Wie kein anderer hatte Geoffrey Bawa ein Gespür für den Charakter eines Orts. Das ist auch am Jetwing Lighthouse Hotel zu sehen, das an der Küste von Galle auf einer felsigen Erhebung thront und in seiner Architektur koloniale Bauelemente zitiert. Einige seiner frühen Hotelbauten sind von seinen Schülern liebevoll restauriert worden, darunter das 1976 als Neptune Hotel in Beruwala eröffnete Heritance Ayurveda Maha Gedara. Aus den Ruinen seines ersten, 1965 verwirklichten Hotelbaus südlich von Negombo entstand fast 50 Jahre später das luxuriöse Jetwing Lagoon. Nähere Infos unter www.geoffreybawa.com.

Hinduismus

Mit Wucht zerschmettert die junge Tamilin die fasrige Kokosnuss auf dem Tempelboden, auf dem sich aus der zerbrochenen Schale das Kokoswasser ergießt. Was wie ein Gewaltausbruch aussieht, hat im Hinduismus eine uralte Tradition, denn die Kokosnuss symbolisiert die menschliche Existenz und deren Zerschmettern die innere Reinigung. Etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung bekennen sich zum Hinduismus, fast ausschließlich Tamilen. Vor allem im Norden und Osten der Insel ist die indische Religion sehr präsent. Aber auch für die Buddhisten spielen einige der Hindugötter als Beschützer der Insel eine wichtige Rolle, so gibt es kaum ein buddhistisches Kloster, das auf seinem Gelände keinen Hinduschrein, Devale genannt, besitzt.

Vereint sind die Hindus in ihrem Glauben an das Prinzip vom ewigen Kreislauf aus Schöpfung und Zerstörung. Zudem sind sie überzeugt, dass ihr individuelles Selbst nach dem Tod eine neue Gestalt annimmt. Als was sie wiedergeboren werden, hängt vom Karma ab, d. h. von den im Leben verübten Taten. Der abstrakten Idee des All-Einen steht ein Heer von Göttern, Geistern und Dämonen gegenüber, die man je nach Vorliebe verehrt. Mit Abstand populärster Hindugott ist Shiva, der in Form eines Lingam als Symbol der Fruchtbarkeit, als kosmischer Tänzer der Zerstörung, aber auch als Asket verehrt wird. Viele Tempel sind auch seinem Sohn Skanda gewidmet, der als Kriegsgott unter dem Namen Murugan und Kataragama bekannt ist und als mächtiger Inselbeschützer gilt.

Kokospalme

"So weit das Auge reicht, nach Norden wie nach Süden, ist sie von Kokosplantagen eingesäumt", notiert 1925 der berühmte Indologe Wilhelm Geiger bei seiner Ankunft mit dem Schiff in Colombo. Und auch heute noch dominiert diese Palme viele Landstriche Sri Lankas. Was in europäischen Besuchern Urlaubsgefühle weckt, ist für die Einheimischen eine der wichtigsten Nutzpflanzen. Fast 4000 km2 , also knapp 6 Prozent der Landesfläche sind mit Kokospalmen bepflanzt. Neben Tee und Kautschuk zählt die Kokosnuss zu den wichtigsten Exportgütern. Der Nutzen der Kokospalme kennt keine Grenzen: Der Stamm dient dem Haus- und Bootsbau, die Palmwedel als Dach und Flechtmaterial und die Faser der äußeren Nusshülle zum Herstellen von Stricken, Matten oder Bürsten. Aus der harten Schale der Kokosnuss wiederum lassen sich Becher, Löffel und andere Utensilien kreieren. Auch in der srilankischen Küche ist die Kokosnuss nicht wegzudenken: kaum ein Curry, in dem nicht das Nussfleisch, kobra genannt, mitgekocht wird. Und was gibt es Besseres als einen frischen Saft aus der gelblich-grünen Kings Coconut oder zum Verdauen einen hochprozentigen Arrack aus dem destillierten Palmsaft? Auch geht nichts über eine entspannende Massage - am besten mit dem sanften Öl aus der gepressten kobra.

Mondsteine

Ein Name für zwei völlig verschiedene Dinge: Zum einen werden schimmernde Halbedelsteine aus Feldspat so bezeichnet, zum anderen sind damit in der religiös motivierten buddhistischen Architektur halbmondförmige, flache Schutzsteine gemeint, von Reiseleitern gern "heilige Fußmatten" genannt. Sie markieren den Übergang von der normalen Umgebung in heilige Räume. Tiermotive symbolisieren dabei die vier Grundübel menschlichen Daseins: Geburt (Elefant), Krankheit (Löwe), Alter (Stier) und Tod (Pferd). Der Lotos in der Mitte, Symbol der Reinheit, führt zu den fünf Stufen der höheren Erkenntnis und damit in den Tempel hinein.

Singhalesen

Drei Viertel der rund 21 Mio. Ew. Sri Lankas gehören dieser Bevölkerungsgruppe an. Die Singhalesen benutzen eine indoarische Sprache und Schrift und führen ihre Herkunft auf den legendären Prinzen Vijaya zurück. Vermutlich wanderten die ersten Singhalesen vor gut 2500 Jahren aus dem Nordosten Indiens nach Sri Lanka ein. Seit König Devanampiya Tissa im 3. Jh. v. Chr. die Religion des Buddha annahm und im Kulturdreieck den Grundstein für die srilankische Hochzivilisation legte, verstehen sie sich als Bewahrer dieser Religion und als Staatsvolk der Insel. Noch heute sind bis auf einige Christen (besonders unter den Fischern bei Negombo) die meisten Singhalesen Buddhisten. Nach der Unabhängigkeit führte die populistische Sinhala only-Politik des damaligen Premiers S. W. R. D. Bandaranaike, der Singhalesisch zur alleinigen Nationalsprache erheben wollte, zum ersten großen Konflikt mit der tamilischen Minderheit. Nach Kriegsende bemühen sich jedoch viele Singhalesen um ein friedliches Miteinander mit den Minderheiten.

Tamilen

Diese zweitgrößte Bevölkerungsgruppe (etwa 17 Prozent) stammt ursprünglich aus Südindien. Ihre Sprache gehört zur drawidischen Familie und ist nicht mit dem Singhalesischen verwandt. Zwei große Gruppen mit sehr unterschiedlicher Geschichte leben auf der Insel. Im Norden und Osten siedeln die sogenannten srilankischen Tamilen (auch Jaffna-Tamilen genannt), die 12 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen und fast ebenso lange in die Inselgeschichte verwickelt sind wie die Singhalesen. Im Bergland sind die etwas über 1 Mio. Indischen bzw. Hochland-Tamilen in erster Linie in den Teeplantagen ansässig. Ihre Vorfahren, größtenteils Angehörige niedriger Kasten, wurden im 19. Jh. von den Briten als billige Plantagenarbeiter angeworben. Auch heute stehen sie noch am unteren Ende der Einkommensleiter. Zwischen den beiden Gruppen gibt es wenig Kontakte, im militanten Kampf um ein unabhängiges Tamilen-Reich (Tamil Eelam), den die Tamil Tigers seit 1976 führten, waren die Indischen Tamilen nicht involviert. Über 80 Prozent der Tamilen sind Hindus, der Anteil der Christen liegt bei fast 20 Prozent.

Umweltschutz

Plastikmüll am Straßenrand, stinkende Überlandbusse, verschmutzte Strände - das Tropenparadies ist alles andere als ein Musterknabe in Sachen Umweltschutz. Doch eine zunehmende Zahl von Umweltverbänden lässt ein langsames Umdenken erkennen. Auch im Tourismus tut sich einiges, so verordneten renommierte Hotelketten wie Aitken Spence und Jetwing ihren Hotels hohe Umweltstandards. Dabei hat Naturschutz in Sri Lanka eine lange Tradition: Schon im 3. Jh. v. Chr. verbot König Devanampiya Tissa um den Berg Mihintale jegliche Tierjagd. 1500 Jahre später tat es ihm ein Herrscher von Polonnaruwa gleich und stellte das Töten von Lebewesen im Umkreis seiner Königsstadt unter Strafe. Den größten Raubbau an der Natur verübte die britische Kolonialmacht. Exzessive Großwildjagd und die Rodung gewaltiger Flächen zum Anlegen von Tee- und Kautschukplantagen setzten dem Tier- und Baumbestand dermaßen zu, dass die Kolonialregierung 1938 die Gebiete von Yala und Wilpattu unter Naturschutz stellte. Heute sind rund 13 Prozent der Landesfläche als Schutzgebiete deklariert.

Weiter zu Kapitel 3

"Nicht einmal so groß wie Bayern bietet Sri Lanka eine fantastische Vielfalt. Und stets ist ein Strand nicht weit", meint der Studienreiseleiter und Reisejournalist. Seit 1999 bereist der am Bodensee geborene Wahlberliner die Tropeninsel und beschreibt ihre wunderbare Mischung aus Wildlife, uralter Hochkultur, Traumstränden und herrlicher Bergwelt.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de