Melinda French Gates:Die zweite Trennung

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Melinda Gates war einst selbst Mitarbeiterin von Microsoft, bevor sie die Stiftung zu ihrer beruflichen Aufgabe machte. (Foto: Christophe Ena/AP)

Bill Gates und Melinda French Gates hatten sich 2021 scheiden lassen. Jetzt steigt die 59-Jährige aus der gemeinsamen Stiftung aus - und bekommt 12,5 Milliarden Dollar.

Von Kathrin Werner

Spricht man mit Melinda French Gates, erzählt sie gerne von ihren Wurzeln. Von ihrer Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, wie sie Wohnungen geputzt hat, damit ihre Eltern sie und ihre drei Geschwister aufs College schicken konnten. So sieht sie sich: als die ganz normale Melinda von nebenan. Die Welt sieht sie anders: als einen der reichsten Menschen der Welt. Jetzt kommen - quasi - noch einmal 12,5 Milliarden Dollar hinzu zu ihrem Riesenvermögen.

Melinda French Gates gab am Montag bekannt, dass sie als Co-Chefin der Bill & Melinda Gates Foundation, einer der größten privaten Wohltätigkeitsstiftungen der Welt, zurücktreten wird. Ihr letzter Arbeitstag bei der Stiftung soll der 7. Juni sein.

Die 59-Jährige hatte die Stiftung vor mehr als 20 Jahren gemeinsam gegründet mit Bill Gates, dem Gründer und Ex-Chef von Microsoft. Bill Gates und sie haben sich 2021 nach 27 Jahren Ehe scheiden lassen. Eigentlich wollten sie die Stiftung weiterführen, aber erst einmal ausprobieren, ob das wirklich klappt. "Die Zeit ist reif für mich, das nächste Kapitel meiner wohltätigen Arbeit aufzuschlagen", schrieb Melinda French Gates nun auf Instagram. Gemäß der Trennungsvereinbarung scheide sie mit 12,5 Milliarden Dollar aus der Stiftung aus, die von Bill Gates persönlich kommen und die sie für die Fortsetzung ihrer Arbeit "im Namen von Frauen und Familien" verwenden will.

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Die Gates-Stiftung hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 50 Milliarden Dollar ausgegeben, um Armut und Krankheiten zu bekämpfen - oft mit einem unternehmerischen Ansatz, also zum Beispiel mit der Förderung lokaler Start-ups. Die Stiftung hat unter anderem Geld in Projekte rund um Agrartechnologien gesteckt, die helfen sollen, Armut und Hunger in ärmeren Ländern zu bekämpfen. Viele Milliarden flossen auch in die Erforschung und Bekämpfung von Krankheiten wie HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria.

Kritiker sehen in Bill und Melinda Gates Superreiche, die ihre Milliarden in der Welt nach eigenem Gutdünken verteilen. Die Stiftung lege den Fokus unter anderem zu sehr auf die technische Bekämpfung von Infektionskrankheiten und hindere den nachhaltigen Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme in ärmeren Ländern.

Die Stiftung war eine Art Fortsetzung eines miteinander verwobenen Lebens. Melinda French Gates war eine frühe Mitarbeiterin bei Microsoft und verließ 1996 das Unternehmen, um sich um die drei Kinder zu kümmern. Die Stiftung führte Melinda Gates jahrelang weitgehend allein. Seit sich Bill Gates bei Microsoft 2008 aus dem Tagesgeschäft zurückzog, war die gemeinsame Stiftung für beide die Hauptaufgabe. "Es tut mir leid, dass Melinda geht, aber ich bin sicher, dass sie in ihrer zukünftigen philanthropischen Arbeit einen großen Einfluss haben wird", schrieb Bill Gates auf X.

Laut dem US-Magazin Forbes verfügt Melinda Gates derzeit über ein eigenes Vermögen in Höhe von rund elf Milliarden Dollar. Nach der Scheidung im Jahr 2021 habe Bill an Melinda Aktien verschiedener öffentlicher Unternehmen im Wert von mindestens fünf Milliarden Dollar übertragen. Forbes schätzt, dass sie weitere fünf Milliarden Dollar an anderen Vermögenswerten erhielt. Ein großer Teil ihrer wohltätigen Arbeit läuft über ihr Unternehmen Pivotal Ventures, das sich seit 2015 unter anderem darum kümmert, dass Gründerinnen mehr Kapital bekommen, die von traditionellen Finanziers oft übersehen werden.

"Frauen sind die besseren Philanthropen", sagt Felix Oldenburg, der ehemalige Generalsekretär des Bundesverbands deutscher Stiftungen und Gründer des Online-Stiftungs-Startups Bcause. Dafür sei Melinda Gates das Paradebeispiel. "Frauen sind die treibende Kraft des Gebens, sie geben schneller, kollaborativer, oft mehr an Bedürfnissen der Empfänger orientiert als an ihren eigenen." Wenn mehr Frauen mehr Geld hätten auf der Welt, würde Philanthropie anders und besser aussehen. "Das sehen wir an Beispielen wie Melinda Gates - oder in Deutschland Ise Bosch." Die 12,5 Milliarden, die Melinda Gates jetzt bekommt, seien mehr, als die deutschen Stiftungen insgesamt jährlich für Gutes geben.

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