Von Berit Uhlmann

Sigmund Freud erforschte die Lust, Wolfgang Wolf wurde Fußballtrainer in Wolfsburg - alles nur Zufall?

Die Psychoanalytiker Wilhelm Stekel und Karl Abraham beobachteten Anfang des 20. Jahrhunderts, dass die Leiden mancher ihrer Patienten eigentümlich zu deren Namen passten und räsonierten, ob dem Namen nicht eine "determinierende Kraft" oder gar unbewusste "Verpflichtung“ für den Lebensweg innewohne.

Die Statistik gab ihnen fast ein Jahrhundert später recht. 1999 untersuchten zwei Wissenschaftler aus San Diego die Schicksale von männlichen Kaliforniern, deren Initialen negative Assoziationen hervorrufen dürften: P.I.G. (Schwein) und D.I.E. (Sterben) zum Beispiel. Das Ergebnis war erschütternd: Die P.I.G.s und D.I.E.s starben etwa drei Jahre früher als der Durchschnittslandsmann. Sie wurden mehr als sieben Jahre von denen überlebt, deren Initialen einen positiv stimmenden Klang wie J.O.Y. (Freude) hatten.

Die Mehrheit der Menschen trägt freilich neutrale Namen, ist sie also vor dem Namensdeterminismus gefeit? Mitnichten, erkannte der amerikanische Sozialpsychologe Brett Pelham, als er Unmengen von Namenskarteien, Berufsverzeichnissen, Melderegistern und Spendenlisten durchforstete. Was er in den Katalogen fand, ließ in ihm die Erkenntnis reifen, dass der Name ungeahnt häufig die Richtung im Leben vorgibt.

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Psychologie Warum Cruise und Cruz ein Paar waren Rahmen
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Denn die meisten Menschen haben - so der Psychologe - positive Gefühle gegenüber sich selbst und verbinden diese Gefühle auch mit Dingen, die sie als zu sich gehörend empfinden. Psychologen haben herausgefunden, dass dies bereits für banale Schlüsselanhänger gilt, umso stärker - schlussfolgert Pelham - müssen die Emotionen für das sein, was sozusagen permanent und von Anbeginn an an uns hängt: der Name. Daher fühle sich der Mensch zu allem hingezogen, was ihn an seinen Namen erinnert - und dies anscheinend vollkommen unbewusst.

Das heißt zunächst, dass die meisten Menschen ihre Namensvetter mögen. Ein Mister Smith - fand Pelham durch sein Studium von amerikanischen Eheschließungsregistern heraus - heiratet bevorzugt eine Miss Smith - und zwar ungefähr doppelt so häufig, als man es erwarteten könnte, wenn allein der Zufall walten würde. Das gleiche gilt für Mister Johnson, Williams und die weiteren Träger der fünf gebräuchlichsten amerikanischen Familiennamen.

Nun kann man einwenden, dass Irrationales den Liebenden nicht fremd ist, sie suchen ja geradezu nach Zeichen und Wundern für ihre Zusammengehörigkeit. Doch die Vorliebe für Namensvettern fand Pelham auch in weniger emotionalen Bereichen: So spendeten im Wahlkampf 2000 jene Amerikaner, deren Nachname mit B anfing, überproportional häufig für George W. Bush, Al Gore konnte dagegen auf Landsleute mit G am Namensbeginn bauen.

Doch damit nicht genug, die Wirkung des Namens - Psychologen sprechen vom name letter effect - erstreckt sich auch auf Orte: Amerikanerinnen mit dem Namen Giorgia und Virginia ziehen überdurchschnittlich häufig in den jeweiligen gleichlautenden Bundessaat - mit einer Wahrscheinlichkeit, die 36 Prozent höher ist, als es eine zufällige Verteilung erwarten lassen würde. Ist der Vorname ungewöhnlich, wie Tennessee, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Namensträger sich im gleichlautenden Bundesstaat niederlässt, um 68 Prozent erhöht.

Offenbar steigert die Exklusivität eines Namens auch dessen Wirkung auf den Menschen, vermutet Pelham. Und noch etwas fand der Psychologe heraus: Männer lassen sich etwas häufiger von ihrem Familiennamen leiten, Frauen eher von ihrem Vornamen, wohl, weil sich ihr Nachname im Laufe ihres Lebens ändern kann.

Lesen Sie auf Seite 2 wie der Name die Berufswahl beeinflusst

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Leserkommentare (2)



25.08.2008 16:54:20

Baltersweiler: Vor den Herren Stekel und Abraham …

und den Psychologen unseres Jahrhunderts wusste das allerdings schon ein Herr Plautus, ca. 2. Jh. v. Chr.: Nomen est Omen …


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