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Capromania

Jeder kann erraten, was es bedeutet: die manisch nicht depressive, sondern progressive Vernarrtheit in Capris zauberhafte Schönheit. Sie führt unheilbar zur chronischen Verbundenheit mit der Insel, kann aber auch periodisch - wie die Malaria - in Schüben auftreten: Entweder bleiben davon Befallene bis zu ihrem Lebensende auf Capri, ohne die Insel je zu verlassen, oder sie kehren im Urlaub Jahr für Jahr dorthin zurück.

Cerio

Ein Familienname, der auf Capri Symbolwert hat. Die 1997 verstorbene Malerin Letizia Cerio war die Enkelin von Ignazio Cerio, einer legendären Gestalt der Inselgeschichte. Seinen Namen trägt heute das Museum auf dem gleichnamigen Platz. Sein Sohn Edwin (1875-1960) - eigentlich Schiffbauingenieur - gehörte der internationalen Intellektuellengemeinde als Sponsor vieler Literaten an. Jahrelang war er Bürgermeister von Capri und sozusagen Schutzpatron der dort lebenden Künstlerboheme. Er betätigte sich auch als Architekt und machte sich ebenso als Schriftsteller einen Namen. Seine Monografie über Capris Flora ist bis heute von Bedeutung. In zweiter Ehe hatte Edwin die Enkelin des deutschen Philosophen August Weber, Claretta, geheiratet.

Deutsche Prominenz

Die Reihe der deutschsprachigen Kulturschaffenden könnte mit dem Architekten Karl F. Schinkel und dem Historiker Theodor Mommsen beginnen. Den bahnbrechenden Wissenschaftler Emil von Behring sollte man auch nicht vergessen. Dass die russischen Revolutionäre sich gelegentlich mit Hoheiten aus dem Haus Hohenzollern treffen konnten, ist ein Capri-Kuriosum. Friedrich A. Krupp verewigte auf der Insel seinen Namen sogar mit einem atemberaubenden Spazierweg.

Dichter auf Capri

„... uraltes Wehn vom Meer,

welches weht

nur wie für Ur-Gestein,

lauter Raum

reißend von weit herein...

O wie fühlt dich ein

treibender Feigenbaum

oben im Mondschein."

Kaum einer hat schönere Verse auf und über Capri gedichtet als Rainer Maria Rilke - so wie in diesem „Lied vom Meer“ (1907, geschrieben im Rosenhäusl der Villa Discopoli, Via Tragara 2. Bei der Besitzerin war der Lyriker zweimal zu Gast).

Die Liste der Schriftsteller und Dichter, deren Namen mit Capri verbunden sind, ist schier endlos. Von den Deutschsprachigen seien hier nur Gerhart Hauptmann, Franz Werfel, Bertolt Brecht, Thomas Mann, Walter Benjamin und Ingeborg Bachmann genannt. Weltberühmte Schriftsteller wie Alberto Moravia („Ich und er“), D. H. Lawrence („Lady Chatterley“), Joseph Conrad („Lord Jim“), Graham Greene („Unser Mann in Havanna“), Marguerite Yourcenar („Ich zähmte die Wölfin“) und natürlich Pablo Neruda gehören ebenfalls zu denen, die ihr Herz zumindest eine Zeit lang an Capri verloren.

Einwohner

1656 blieben nach einer Pestepidemie nur 405 Menschen am Leben. Gesamtbevölkerung 2006: rund 13900 (7290 in Capri, 6560 in Anacapri; das Verhältnis im Jahr 1950: 6200 zu 3080). Anacapri ist auf dem Vormarsch!

Farben - Flora - Fauna

Das Unbeschreibliche in Worte zu fassen, sollte man eigentlich nicht versuchen. Dennoch kann die Capri-Faszination für „Augen, die sehen“, nicht unerwähnt bleiben: das Azurblau des Himmels, alle grünen bis violetten Tönungen des Regenbogens auf dem Meeresspiegel, die bunte Farbenpracht der blühenden Blumen, Sträucher und Bäume der Mittelmeerflora, alle Grünvarianten der Pinien, Kiefern, Zypressen, Araukarien, Oliven-, Feigen-, Johannisbrotbäume, Palmen, Kakteen, Steineichen. Klippen und Felsen wechseln von Grau bis ins Rosarote, wie Wetter und Sonne es bestimmen.

Die glühenden Purpurtöne bei Sonnenuntergang, die von weißer Wellengischt gesprenkelte, drohend dunkelgraue See bei Gewitter; Sternenhimmel und Mondsilber - alles harmoniert miteinander. In diese Inselharmonie fügt sich stimmungsvoll das leuchtende, bescheidene Weiß der gekalkten Häuser. Nicht zu vergessen ist die weit ausgedehnte Macchia - sie bedeckt ganze Berghänge mit dem Grün, dem Silberweiß und dem Gelb von wildem Lorbeer, Myrte und Ginster.

Die Tierwelt von Capri ist nicht besonders reich. Die seit der Antike hier lebenden verwilderten Schweine sind längst der Jagd zum Opfer gefallen, halbwilden Ziegen begegnet man aber noch ab und zu. An kreischenden und ruhig dahinsegelnden Möwen kann man sich zur Brutzeit überall in Meeres- und Felsennähe erfreuen. Auch Schwalben schwirren emsig herum. Im Allgemeinen unterscheidet sich die Fauna der Luft und des Meeres nicht von jener der übrigen Mittelmeergebiete.

Hiddigeigei

Wie kam der Kater Hiddigeigei aus der Einleitung zu Joseph Victor von Scheffels „Der Trompeter von Säckingen“ als Namensgeber auf das Schild einer ehemaligen Bier- und Teestube? Trompeter und Kater kamen beide 1853 im Hotel Manfredi Pagano (heute Hotel La Palma) aus Scheffels Feder zur Welt. Der Riesenerfolg des Werkes trieb scharenweise deutsche Leser auf die Insel, die die literarische Geburtsstätte kennenlernen wollten. Eine Bierhalle musste also her, wo bald auch Tee serviert wurde, um die russischen und englischen Gäste ebenfalls zufriedenzustellen.

Die treueste und kurioseste Figur unter den Besuchern war aber August Weber, der deutsche Barfußphilosoph, der aus Neapel auf die Insel hinüberruderte, um dann lebenslänglich ihr Gefangener zu bleiben - gefesselt von ihrer Schönheit. Sein Motto des Capri-Lebens fasste er so zusammen: „Canzoni - Maccheroni - Faraglioni“. Wo einst das Hiddigeigei in der Via Hohenzollern war, ist nun in der heutigen Via Vittorio Emanuele ein „Picnic Snack“.

Maler auf Capri

Auf viele Maler übte die Insel eine magische Anziehungskraft aus. Es seien hier nur die eigenwilligsten jener Künstler erwähnt, die Capri zur geistigen Heimat auserkoren haben. 1892 kam der Hamburger Zeichner Christian Wilhelm Allers - vor allem als Bismarck-Porträtist bekannt - nach Capri. Treu geben seine Stammtischszenen das Lokalkolorit im Café „Zum Kater Hiddigeigei“ wieder.

Der Exzentriker Karl Wilhelm Diefenbach - schon in München ein überzeugter Weltverbesserer und Vegetarier - landete 1900 auf der Insel. Er trug einen wallenden weißen Bart und lief nur im Apostelgewand herum. Seine Lebensphilosophie verewigte er in ganz eigenartigen Capri-Landschaften, die heute noch in der Kartause San Giacomo zu bestaunen sind.

Seit dem Anfang des 20. Jhs. wohnte der Wiener Hans Paule vierzig Jahre lang, bis zu seinem Tod, auf Capri. Auch er war ein Exzentriker: Wie Diogenes im Fass, so fühlte er sich in seinem Höhlendomizil am wohlsten und identifizierte sich völlig mit der Grottenlandschaft. Von diesem mit Rilke befreundeten Künstler hängen heute fantasiereiche Capri-Bilder und Holzschnitte im Pariser Louvre.

Die Insel war in den 20er-Jahren des 20. Jhs. auch ein beliebter Treffpunkt der Futuristen, die ihren Wortführer Emilio Filippo Tommaso Marinetti aufsuchten. Auch Francis Bacon weilte gern hier, und Oskar Kokoschka war mehrmals Gast von Monika Mann. Als gebürtiger Caprese soll der abstrakte Maler Raffaello Castello (1905-69) nicht unerwähnt bleiben. Seine Hauptwerke sind in den Gemäldegalerien Mailands und Roms zu sehen.

Marina Grande

Die erste Tuchfühlung (besser gesagt: Uferfühlung) mit der Insel erleben Capri-Besucher bei ihrer Ankunft an der Marina Grande, dem belebten Hafen. Im Yachthafen daneben ankern die Segel- und Motorboote. Deshalb herrscht am Pier zumeist auch Hochbetrieb. In den Sommermonaten muss man schon etwas Geduld aufbringen, bis man sich in der schwitzenden Menge die wenigen Schritte bis zum Funicolare (der Standseilbahn, die zur Piazzetta von Capri-Ort hinaufführt) durchgekämpft hat. Marina Grande war schon ein Hafen der Römer und früher besiedelt als der heutige Ort oben auf dem Hügel.

Marina Piccola

Die „Kleine Marina“ ist in der Tat ein kleiner, feiner Badeplatz mit fünf gut ausgestatteten Badeanstalten. Marina Piccola - malerisch an der Südseite der Insel gelegen - ist auch Capris vornehmstes Villenviertel.

Musik

Die Blaue Grotte hat Felix Mendelssohn Bartholdy zwar nicht zu einer solchen Komposition angeregt wie die schottische Grotte von Fingale, aber seine Capri-Erinnerungen könnten in der „Italienischen Symphonie“ doch mitklingen. Claude Debussy hingegen widmete eines seiner schönsten Préludes den Hügeln von Anacapri.

Russland

Russland war auf Capri jahrzehntelang durch eine sehr eng zusammengefügte Emigrantenkolonie vertreten. Die Exilierten waren zuerst Revolutionäre, dann Flüchtlinge nach der Revolution. Im Mittelpunkt dieser Gruppen stand während seiner beiden Capri-Aufenthalte Maxim Gorki, der dort auch seinen Roman „Die Mutter“ schrieb. Lenin und Anatoli Lunatscharski, Volkskommissar und Literaturwissenschaftler, gehörten ebenso zu den Besuchern wie der weltberühmte Sänger Fjodor Schaljapin. Es gibt ein Porträt von Gorki, das Schaljapin 1911 auf Capri gezeichnet hat.

Skandinavien

Nicht nur Axel Munthes Name bleibt eng mit Capri verbunden. Hans Christian Andersen wählte nicht ohne Grund neben dem italienischen Festland auch Capri zum Schauplatz seines Romans „Der Improvisator“: eine märchenhafte Insel für einen der größten Märchenerzähler.

Wasser

Jedes Haus besitzt eine unterirdische Zisterne. Die Dachkonstruktion sorgt dafür, dass kein Tropfen Regenwasser verloren geht, sondern in die Zisterne geleitet wird. Die Anlagen für die Wasserversorgung werden seit 1978 nicht mehr von Zisternenschiffen gespeist, sondern vom Festland her. Eine neue, auf dem Meeresboden verlegte Leitung aus der Nähe von Sorrent wurde 2002 eingeweiht.