Bleibende Schäden in jeder Hinsicht

    Ausländerfeindlichkeit

    18.04.2006, 17:37

    Von Philip Grassmann

    Während der Deutsch-Äthiopier um sein Leben ringt, überlegt man in Potsdam, wie man der rechten Gewalt Herr wird. Ein Mailboxmittschnitt soll bei der Suche nach den Tätern helfen.

    Es sind nur ein paar hundert Meter von der Wohnung bis zu dem Tatort an der Straßenbahnhaltestelle. In einer Seitenstraße eines etwas heruntergekommenen, aber bürgerlichen Potsdamer Stadtteils hat Ermyas M. gewohnt.

    Es gibt hier einige Geschäfte, ein paar Kneipen und etwas weiter die Straße herunter liegt einer der Seiteneingänge zum Schlosspark von Sanssoucis. Es ist ein Stadtteil, sagen Anwohner, in dem eigentlich nicht viel passiert.

    potsdam ddp

    Blumen am Tatort in Potsdam (Foto: ddp)

    Mailboxnachricht liefert Hinweise

    Aber in der Nacht zu Ostermontag ist hier doch etwas passiert, und seitdem steht ganz Potsdam unter Schock. Ermyas M. wurde gegen vier Uhr morgens an der Haltestelle brutal zusammengeschlagen und misshandelt. Es ist der schlimmste ausländerfeindliche Überfall in der Landeshauptstadt seit der Wende.

    Ermyas M. wurde so schwer verletzt, dass er seitdem im künstlichen Koma gehalten wird. Die Ärzte sagen, er hat ein schweres Schädel-Hirntrauma erlitten, und übersetzt heißt dies, dass er so übel malträtiert wurde, das sein Schädel an einigen Stellen gesplittert ist.

     
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    In einer zweistündigen Operation haben sie ihm ein Handteller großes Stück aus der Schädeldecke herausgenommen, damit der Druck im stark geschwollenen Gehirn sinkt. Es soll später, wenn es ihm besser geht, wieder eingesetzt werden. Aber niemand weiß, wann das sein wird.

    Es gibt keine Zeugen von dem Überfall, keine direkten zumindest. Aber es gibt ein Telefongespräch, das von der Handy-Mailbox seiner Frau aufgezeichnet wurde. Ermyas M. hat sie angerufen, kurz bevor er so brutal zugerichtet wurde, aber sie ist nicht dran gegangen.

    Man hört Straßengeräusche. Eine helle, eine dunkle Stimme. Jemand sagt: "Hör doch mal auf." Dann fällt das Wort "Nigger". Und Ermyas M. hört man antworten: "Warum sagst du Nigger zu mir?" Es gibt unverständliche Wortfetzen, Geräusche, nach knapp zwei Minuten bricht das Gespräch ab.

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