Reich, reicher, unsichtbar

    Aldi-Brüder

    18.08.2005, 17:35

    Von Alex Rühle

    Karl und Theo Albrecht sind die reichsten Deutschen, aber wo sind sie zu finden? Eine Spurensuche.

    Die Dinge sind verworren. Bei der Mülheimer Ruhrzeitung behaupten sie, Karl Albrecht wohne in Mülheim. Dort sagt dann ein Anwohner, nee, hier lebt nur der Sohn, der kauft zwar täglich unten im Aldi ein, hat aber mit dem Imperium kaum was zu tun; Karl senior wohnt in Köln. Im Personenarchiv steht, Karl lebe in Essen, Theo auf Föhr. In Essen heißt es, ach was, das mit Föhr sei ja steiler Unsinn, der Theo wohne dahinten in dem Reihenhaus und der Karl im Wald. Und ein Redakteur der Essener NRZ seufzt: „Lassen Sie’s. Wir haben mal extra einen Piloten gemietet und Luftaufnahmen von den Häusern gemacht. Ich weiß bis heute nicht, ob das die richtigen Häuser waren. Später hieß es, das von Theo sei das von Karl und umgekehrt und andere sagten, das stimme alles überhaupt nicht.“

    Ein Mann sitzt am hintersten Ende von Essen auf seinem Rasenmäher, einem Traktor im Disneyformat. „Was suchen Sie denn?“, fragt er. „Den Karl Albrecht. Ich möchte etwas schreiben über die Unsichtbarkeit des deutschen Reichtums anhand der Albrechts.“ „Da brauchen Sie nicht über die Albrechts schreiben. Wir sind hier alle unsichtbar.“ Da hat er Recht; das stimmt schon gartenbautechnisch.

    Alle Gärtner, die hier arbeiten, müssen eine Zusatzausbildung beim Bundesgrenzschutz gemacht haben: Wie pflanzt man Gewächse derart, dass dahinter alles verschwindet ? Die Sträßchen, die sich in den Wald davonschlängeln, sind ein Dorado für dunkeldichte Nadelbäume und Hartlaubgewächse. Und die Klingelschilder sind fast alle leer. Auf einem steht wie zum Spott K. Mustermann.

    Yetis in Essen

    Theo und Karl Albrecht sind die Brüder Mustermann unter den deutschen Milliardären: Sie sind mit ihren 30 Milliarden Euro die Reichsten und mit ihren zwei bekannten Fotos die Unsichtbarsten. „Die Albrechts leben zurückgezogener als der Yeti“, klagte Forbes einmal. Wenn das Magazin alljährlich seine Liste der reichsten Menschen abdruckt, müssen sie immer auf dieselben Bilder zurückgreifen, zwei krisselige Aufnahmen, die wie Standbilder aus einer Derrick-Folge aussehen, mausgraue Herren vor hingeramschter Achtziger-Jahre-Architektur. Die Bilder hat der Münchner Fotograf Franz Ruch gemacht.

    Er mietete sich 1987 für Forbes einen Bus und wartete zwei Wochen lang;hängte sich morgens an ihre Autos, stromerte vor den Häusern herum, und irgendwann hatte er sie dann. Theo kriegte er, als der mittags zum Essen ging, Karl, als er nach Feierabend die Firma verließ.

    Auf einem Nachbargrundstück steigt eine Frau aus ihrem Mercedescoupé und nähert sich freundlich. Als der Name Albrecht fällt, rasseln vor ihrem Gesicht die Jalousien runter, und sie sagt den wunderbaren Satz: „Sie werden verstehen, dass ich aus juristischen Gründen dazu keine Stellung beziehen kann.“

    Später hat angeblich nochmal jemand die Albrechts in einer Essener Kirche fotografiert. Der Fotograf musste eine Unterlassungserklärung unterschreiben und die Bilder rausrücken. Natürlich wollten die Aldis auch Ruchs Bilder verbieten. Aber irgendwann haben sie nachgegeben. Vielleicht weil sie wussten, dass dann Ruhe ist. „So hab ich jetzt mein kleines Monopol“, sagt Ruch.

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