
Mitarbeiter des Baureferats sammeln Fahrräder ein
Foto: Andreas Heddergott
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"Klick", macht die Zange, ein Mitarbeiter des Baureferats durchtrennt das Fahrradschloss, mit dem das Rad an eine Laterne gekettet ist. "Klick" macht auch die Digitalkamera, mit der der Mann das Rad fotografiert. Rund 1000 Mal wiederholte sich gestern dieses Szenario in der Münchner Innenstadt. Dreißig zusätzliche Arbeitskräfte des Bauhofs waren auf fünf Wagen im Einsatz, um geparkte Fahrräder einzusammeln. Auslöser des ganz legalen Diebstahls, mitten am Tag, ist der Besuch Papst Benedikts XVI. - wie fast alle Räumungsaktionen dieser Tage. Überall dort, wo der Papst den Gläubigen vom Papamobil aus zuwinken wird, müssen Räder und Blumenkübel weg. Die Sicherheitszone erstreckt sich vom Marienplatz bis zum Geschwister-Scholl-Platz. Fehlende Hinweisschilder Hinweisschilder waren wochenlang an allen öffentlichen Fahrradständern angebracht. Nicht aber dort, wo Räder wild geparkt sind. Am Marienplatz bot sich gestern ein gewohntes Bild: Fahrradtrauben, angekettet an Geländern, Fahnenstangen und Laternen, bis zu vier Stück dicht aneinandergedrängt. Und kein Schild, nirgends. Auch in der Wein- und der Theatinerstraße - nichts. Radständer und Warnschilder waren schon am Morgen entfernt worden. Darauf angesprochen, zucken die Arbeiter nur mit den Schultern. Schlecht sei das schon, auch wenn man streng genommen sein Fahrrad ohnehin nicht an einen Laternenpfahl ketten dürfe. Am Odeonsplatz, gleich neben dem U-Bahn-Abgang, wuchten Mitarbeiter des Baureferats gerade Rad für Rad auf ihren orangefarbenen Laster. Schwitzend eilt ein Mann auf die Arbeiter zu, dreht sich um, sucht sein Rad. Tja, weggeräumt sei es halt. Er könne es aber abholen, in der Kagerstraße - ab kommenden Montag. Der Mann verharrt, sein Gesicht rötet sich, dann dreht er ab, verschwindet schimpfend. Fahrräder ohne Nummer "Es ist ein Wahnsinnswust, ich schaff es nicht früher als Montag", sagt Peter Weismann, Leiter der städtischen Verkehrszeichenbetriebe. Jedes Rad wird katalogisiert: Fundort, Nummer, Farbe und Marke werden notiert. Im Bauhof an der Kagerstraße werden die Fahrräder dann sortiert und geordnet. Dies soll die Abholung vereinfachen. Eine Art Rasterfahndung nach dem eigenen Drahtesel, die lange Wartezeiten verhindern soll. Ein frommer Wunsch bei rund 1000 Rädern, mit denen Peter Weismann insgesamt rechnet. Das pinkfarbene Damenrad älteren Baujahrs ist ein Problemfall. "Nummer?", fragt ein Arbeiter. "Keine", antwortet der Kollege. Auch der Marken-Schriftzug ist beinahe abgeblättert. Also lässt der Schriftführer zwei Spalten frei. Es wird für die Eignerin schwieriger werden, das Fahrrad unter den vielen anderen zu finden. Glück hat sie, dass sie es nicht an einen festen Gegenstand angeschlossen hat. So bleibt ihr Schloss unversehrt. Und wartet auf den Schlüssel, der sicherstellen soll: Das Rad gehört ihr. Die Fahrräder können ab Montag, 11. September, zwischen 6.30 Uhr und 15 Uhr in der Kagerstraße 9 abgeholt werden; Telefon (089) 233-427 98. (SZ vom 05.09.06)
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