Reisetipps St. Petersburg

Ausflüge & Touren St. Petersburg

Walaam und Konewez

Mit dem Tragflügelboot in die klösterliche Stille - auf zwei Inseln im Ladogasee, die uralte Klosteranlagen tragen: Das Kloster von Walaam, auf dem gleichnamigen Archipel im Norden des Sees gelegen, kennt man in Russland als populäres Pilgerziel. Eher ein Geheimtipp ist dagegen das Kloster auf der kleinen Insel Konewez.

Beide Inseln sind für Freunde verträumter Winkel ein ideales Ziel, denn gleich jenseits der Klostermauern erstreckt sich unberührte Natur. Schiffsfahrten von Petersburg nach Walaam dauern in der Regel drei Tage. Doch nun sind die beiden im 14. Jh. von Mönchen besiedelten Eilande im Rahmen eines Tagesausflugs erreichbar - durch Tragflügelboote, in denen Verpflegung wie Bestuhlung an Flugverkehr erinnern.

Die Touren (Preis: Walaam 2./1. Klasse 3220/5175 Rbl | Konewez 2100/3300 Rbl | Alien Shipping | Tel. 3275454, 921/9319823 | Tickets vorab bestellen) führen entweder nach Konewez (Mi, Sa, So) mit einem Zwischenstopp auf der Festungsinsel Oreschek (Schlüsselburg) oder nach Walaam (im Sommer tgl.). In beiden Fällen wird um 8 Uhr morgens an der Petrowskaja Nabereshnja abgelegt, und man kehrt erst um 21 bzw. 22 Uhr zurück. Bis Walaam sind es vier Stunden Fahrt. Nach einer Besichtigung des Hauptklosters fährt das Boot noch in eine idyllische Bucht weiter, wo während einer Wanderung mehrere Einsiedeleien besichtigt werden. Den Gesang des Klosterchors noch in den Ohren, geht es dann zurück nach St. Petersburg.

Bis Konewez sind es „nur“ drei Stunden Fahrt mit der „Raketa“ - wie man diese Tragflügelboote für 120 Passagiere nennt. Dabei wird am Ausfluss der Newa aus dem Ladogasee ein Zwischenstopp zur Besichtigung der Schlüsselburg gemacht. Diese im 13. Jh. gegründete Burg auf einer winzigen Insel war im Zweiten Weltkrieg heftig umkämpft, wovon noch heute Ruinen zeugen. Auf Konewez wird es dann bedeutend friedlicher - wenngleich das Kloster zur Sowjetzeit als Forschungsinstitut zur Torpedo-Entwicklung missbraucht wurde. Doch heute leben dort wieder einige orthodoxe Mönche. Deshalb daran denken: Keine kurzen Hosen tragen - und Frauen sollten ein Kopftuch dabeihaben!

Schlosspark Pawlowsk

Die 27 km weite Fahrt vom Witebsker Bahnhof nach Pawlowsk hinaus hat lange Tradition: Hier endete die 1837 in Betrieb genommene erste Bahnlinie des Landes.

Nach nur 35 Minuten erreichten die ersten Ausflügler damals den „Woksal“. Was inzwischen im Russischen allgemein „Bahnhof“ bedeutet, war damals ein (nach dem Londoner Vorbild Vauxhall benannter) Sommerkonzertsaal mit Bahnanschluss.

Zehn Jahre lang dirigierte hier ab 1856 jeden Sommer der Wiener Walzerkönig Johann Strauß. Den Konzertbesuch verband das Publikum mit Spaziergängen durch den nebenan beginnenden Schlosspark - einer der größten und schönsten Landschaftsparks Europas.

Der Musikbahnhof wurde zwar im Krieg zerstört, aber vor allem im Herbst lieben es die Petersburger nach wie vor, „zum Blätterrascheln nach Pawlowsk" zu fahren. Das Schloss, 1782-1822 zunächst für den späteren Zaren Paul I. errichtet, ist im Vergleich zu den anderen Zarenresidenzen dezent (tgl. 10-18 Uhr, im Winterhalbjahr Fr geschl. | Eintritt 370 Rbl). Wer Peterhof, den Winterpalast oder den Katharinenpalast gesehen hat, kann sich aber guten Gewissens gleich an die Erkundung des Parks machen (Eintritt 100 Rbl).

Sein Zentralbereich ist der gewundene Flusslauf der Slawianka. In dieses stille Tälchen wurden geschickt Tempel, Pavillons, Monumente, Brücken, eine Mühle und sogar künstliche Ruinen komponiert. Ziel der Gartenarchitekten, vor allem Charles Cameron und Pietro Gonzaga, war es, das Ideal einer Landschaft zu schaffen. Vor allem im Ostteil des Parks öffnen sich Wälder und Wiesen zu romantischen Perspektiven, die vergessen lassen, dass man sich noch immer auf Petersburger Stadtgebiet befindet. Aber Achtung: Der Park ist so groß, dass man durchaus die Orientierung verlieren kann! Im Sommer gibt es hier deshalb geführte Fahrradexkursionen.

Repino und Ostseestrand

Weniger als eine Stunde Fahrt trennt die Metropole Petersburg von weiten Sandstränden und rauschenden Wäldern. Die „Nördliche Riviera“ zwischen Sestrorezk und Selenogorsk an der Nordküste des Finnischen Meerbusens ist ihre Naherholungszone Nr. 1 - ganz ohne Zarenschlösser, aber mit den höchsten Grundstückspreisen.

In Repino lässt sich das Baden (im Winter: der Eisspaziergang) mit einem Kulturprogramm verbinden: Hier lebte der große Maler Ilja Repin (1844-1930) in einer originellen Villa, die heute ein Museum ist.

Wer einfach einen Strandtag verleben möchte, sollte per Vorortzug vom Finnländischen Bahnhof nur 40 Min. bis Solnetschnoje fahren: Der Laskowy-Strand ist der beste an der ganzen Küste. In Repino, dem nächsten Ort und einstigen Kuokkala, das von 1918 bis 1940 zu Finnland gehörte, stehen dann die Penaten (2,5 km zu Fuß, s. Wegskizze im Bahnhof, besser jedoch per Bus 211 ab Metro Tschjornaja Retschka bis Haltestelle Penaty). So nannte Ilja Repin seinen originellen Landsitz. Die Villa verblüfft durch ihre Winkel, Erker und spitzen Glasdächer über den Atelierräumen - aber auch dadurch, was man hier über das verschrobene Genie erfährt: Repin schlief auch winters auf dem Balkon, war Vegetarier und verzichtete auf Dienstpersonal - und war dennoch ein begehrter Gastgeber, zu dessen Festen die Kulturboheme pilgerte. Das im Krieg abgebrannte Haus wurde originalgetreu rekonstruiert und ist heute ein Museum (Mi-So 10.30-17 Uhr, Park 10-20 Uhr | Primorskoje Chaussee 411 | 150 Rbl inkl. Audioguide und Film auch auf Deutsch | www.repino-museum.spb.ru). Im Park der Villa befindet sich Repins Grab. Jenseits der Straße stößt man auf einen wunderschönen Naturstrand mit Kiefern auf den Dünen.