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Corona-Pandemie:Welche Quarantäne-Regeln in Bayern gelten

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Wegen Quarantäne allein sein zu müssen, ist langweilig.

(Foto: imago images/Addictive Stock)

Was müssen Corona-Infizierte und ihre Kontaktpersonen beachten? Wann dürfen sie ihre Wohnung wieder verlassen? Welche Ausnahmen gelten für Geimpfte? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Kassian Stroh

Das Coronavirus ist ein tückischer Erreger. Er ist nicht nur ziemlich ansteckend, er kann auch von Menschen übertragen werden, die gar nicht merken, dass sie ihn sich eingefangen haben. Ein zentrales Mittel, um die Pandemie einzudämmen, ist daher die vorübergehende Isolation von Covid-19-Infizierten und der Versuch, möglichst viele derer zu finden, die mit ihnen engeren Kontakt hatten. Sie müssen dann in Quarantäne. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen, wie das in Bayern gehandhabt wird und welche Regeln gelten - sie wurden Mitte April für Geimpfte und ehemals Corona-Kranke gelockert.

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Wer muss in Quarantäne?

In Quarantäne müssen grundsätzlich alle, die einen engen Kontakt zu einem Covid-19-Kranken hatten ("enge Kontaktpersonen") - das gilt aber nicht für Vollgeimpfte und für Menschen, die im vergangenen halben Jahr selbst eine Corona-Infektion überstanden haben (siehe unten). In Quarantäne müssen auch jene, bei denen ein begründeter Verdacht besteht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben (Verdachtspersonen). Und natürlich alle, bei denen ein PCR-Test eine Infektion bestätigt hat - dann spricht man offiziell allerdings nicht von Quarantäne, sondern von Isolation.

Was heißt "enge Kontaktperson"?

Bei jedem Corona-Erkrankten ermittelt das Gesundheitsamt, mit wem er engen Kontakt hatte und damit ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung. Nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts ist das zum Beispiel der Fall, wenn man ohne Maske miteinander gesprochen hat (in einer Entfernung von weniger als eineinhalb Metern) oder mehr als zehn Minuten nah beieinander und ohne Maske beisammen stand oder länger als zehn Minuten gemeinsam in einem schlecht durchlüfteten Raum saß. Das örtliche Gesundheitsamt prüft und entscheidet das individuell.

Welche Regeln gelten für die Quarantäne?

Wer in Quarantäne oder Isolation ist, muss in seiner Wohnung bleiben und darf keinen Besuch empfangen. Von seinen Mitbewohnern, auch von Familienmitgliedern, muss er sich fernhalten, also möglichst in einem eigenen Zimmer bleiben und nicht mit ihnen gemeinsam essen. Es gibt nur zwei Ausnahmen, wann er seine Wohnung verlassen darf: entweder allein in den eigenen Garten, auf die Terrasse oder den Balkon oder für den Weg zu einem Arzt oder ins Testzentrum, weil ein Corona-Test angeordnet wurde. Kontaktpersonen müssen zudem zweimal täglich ihre Körpertemperatur messen und mögliche Krankheitssymptome in ein Tagebuch eintragen. Sollten sie Anzeichen einer Corona-Erkrankung zeigen, müssen sie das Gesundheitsamt anrufen; das gilt auch für Verdachtspersonen, wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Wer sich an die Vorschriften nicht hält, gegen den kann ein Bußgeld verhängt werden.

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Alle Quarantäne-Regeln finden sich in dieser Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums.

Wie lange dauert eine Quarantäne?

Kontaktpersonen: Frühestens 14 Tage nach dem letzten Treffen mit dem Covid-Kranken muss die jeweilige Kontaktperson zu einem PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest; fällt er negativ aus, ist die Quarantäne beendet. Diese Testpflicht gilt erst seit Ende Februar. Das sogenannte Freitesten gibt es nicht mehr, also die Möglichkeit, mit einem negativen Testergebnis schon nach zehn Tagen wieder in Freiheit zu kommen. Diese Verschärfung begründete das Gesundheitsministerium im Februar mit der Ausbreitung der gefährlicheren, weil ansteckenderen Coronavirus-Mutanten.

Verdachtspersonen: Als Verdachtspersonen gelten zum einen Menschen, die entweder Corona-typische Symptome zeigen, die deswegen einen PCR-Test haben machen lassen - freiwillig oder auf Anordnung des Gesundheitsamts - und nun auf das Ergebnis warten. Oder aber Menschen, die einen Selbsttest gemacht haben, der positiv ausgefallen ist, und die deshalb nun einen herkömmlichen Corona-Test (PCR) machen lassen. Bei ihnen endet die Quarantäne in dem Moment, in dem ein negatives Testergebnis vorliegt.

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Familienmitglieder oder Mitbewohner eines Covid-19-Kranken: Wer mit einem Menschen zusammenlebt, der Corona hat, muss 14 Tage in Quarantäne. Die Frist beginnt an dem Tag zu laufen, an dem der Corona-Kranke erstmals Symptome zeigte oder positiv auf den Erreger getestet wurde. Diese Frist bleibt auch, wenn in der Zwischenzeit weitere Familienmitglieder oder Mitbewohner an Corona erkranken sollten. Wie bei den Kontaktpersonen auch gibt es eine Testpflicht: Die Quarantäne wird erst beendet, wenn ein negativer Corona-Test vorliegt.

Covid-19-Kranke: Wer bei einem Schnelltest (etwa beim Arzt oder in einer Apotheke) positiv getestet wurde, darf wieder in Freiheit, wenn der nachfolgende PCR-Test negativ ist. Ist man aber bei einem PCR-Test positiv getestet worden und zeigt man keine Symptome, endet die Isolation 14 Tage nach dem positiven Corona-Test; zeigt man Symptome, dann 14 Tage nach deren ersten Auftreten und auch nur, wenn man mindestens 48 Stunden symptomfrei ist. Das muss das Gesundheitsamt festlegen. In jedem Fall muss man sich am Ende der 14 Tage auf Corona testen lassen - nur wenn das Ergebnis negativ ist, endet die Quarantäne.

Müssen auch Menschen in Quarantäne, die schon einmal Corona hatten?

Wenn die Erkrankung nicht mehr als sechs Monate zurückliegt, muss man als enge Kontaktperson nicht in Quarantäne. Andernfalls schon. Bis Februar entschied noch jedes Gesundheitsamt selbst, wie es mit früheren Corona-Fällen umging - in Bayern sind das inzwischen mehr als eine halbe Million Menschen. Auch für sie gilt die Quarantäne-Ausnahme aber nicht, wenn sie Kontakt zu einem Menschen hatten, der sich mit einer der gefährlicheren Virus-Mutanten (mit Ausnahme der in Großbritannien entdeckten Variante B.1.1.7) angesteckt hat; dann müssen sie in jedem Fall in Quarantäne.

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Müssen auch Geimpfte als Kontaktpersonen in Quarantäne?

Seit dem 15. April 2021 nicht mehr. Aber nur, wenn sie zwei Impfungen bekommen haben und wenn die zweite mindestens 15 Tage zurückliegt. Oder wenn sie schon einmal Corona hatten und deswegen nur eine Dosis Impfstoff bekommen haben. Welches Präparat ihnen verabreicht wurde, ist egal. Denn bei Geimpften ist die Übertragungsgefahr nach dem momentanen Kenntnisstand deutlich geringer.

Was gilt in Schulklassen und Kitas?

Auch hier prüft das Gesundheitsamt in jedem Einzelfall, wer zu einem Corona-Kranken engen Kontakt hatte und deshalb in Quarantäne muss. Das hängt also zum Beispiel von den Gegebenheiten im Klassenzimmer ab. Bis Ende Februar war das in den Schulen anders: Trat da ein Corona-Fall auf, so wurde quasi automatisch die ganze Klasse nach Hause in Quarantäne geschickt. Diese sogenannte Kohortenisolation hat das Gesundheitsministerium abgeschafft, auch nachdem ein Schüler vor dem Verwaltungsgericht Würzburg erfolgreich dagegen geklagt hatte. Bei Krippen- und Kindergartenkindern wurde schon immer individuell vom Gesundheitsamt geprüft - und das bleibt auch so. Hier ist aber der Kontakt der Kinder untereinander ohnehin meist deutlich enger.

Wann muss man nach einer Einreise in Quarantäne?

Das RKI definiert, was ein Risikogebiet, ein Hochinzidenzgebiet oder ein Virusvarianten-Gebiet ist. Wer aus einem solchen nach Bayern einreist, muss grundsätzlich in Quarantäne. Teilweise kann man sich vorzeitig freitesten und es gibt eine ganze Reihe von Ausnahmen - etwa für Schüler oder Berufspendler. Die genauen Vorschriften finden sich in der Einreise-Quarantäneverordnung des Freistaats.

© SZ vom 03.03.2021/van/infu

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