Wildschweine:"Wir können kein Fort Knox aus unserem Friedhof machen"

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Wildschweine sorgen auf dem Friedhof für Ungemach. (Foto: Harald Tittel/dpa)

Nachdem in Oberfranken - schon wieder - Wildschweine einen Friedhof umgegraben haben, ist die Rede von einem "übernatürlichen Ereignis". Und es stellt sich die Frage: Was tun gegen die unliebsamen Besucher?

Kolumne von Max Weinhold, Nordhalben

Wer eine Aufbahrungs-, Beisetzungs- oder öffentliche Totengedenkstätte zerstört, beschädigt oder dort "beschimpfenden Unfug verübt", der wird nach Paragraf 168 Absatz 2 des Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Gefängnis oder einer Geldstrafe sanktioniert. Ausgenommen von der Strafverfolgung sind freilich Tiere. Und so wird kaum ermittelt werden, wer genau es war, der in der Nacht zu Montag bis zu 100 Gräber auf einem Friedhof im oberfränkischen Markt Nordhalben umgegraben hat. Was ja mindestens mal einer Beschädigung, vielleicht einer Zerstörung und womöglich gar einem beschimpfenden Unfug gleichkommt.

Wie der Neuen Presse zu entnehmen ist, suchen grabpflegende Angehörige die Verantwortung aber ohnehin weniger bei den tatverdächtigen Wildschweinen als im Nordhalbener Rathaus. Nicht zum ersten Mal hätten die Tiere auf dem Friedhof derart gewütet, das Problem sei also bekannt. Und trotzdem nehme keiner das nötige Geld für eine adäquate Einfriedung in die Hand, beklagt ein Gemeindebewohner.

Nachfrage also beim Bürgermeister: Was tun gegen die unliebsamen Besucher? Zunächst erläutert Michael Pöhnlein die Umstände: Der Friedhof liege an einem Wald, es gebe bereits einen Wildschutzzaun, weitere seien geplant. Aber, sagt der Bürgermeister und Jagdvorstand: Die Schweine seien "intelligenter als manche Vierbeiner", sie fänden immer einen Weg. Entweder sie wälzten mit ihren zwei Zentnern Kampfgewicht die Zäune nieder oder sie grüben sich drunter durch, eine Lösung böte also höchstens eine massive Mauer oder ein sogenannter Stabmattenzaun mit Fundament. Was beides zu teuer sei. "Und wir können auch kein Fort Knox aus unserem Friedhof machen", sagt er.

Pöhnlein denkt stattdessen pragmatischer: Besucher müssten abends die Tore zum Friedhof schließen, um den Wildschweinen wenigstens keinen freien Eintritt zu gewähren - die künftig sogar noch häufiger kommen dürften, wie er prognostiziert: Die Nadelwälder in der Region trockneten aus, sie würden aus ihrem Lebensraum verdrängt und näherten sich den Menschen, wo sie sich reichlich ernähren und überdies nicht bejagt werden könnten.

Der Bürgermeister macht den Nordhalbern deshalb wenig Hoffnung, was die künftige Wildschweinabwehr betrifft. Und auch eine Übernahme der Kosten für das Wiederherrichten der Gräber durch die Gemeinde schließt er aus. Es handle sich schließlich um ein "übernatürliches Ereignis".

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