Reisetipps New York

Stadtspaziergänge New York

Fremde Welten

Exotik im Kleinen und zeitgenössische Kunst: SoHo, Little Italy, Chinatown und East Village (Dauer: ca. sechs Stunden)

Startpunkt für den Downtown-Bummel ist der Washington Square Park mit seinem Triumphbogen, Treffpunkt für die Studenten der benachbarten New York University (NYU), ein Gelände, das noch im 18. Jh. als Friedhof diente. Sie kreuzen die Bleecker Street, in den 60er-Jahren das Mekka der Folkmusik, heute Magnet für junge Leute. Die Route führt über die West Houston Street hinein in eines der architektonisch reizvollsten Viertel der Stadt: SoHo mit seinen Cast-Iron-Gebäuden, die als mehrstöckige Fabriken, Läden und Lagerhäuser entstanden. Was sie gemein haben, sind ihre gusseisernen Fassadenteile und die freitragenden Decken. In den 1960er-Jahren wurden sie von Künstlern und Studenten entdeckt und zu großen Lofts umfunktioniert. Eines der typischen Ergebnisse dieser gewandelten Nutzung finden Sie in der Spring St. 101, Ecke Mercer Street. Hier lebte der Bildhauer Donald Judd. Die Sammlung mit Werken von Judd, Dan Flavin, Claes Oldenburg u.a. ist nach Verabredung geöffnet (Tel. 1212/219-2747) und soll zum Museum werden. Durchqueren Sie den Kiez mit schmalen Straßen, Boutiquen, attraktiven Restaurants und Cafés entlang der Spring Street und kreuzen Sie die Greene Street - mit ihrem Kopfsteinpflaster das eindrucksvolle Überbleibsel eines anderswo übertünchten Stadtbilds.

Der Broadway bietet v.a. Shopping-Attraktionen: den Prada-Laden (Nr. 575), designt von Architekt Rem Koolhaas, den Store der Kultmarke Puma (Nr. 521) und Dean & DeLuca, den Gourmetladen.

Weiter auf der Spring Street bewegen Sie sich auf den Spuren heutiger New Yorker Prominenz. Ein Tipp für die, die Filmstars und Models sehen möchten, ist das Bistro Balthazar. Sobald Sie die Mulberry Street erreichen, haben Sie nicht mehr das Gefühl, in New York zu sein: Die Ziegelhäuser sind nur fünf Stockwerke hoch, kein Wolkenkratzer ist zu sehen. Dies ist die Hauptstraße von Little Italy, einer gemütlich wirkenden Anhäufung italienischer Restaurants - doch Little Italy kämpft ums Überleben.

Denn Chinatown, ursprünglich von der Canal Street begrenzt, breitet sich immer weiter nach Norden aus. Apropos Canal Street: Diese Ost-West-Achse ist nach wie vor das unumstrittene Zentrum der großen chinesischen Fisch-, Fleisch- und Gemüsehändler. Wer nicht in einem der vielen Restaurants essen möchte, lässt sich bei fliegenden Händlern Kostproben servieren.

Links in der Bowery verliert sich die asiatische Atmosphäre allmählich. Und sobald Sie über die Grand Street (witzig: das dreistöckige Kaufhaus Pearl River Mart zur Orchard Street gelaufen sind, betreten Sie ein anderes Viertel im Wandel: Die Lower East Side wird schick.

Nördlich der Houston Street hören die Kontraste bei Weitem nicht auf. Die Avenue A und der Tompkins Square Park im Herzen des East Village waren in den 1960er-Jahren Hochburg der Hippie-, in den späten 1970er-Jahren der Punk-Rock-Szene. Heute leben hier viele Nachwuchskünstler. Die Atmosphäre ist russisch-ukrainisch - was sie im Coffee Shop Odessa (119 Avenue A) auch schmecken können, bei köstlichen, mit Frischkäse gefüllten Pfannkuchenspezialitäten namens Blintzes. Auf dem Weg zum St. Marks Place begegnen Ihnen die East-Village-Bewohner mit ihrem ungezwungenen Lifestyle.

Downtown entdeckt sich neu

Dieser Rundgang an der Südspitze von Manhattan führt Sie zur Freiheitsstatue und zur Brooklyn Bridge. Außerdem zum Ground Zero, der World Trade Center Site, wo sich die Geschichte der Stadt verändert hat (Dauer: ca. sechs Stunden).

Vom Municipal Building geht der Weg, vorbei an den Verwaltungsgebäuden von Federal Plaza, zum Duane Park. Wo sich heute Antiquitätenläden angesiedelt haben, bekommen Sie einen Eindruck davon, wie die Kaufleute 1795 an der Südspitze Manhattans lebten.

Durch die Chambers Street geht es zum Broadway, von dort nach Süden bis zur City Hall. Das Rathaus von New York, erbaut zwischen 1803 und 1812, ist heute zu klein für die Stadtverwaltung, aber der Bürgermeister sitzt noch hier. Er schaut u. a. auf das Woolworth Building (Broadway, zw. Barclay Street und Park Place) mit der Kupferkuppel.

An der Vesey Street liegt St. Paul's Chapel, Manhattans einzige Kirche aus der Kolonialzeit. Die kleine Kapelle ist nach dem Anschlag auf das World Trade Center eine wichtige Anlaufstelle für erschöpfte Helfer und für Trostsuchende gewesen. Durch die Vesey Street kommen Sie zur World Trade Center Site, dem Ground Zero, wo bis zum 11. September 2001 die Türme des Centers täglich Tausende Besucher anlockten. An der Ecke zur Church Street ist die Path Train Station. Von hier ist die Sicht auf den Neuaufbau am besten.

Dann gehen Sie die Church Street Richtung Süden, vorbei an der Trinity Church, die sich zwischen die hohen Häuser des Finanzdistrikts duckt. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. war sie das höchste Gebäude Manhattans (80 m) und Wegweiser für einlaufende Schiffe.

Kurz vor dem südlichen Ende des Broadways scharrt der berühmte Bulle aus Bronze, der den Optimisten an der Wall Street ihren Namen verpasst hat, ungeduldig mit den Hufen.

Von Battery Place und First Place ist der Blick von der mit Bäumen bestandenen Promenade Richtung Süden reizvoll. Hier können Sie die Statue of Liberty, Ellis Island und die Verrazano Bridge zusammen auf ein Foto bannen. Den freien (Gratis)blick auf Lady Liberty garantiert auch eine Fahrt mit der Staten Island Ferry, die vom Terminal am anderen Ende des Battery Parks aus ablegt.

Doch zurück zum Battery Place, wo Sie das Skyscraper Museum finden. Von dort geht's weiter zum Robert Wagner Jr. Memorial Park mit dem Museum of Jewish Heritage. Unweit liegt Castle Clinton, in dem bis 1860 die Einwanderer in die Neue Welt abgefertigt wurden und wo Sie heute die Tickets für den Ausflug nach Ellis Island kaufen, die Insel, die ab 1860 Durchgangsstation der Immigranten war. Eine andere Fähre fährt von hier nach Liberty Island, wo New Yorks Wahrzeichen - die Freiheitsstatue - die Fackel emporreckt.

Durch den Battery Park geht es zum Alexander Hamilton Customs House, dem ehemaligen Zollgebäude am Bowling Green, in dem sich das National Museum of the American Indian befindet. Dann tauchen Sie ein in die Welt der Broker und Makler. An der Kreuzung Broad Street/Pearl Street gelangen Sie zunächst zur Fraunces Tavern, Gaststätte seit 1763. Von der Pearl Street biegen Sie nach links in die Wall Street ein, Synonym für das Geschehen in der internationalen Finanzwelt. An der Broad Street liegt der Eingang zur Börse, der Stock Exchange, die aber für Besucher geschlossen ist.

Über die Pine Street geht es zum Chase Manhattan Plaza, dem ersten Wolkenkratzer der 1960er-Jahre im International Style. Davor können Sie Skulpturen von Jean Dubuffet betrachten. Vorbei an der Federal Reserve Bank of New York kreuzen Sie auf der Maiden Lane die Water Street, die im 19. Jh. von Bars und Bordellen flankiert war. Am Ende wartet der South Street Seaport, Shopping Mall und Treff nach Büroschluss. Wer nicht verweilen mag, findet in der Park Row den Aufgang zur Brooklyn Bridge. Auf der 1883 gebauten Hängebrücke, damals als achtes Weltwunder bejubelt, haben Fußgänger und Radfahrer ihren eigenen Weg, erhöht über dem Straßenverkehr in der Mitte. Besonders in der Dämmerung lohnt sich der Spaziergang, wenn sich das Licht in den gläsernen Fassaden der Wolkenkratzer fängt.

Vom besten das Meiste

Kultur, Geld und Geschmack und ein Ausflug in den Central Park - bei diesem Spaziergang sehen Sie New York von seiner feinsten Seite (Dauer: ca. sechs Stunden).

Prometheus steht im Zentrum von Manhattan, inmitten eines riesigen Büro- und Shoppingkomplexes, durch den täglich eine Viertelmillion Menschen geschleust werden. Das Zentrum trägt nicht den Namen des griechischen Titanen, sondern den seines reichen Erbauers John D. Rockefeller, der 1929 die 14 Gebäude namens Rockefeller Center zwischen 48th und 51st Street und Fifth und Sixth Avenue in Auftrag gab. Die goldene Skulptur gehört zu den dekorativen Schauplätzen im Schatten des GE Building. Von hier lohnt sich der Gang Richtung Norden mit einem Abstecher zum altehrwürdigen Kaufhaus Saks Fifth Avenue mit seiner riesigen Kosmetikabteilung. Hier können Sie sich an einem der Stände von einer Visagistin das Make-up der Saison machen lassen.

Einstimmung auf große internationale Namen, die sich an New Yorks Flanierboulevard aneinanderreihen: Couturiers wie Versace (Nr. 647), Cartier (Nr. 653), Kaufhäuser wie Takashimaya (Nr. 693) und Markenartikler wie Gap (Nr. 680) und Coca-Cola (Nr. 711). An der 55th Street biegen Sie rechts ab, vorbei am The St. Regis Hotel, und schlendern auf der Madison Avenue gen Norden - durch die Lobby des Sony Building, wo der Elektronikkonzern auch ein Museum (Sony Wonder Technology Lab) betreibt. Im Kaufhaus Bergdorf Goodman und im Spielzeuggeschäft F.A.O. Schwarz sollten Sie mindestens die Eindrücke eines Bummels durch die Erdgeschossetagen mitnehmen. Vom (Shopping-)Trubel erholen können Sie sich beim Ausflug in die grünen Weiten des Central Parks, und wenn Sie Ihre Füße schonen wollen, lassen Sie sich dort im Pferdewagen kutschieren (20 Min. $ 34).

Die Route führt Richtung 72nd Street W, wo John Lennons Witwe Yoko Ono vor dem Dakota Building zur Erinnerung an den Beatles-Musiker einen Garten anlegen ließ - die berühmten Strawberry Fields. Am 8. Dezember 1980 war der Popstar vor dem Gebäude von einem geistig verwirren Fan erschossen worden. Quer durch den Park erreichen Sie die obere Fifth Avenue, an der sich die luxuriösesten Wohnungen der Stadt und ein Teil der interessantesten Museen der Welt befinden. So die Frick Collection an der Ecke 70th Street, sie versteckt sich in einem eleganten Townhouse aus der Wende vom 19. zum 20. Jh.

Die Madison Avenue zeigt sich von ihrer feinsten Seite - mit Boutiquen amerikanischer und europäischer Designer. Ab der 80th Street empfiehlt sich die Rückkehr in die Fifth Avenue, wo das Metropolitan Museum of Art mit seiner riesigen Freitreppe wartet. An der 86th Street bietet die Neue Galerie deutsche und österreichische Kunst sowie Wiener Kaffeehauskultur. Drei Blocks weiter stehen Sie dann vor dem Guggenheim Museum, dem großen Wurf des Architekten Frank Lloyd Wright.