vgwort

Von Niklas Hofmann

Pünktlich zum Bundestagswahlkampf macht sich in der Netzgesellschaft ein neues Unbehagen über die Piratenpartei breit. Wohin rückt der Kurs der digitalen Bürgerrechtsgruppierung?

pirate bay flagge oH  Grossbild

Von der Forderung nach dem Recht auf kostenlose Privatkopien, wie sie die Betreiber der Internetseite "Pirate Bay" forderten, ... (Foto: oH )

Der Bundestagswahlkampf geht für die Piratenpartei mit einer Belobigung durch Frank Schirrmacher auf dem FAS-Titel eigentlich durchaus erfreulich zu Ende. Doch zugleich befällt kurz vor der Wahl manchen in der deutschen Netzgesellschaft ein neues Unbehagen, was den Kurs der digitalen Bürgerrechtsgruppierung angeht.

Gleich zweimal innerhalb der vergangenen Woche standen Parteivorstände der Piraten dem umstrittenen Rechts-Blatt Junge Freiheit Rede und Antwort. Der stellvertretende Bundesvorsitzenden Andreas Popp erklärte dazu, er habe sich über das Blatt leider erst nach dem Interview in der Wikipedia informiert - ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis in Sachen Suchmaschinenkompetenz.

Der Piraten-Vorsitzende und "Intellektuelle von Format" (Schirrmacher) Jens Seipenbusch ging dagegen in die Vorwärtsverteidigung: "Ich halte es nicht für einen Fehler, mit den Lesern zu sprechen, nur so kann man sie überzeugen." Welche Überzeugungskraft sein Junge Freiheit-Auftritt mit Liebesbekenntnissen zu Frank Zappa und Brasilien entfalten sollten, blieb allerdings unklar.

"Das war's dann auch für mich!", verkündete daraufhin beispielsweise der "Elektrische Reporter" Mario Sixtus seine Abkehr von den Piraten - und gab damit den Tenor in vielen Blogs vor. Von einer "Geisterbahnfahrt" der Uneinsichtigen sprach auch Frédéric Valin angesichts Hunderter "zwischen Opportunismus und Wassollsismus" schwankender Twitter- und Blog-Kommentare der Piraten.

piratenpartei flagge oH

... ist bei der deutschen Piratenpartei im Moment eher weniger die Rede: Sie muss sich gegen Vorwürfe wehren, sie fische pünktlich zum Bundestagswahlkampf im rechten Lager. (Foto: oH )

Kritiker im Netz stellen die Auskunftsfreude der Piratenchefs in eine Reihe mit anderen fragwürdigen Vorgängen. Erst nach einigem Zögern hatte sich die Partei im Juli von einem Bundestagskandidaten wegen dessen Nähe zu Holocaustleugnern getrennt. Der Blogger Andreas Rohlfs ist nicht der einzige, der die Wurzel des Problems im technokratisch-ideologiefreien Politikansatz der Internetexperten sieht: "Der einzige Wert der Piratenpartei ist Freiheit. Jede andere Orientierung scheint der Piratenpartei zu fehlen. Deshalb ist jede Meinung und jedes Weltbild gleich viel wert."

Dass die Parteiführung die Offenheit nach wirklich allen Seiten ausdrücklich propagiert, tut dann ihr Übriges. Selbst in den berüchtigten Kommentarspalten des anti-islamischen Hetzblogs "Politically Incorrect" finden sich längst Bekenntnisse zur Piratenpartei.

(SZ vom 21.9.2009/rus)

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Leserkommentare (10)



22.09.2009 12:39:51

Schnolfi: Autor von Netzgesellschaft befallen ???

"Doch zugleich befällt kurz vor der Wahl manchen in der deutschen Netzgesellschaft ein neues Unbehagen."

___________

Eingetragener Verein oder nur ein Haken, um den Artikel aufzuhängen ?


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