Ein Interview von Silke Lode

Repressive Regimes entwickeln immer ausgefeiltere Methoden, um das Internet zu überwachen. Westliche Unternehmen liefern dafür die Technik und sind für die Verhaftung von Dissidenten mit verantwortlich - sagt Katrin Evers von Reporter ohne Grenzen.

 
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Die Löcher im Netz der freien Medienweiter
 

 

sueddeutsche.de: Welche Bedeutung hat das Internet beim Thema Meinungsfreiheit?

Evers: In Ländern, in denen die Nutzung traditioneller Medien eingeschränkt ist, hat das Internet die Rolle der eher unabhängigen Informationsquelle übernommen.

Vor allem in China ist das schnell erkannt worden. Dort wird das Internet für das Wirtschaftswachstum des Landes stark gefördert, gleichzeitig wird aber immer mehr Personal und Geld investiert, um das Netz zu überwachen und einzuschränken.

sueddeutsche.de: Kann das Internet ebenso gut kontrolliert werden wie die traditionellen Medien?

Evers: Nicht ganz so leicht, aber traurigerweise muss man feststellen, dass gerade Länder wie China immer ausgefeiltere Methoden entwickeln, um das Internet zu überwachen und einzelne Personen aufzuspüren.

sueddeutsche.de: Welche Länder sind neben China „schwarze Schafe“ was die Pressefreiheit im Internet betrifft?

Evers: Das sind vor allem Länder, in denen auch andere Medien zensiert werden. Dazu gehören Vietnam, Myanmar, Iran oder Tunesien. Jeder Staat hat seine eigenen Methoden. Kuba zum Beispiel fördert anders als China das Internet überhaupt nicht, Computerkäufe sind nur mit staatlicher Genehmigung möglich, und es ist unglaublich teuer, online zu gehen. In Weißrussland gibt es Zeichen, dass sich die Lage verschlechtern wird. Wir haben Informationen, dass sich die Regierung mit China berät, wie die Zensur technologisch zu machen ist.

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Bildstrecke Quer. Fotos für die Pressefreiheit 2006 Rahmen
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sueddeutsche.de: Wie funktioniert diese Technik, mit der Emails und Webseiten überwacht und zensiert werden können?

Evers: Teilweise wird nach Schlüsselwörtern gesucht – zum Beispiel Demokratie, Menschenrechte, Frauenrechte oder politische Veränderung. Oder es werden Spiegelseiten eingesetzt, das heißt, man hat das Gefühl, auf einer bestimmten Seite zu sein, findet dort aber nur Regierungsinhalte.

Eine andere Variante ist die Überwachung von Internet-Cafés mit Kameras, Fingerabdrücken und der Kontrolle von Personalausweisen. In Myanmar werden alle fünf Minuten Bilder gemacht, die zeigen, wer an welchen Computern sitzt. So kann man nachvollziehen, wer wann wo saß und welche Inhalte aufgerufen oder abgeschickt hat.

sueddeutsche.de: Und die entsprechende Software wird von westlichen Unternehmen bereitgestellt.

Evers: Ja, von einer ganzen Reihe von Firmen. Secure Computing hat Technologien nach Tunesien geliefert, mit denen Nachrichtenseiten zensiert werden – zum Beispiel die Seite von Reporter ohne Grenzen.

Fortinet hat nach Myanmar geliefert. Microsoft hat für China ein Tool für Weblogs entwickelt, das es unmöglich macht, Seiten zu bauen, in denen „Demokratie“ oder „Menschenrechte in China“ vorkommt. Das nimmt das System einfach nicht an.

Cisco Systems hat Technologien für China bereitgestellt, die die Internet-Überwachung erleichtern und hat vermutlich auch das Personal entsprechend geschult. US-Firmen sind an der Zensur ganz stark beteiligt. Von uns wird das entschieden kritisiert.

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