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Via del Sale

Von Trapani führt auf Nebenstraßen längs der Küste die „Via del Sale“, die „Salzstraße“, nach Marsala. So präzise die Grenzen von Wasser und Land vom flach am Meer abbrechenden Kalkstein auch gesetzt werden, für das Auge gehen Himmel, Salinen, die Lagunen und die flachen Inseln mit ihren Pinienreihen und verlassenen Häusern ineinander über: eine Landschaft für Sehnsüchte. Aus der Ebene steigt der zerklüftete Felsklotz des Eryx ebenso unvermittelt auf wie die drei Inseln aus dem Meer, Favignana, Levanzo und Marettimo. Die Route ist zwar nur 55 km lang, doch um ausreichend Zeit für die Insel Mozia zu haben, sollten Sie einen ganzen Tag dafür freihalten und deshalb etwas fürs Picknick mitnehmen.

Der lange, heiße Sommer und die fast immer vorhandene Brise begünstigen die Industrie, die hier seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur aus Wasser, Sonne, Wind und menschlicher Arbeit Salz gewinnt. Von 1960 an wurde eine Saline nach der anderen geschlossen, und die Windmühlen zerfielen. Als 1984 die Salzgärten Erdölraffinerien weichen sollten, engagierten sich Naturschützer für den Erhalt dieser einzigartigen Landschaft und die Wiederinbetriebnahme eines Teils der Salinen mit ihren Windmühlen. Heute wird etwa die Hälfte der früheren Fläche wieder bewirtschaftet. Zwei Anlagen beherbergen Museen, fünf Windmühlen wurden restauriert. Diese Mühlen trieben die Pumpen für die Salzsole an und die Mühlsteine zur Zerkleinerung der Salzbrocken.

Sie nehmen in Trapani die Nebenstrecke nach Marsala (Ausschilderung Richtung Flughafen/Birgi, später auch „Via del Sale“). 5 km südlich von Trapani führt eine Straße zur Salina di Nubia. Dort zeigt man im Museo del Sale (tgl. 9.30-13.30 u. 15.30-18.30 Uhr | Eintritt 2 Euro) den Ablauf der Salzgewinnung.

Zurück auf der Hauptstraße, folgen Sie ihr Richtung Marsala, bis Sie hinter dem Flughafen in die Straße nach Birgi Novo einbiegen, einem Dorf mit flachen Häusern inmitten von Weingärten. Man fährt dann auf einer schmalen Straße südwärts immer am Ufer der Lagune entlang, die zwischen 30 cm und 4 m tief ist, eine reiche Unterwasserflora besitzt und zahlreiche Wasservögel anzieht. Auf der Höhe der Insel Mozia befindet sich die größte der noch aktiven Salinen, Ettore Infersa (tgl. 9.30-13.30 u. 14.30-16.30 Uhr | Eintritt 3,50 Euro | www.salineettoreinfersa.com). Hier haben Sie Gelegenheit zur Besichtigung der Salzgärten, eines Museums und einer Mühle, und Sie können Salz kaufen. Davor fahren die Boote nach Mozia ab (9 Uhr bis 2 Std. vor Sonnenuntergang | 4 Euro).

Mozia ist mit Pinien, Palmen und Weingärten bestanden. Die Insel war bis zu ihrer Zerstörung durch die Griechen 397 v. Chr. eine befestigte phönizische Hafenstadt, von der noch beachtliche Reste zu sehen sind. Man kommt zu Fuß in zwei, drei Stunden einmal um die Insel herum. Im Süden sind Becken und Mauern des 2500 Jahre alten Hafens zu sehen, im Norden das Urnengräberfeld mit roh gearbeiteten Grabsteinen, den Tophet, und der Ausgrabungsbezirk Cappiddazzu, ein monumentaler Tempel der Tanit, neben Baal Hauptgottheit Karthagos, das die Insel zum Stützpunkt ausbaute.

In der Villa des englischen Weinmagnaten Joseph Whitaker ist heute das Museum mit Funden aus der punischen Vergangenheit von Mozia und Marsala untergebracht. Sein Glanzstück ist eine lebensgroße Marmorfigur: der Ephebe von Mozia, eine griechische Arbeit aus dem 5. Jh. v. Chr., die einen Jüngling mit reich gefälteltem Gewand darstellt. (Museum und archäologische Zonen tgl. 9-15, März-Sept. bis 19 Uhr | Eintritt 6 Euro). Die Straße nach Marsala folgt weiter der Küste mit Fischersiedlungen und Ferienhäusern.

Weizenfelder und Schwefelminen

Die Region um Caltanissetta war zwischen 1720 und 1920 ein Industriegebiet. Rund 80 Prozent des Schwefels weltweit wurden hier gefördert, als Rohstoff für Schießpulver und die Chemieindustrie war er unentbehrlich. Heute sind die endlosen Hügel- und Bergketten wieder Weizenland, wie sie es in der Antike waren, als Innersizilien die Kornkammer der Römer war. Die Route, für die Sie mindestens einen Tag einplanen sollten, führt in 200 km von Enna, dem „Nabel Siziliens“, über Caltanissetta nach Agrigent, meist auf wenig befahrenen Nebenstraßen.

Die Staatsstraße Nr. 121 führt von Enna in das weite Tal des Fiume Salso. Die Autostrada windet sich hier auf bis zu 10 km langen Brücken durch die Landschaft. In Villarosa gibt es in der Trattoria La Littorina (€) am Bahnhof handfeste Kost.

Das Altstadtviertel des ehemaligen Bergbauzentrums Caltanissetta erinnert mit seinen Marktständen, Garküchen und engen Gassen ein wenig an orientalische Basare. Interessant essen können Sie im Vicolo Duomo (Mo geschl. | Vicolo Niviera 1 | €) in der Altstadt. Zum Übernachten empfiehlt sich das auch in der Altstadt gelegene Hotel Plaza (21 Zi. | Via Gaetani 5 | Tel. 0934583877 | Fax 0934583877 | www.hotelplazacaltanissetta.it | €€).

Über San Cataldo gelangen Sie nach Mussomeli. 2 km vor dem Ort erhebt sich das Castello Manfredonico aus dem 12. Jh. in unangreifbarer Lage auf einer Felsspitze. Von hier oben kann man bei klarem Wetter den größten Teil Siziliens sehen.

Casteltermini und San Biagio sind Kleinstädte am Fuß der wald- und quellenreichen Monti Sicani, in denen Sie einen Abstecher zur Wallfahrtskirche der Santa Rosalia di Quisquina machen können, wo im 12. Jh. die Schutzpatronin Palermos als Einsiedlerin in einer Höhle lebte. Auf dem 1578 m hohen Monte Cammarata genießt man im Rifugio (tgl. | €) bei Pasta, Lamm und Zicklein den Blick zum Ätna und zum Meer.

Von hier fahren Sie weiter nach San Angelo Muxaro, einer Kleinstadt in kühner Lage auf einem Bergplateau. Unterhalb des Orts führt ein markierter Fußweg von der Straße zu Felsgräbern aus vorgriechischer Zeit. Vom ca. 15 km entfernten Aragona aus kommen Sie zu den Vulcanelli di Macalube. Das sind Schlammkrater, die von aufsteigenden Gasen aus dem Erdinneren Blasen schlagen und in der Antike als ein Zugang in die Unterwelt oder als verhexter Platz galten. Information und Führung bietet die Riserva Naturale Macalube (Aragona | Via Salvatore La Rosa | Tel. 0922699210 | Fax 0922699210). Von Aragona sind es auf direktem Weg dann noch 15 km bis nach Agrigent.