Reisetipps Potsdam

Stichworte Potsdam

Der Alte Fritz

Könige und Kaiser hat Potsdam viele gesehen, doch am berühmtesten ist wohl der zynische und im späteren Alter kauzige Friedrich II., der Große, auch der „Alte Fritz“ genannt. Im Sommer stand der König um 5 Uhr auf, im Winter gegen 6 Uhr. Ein Lakai half ihm beim Ankleiden und rasierte ihn. Bis zur Abnahme der Parade um 11 Uhr bearbeitete er Schreiben von Ministern und Behörden. Notierte der König etwas, geschah es meist in fehlerhafter Orthografie, denn Deutsch beherrschte er im Gegensatz zum Französischen schlecht. Nach dem Mittagessen kam ein Vorleser, gegen 19 Uhr begann meist ein kleines Konzert, bei dem der Alte Fritz Flöte spielte, danach folgte das Abendessen mit Gästen. Seine Gemahlin oder gar andere Frauen nahmen daran nicht teil, denn Friedrich II. besaß im Gegensatz zu vielen anderen Monarchen keine Mätresse.

Die Langen Kerls

Mit klingendem Spiel marschierte Potsdams Traditionstruppe schon in vielen Teilen der Welt, um für ihre Stadt zu werben. Schauparaden der Langen Kerls fanden in Paris, Brüssel, Tokio und New York großen Anklang. Beim Schauexerzieren in Potsdam kam es dagegen in der Vergangenheit immer wieder zu Störungen durch die „Kampagne gegen Wehrpflicht“, die die Veranstaltungen als Verherrlichung des preußischen Militarismus kritisiert. Die Garde - nach dem Zusammenbruch der DDR als Traditionsverein wieder auferstanden - hat als Aufnahmebedingung, dass mindestens das Gardemaß von sechs Preußischen Fuß an die Messlatte gebracht werden, also 1,88 m. Mit den hohen Mützen bringen es die Langen Kerls auf etwa 2,40 m. Sie waren die Vorzeigetruppe des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. In aller Herren Länder waren seine Werber unterwegs, um mit List und Tücke überdurchschnittlich große junge Männer nach Potsdam zu holen. Rekordhalter war mit 2,17 m der Ire James Kirkland. Am 22. Juni 1740 präsentierten die „echten“ Langen Kerls zum letzten Mal das Gewehr zu Ehren ihres verstorbenen Königs. Sein Nachfolger löste das Regiment auf.

Havelschwäne

Die Schwäne auf der Havel gehören zum gewohnten Landschaftsbild wie die Weiden am Ufer und die Schiffe auf dem Wasser. Im 18. Jh. wurden sie auf den Havelgewässern wegen ihrer Federn gezüchtet. Damit die Schwäne nicht wegfliegen konnten, amputierte man ihnen einen Flügel. Während der Franzosenzeit 1806-13 und nach den beiden Weltkriegen gab es auf den Havelseen keine Höckerschwäne mehr, erst 1956 tauchten sie wieder auf. Inzwischen sind sie so zahlreich vertreten, dass sie oftmals an Badestellen zur Plage werden. Allerdings: Ohne sie würde in der Landschaft etwas fehlen.

Medienstandort

Mehr als 5000 Menschen sind in der Medienwirtschaft tätig, denn Potsdam gehört zu den modernsten Standorten in Deutschland. Die Tradition begann nach 1911, als Babelsberg mit seinen Filmproduktionen zu Ruhm in Europa gelangte. Waren die Studios bis 1990 ausschließlich ein internationaler Produktionsstandort für den klassischen Kinofilm, so gehört heute eine florierende Multimediabranche dazu. In Babelsberg haben auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg, das Studio Babelsberg der Ufa-Produktionsgruppe sowie das Deutsche Rundfunkarchiv ihren Sitz, der Nachlassverwalter des Programm- und Pressearchivs des DDR-Fernsehens und -Hörfunks. Rund 500 Studenten sind an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ immatrikuliert.

Promistadt Potsdam

Zahlreiche Prominente haben Potsdam zum Wohnsitz gewählt, und die Stadt schmückt sich gern mit deren Namen - auch, weil sie sich für Potsdam engagieren. Fernsehmoderator Günther Jauch beispielsweise stiftete 3 Mio. Euro für das Fortunaportal des Stadtschlosses und der Software-Entwickler Hasso Plattner sogar 20 Mio. Euro für die Wiederherstellung der Fassade des Stadtschlosses. In noblen Villen Potsdams wohnen auch Modedesigner Wolfgang Joop, die Verlegerwitwe Friede Springer, Springer-Chef Mathias Döpfner, der Fernsehjournalist Ulrich Meyer und die Schauspielerin Nadja Uhl.

Statistisches

Potsdam, Hauptstadt des Bundeslands Brandenburg, besitzt rund 148000 Einwohner, die Fläche beträgt 187,3 km². Oberbürgermeister ist Jann Jakobs (SPD), die Linke mit 18 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Höchste Erhebungen sind die Ravensberge mit 116 m, der Telegrafenberg mit 80 m und der Pfingstberg mit 76 m.

Potsdam ist nicht nur eine Stadt der Kultur, sondern auch eine Stadt der Wissenschaft und Forschung. Mehr als 30 wissenschaftliche Einrichtungen sind in der Stadt und ihrem unmittelbaren Umland tätig. Neben den drei Hochschulen haben sich das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik sowie die Forschungsstelle des Alfred-Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung überregionalen Ruf erworben.

Welterbe

Das in Jahrhunderten längs der Havel entstandene Gesamtkunstwerk aus Schlössern und Gärten hat die Unesco auf die Welterbeliste gesetzt. Der Ensemble-Charakter, wie es in der Begründung heißt, ist die Besonderheit dieser Anlagen. Die Parks Sanssouci, Neuer Garten und Babelsberg, Schloss und Park Sacrow mit der Heilandskirche sowie die zu Berlin gehörende Pfaueninsel und Glienicke mit seinen Schlössern wurden 1990 unter den Schutz der Unesco gestellt. Im Jahr 1999 kamen weitere 14 Denkmalbereiche hinzu, darunter die Russische Kolonie Alexandrowka und der Pfingstberg mit dem Belvedere.