Reisetipps Ischia

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Aenaria

Pithecusa (Pithekoussai) hieß die Insel, als die Griechen sie besiedelten. Den Namen Aenaria bekam sie unter den Römern. Der Ursprung dieses Namens wird gern der mythischen Figur des trojanischen Helden Äeneas zugeschrieben, doch geht er eher zurück auf das lateinische Wort aenum, was Bronze bzw. Metall bedeutet. In der Tat gab es auf dem römischen Ischia ein Hafen- und Metallhandwerksstädtchen, seine Reste liegen auf dem Meeresgrund bei den Santa-Anna-Klippen vorm heutigen Ischia Ponte.

Bradyseismische Bewegung

Die Römer mochten Ischia nicht besonders, zwar betrieben sie dort Metallverarbeitung, aber die vulkanisch tätige Insel war ihnen nicht geheuer, zu unruhig. Ein geophysikalisches Phänomen in vulkanischen Gebieten ist der „Bradyseismos“, bei dem sich die Erdkruste ständig hebt und senkt, ein Phänomen, das die gesamte Nordseite des Golfs von Neapel betrifft. Extrem stark tritt es auf dem Festland in Pozzuoli und Baia auf, die direkten Küstensiedlungen der letzten 2000 Jahre sind längst alle unter Wasser versunken. So auch auf Ischia das römische Städtchen Aenaria. Zwar sind es nur 3 mm, die Ischia jährlich absinkt, aber wenn man das auf Jahrtausende kalkuliert ...

Francesco Buonocore

Ischitanischer Arzt, Schüler des berühmten Philosophen Giambattista Vico, Hofarzt, Bauherr des ersten richtigen Hotels und Sanatoriums in Ischia Porto (1735). In der Villa, später Königsresidenz, nun Militär-Thermalbad, kurten damals Adelige, die sich dort unter besseren hygienischen Bedingungen behandeln ließen.

Cava

Bedeutet auf Deutsch: Bruch, Grube. Auf Ischia bezeichnet das Wort wilde, tiefe Schluchten, von der Wassererosion in die Flanken des Monte Epomeo geschnitten. Sie führen Regen- und Quellwasser ins Meer. Besonders bekannt ist die Cava Scura, die „Dunkle“, mit ihrer Heilquelle.

Fango

Durch vulkanische Vorgänge entstandene Tonerde, mit der in Ischia, nach entsprechender Reifezeit in heißem Thermalwasser, die berühmten „therapeutischen Schlammkuren“ gemacht werden (max. 12 cm dick, ca. 47 Grad). Der Fango („Schlamm“) auf Ischia ist radonhaltig - eine Besonderheit. Warme Fangokuren sind eine Labsal: Sie lindern Gelenkschmerzen, entspannen die Muskulatur, lockern das Bindegewebe, fördern die Durchblutung und stärken das Immunsystem. Diese Tonerde war einst auch das Rohmaterial für die Keramikindustrie von Pithecusa.

Flora

Die Pflanzenvielfalt auf Ischia ist enorm - zu jeder Jahreszeit, auch im Winter, blüht und duftet es. Zu der typisch mediterranen Vegetation gehören die fahlrosa- oder gelbfarbene Zistrose, der Erdbeerbaum mit seinen rosaroten Blütenbällchen und scharlachroten Beeren, die Rote Spornblume mit ihren schweren rosaroten Blütendolden. Überall sprießen Oleanderbüsche und zarter Hibiskus in allen Farbschattierungen, an den Häusern und Terrassen klettern Glyzinien, Klematis und Bougainvillea in allen nur erdenklichen Lila- und Rottönen. Man sieht Erika, Rosmarin, Myrte, Mastixbaum, Ölweide, Wolfsmilch, Affodill, Nieswurz, Kornelkirsche. Auf der Südseite gedeiht die Macchia, Agaven und Opuntienkakteen klammern sich an die Felsen, und im April blüht der Ginster goldgelb. Den Eindruck einer immergrünen Insel verstärken Palmen und Bananenstauden sowie die Steineichen- und Pinienwälder. Und an den Felswänden der Schluchten gedeihen seltene Farnsorten; Cyperus polystachys, ein Tropengras, gibt es in ganz Europa nur auf Ischia.

Kirchenboom

Die Zeit der pittoresk dahinwelkenden Kirchen mit abblätternden Fassaden ist auf Ischia vorbei. Wo nicht bereits renoviert wurde, ist man gerade dabei. Den größten Teil der Kosten und der Arbeit tragen die Gläubigen selber. Die Fassaden sind in neuen Pastelltönen gestrichen. Der reiche Barockstuck ist überall auf Hochglanz gebracht. Das war eine Menge Arbeit, denn knapp 60 Kirchen stehen auf der Insel den treuen Seelen offen. Nur zum Nachzählen: zwölf in Ischia, elf in Forio, zehn in Casamicciola, acht in Barano, sechs in Lacco Ameno, fünf in Serrara Fontana, drei in Panza und zwei in Sant'Angelo.

Lilie der Santa Restituta

Schade: Man findet sie nicht mehr in der Bucht von San Montano, die kleinen weißen Blüten der Seelilie (Pancratium maritimum). Nach der schönen Legende der Schutzpatronin Ischias wurde das Boot mit dem unversehrten Körper der heiligen Restituta dort an Land getrieben. Wundersamerweise sollen daraufhin die Lilien erblüht sein. Der Märtyrertod der Jungfrau, vermutlich Schülerin des ebenfalls hingerichteten Bischofs Zyprian, fällt in die Zeit der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian (um 284). Ihr Körper sollte mitsamt dem Boot verbrannt und im Meer versenkt werden. Aus ihrer Kirche in Lacco Ameno wurden die Restituta-Reliquien im 7. Jh. nach Neapel gebracht.

'Ndrezzata und U'Punton

So heißen im Ortsdialekt die beiden Folkloretänze uralter Tradition, die in Buonopane, bei Barano, weiterleben. Die 'Ndrezzata (aus intrecciata, „Verflechtung“) ist eine Art Schwerttanz: Neun Tänzerpaare - nur Männer, alle mit roten Jacken, weißen Kniebundhosen und roter bzw. weißer Zipfelmütze gekleidet, je einen Holzschlegel und -säbel in den Händen - formen zwei konzentrische Kreise. Symbolisch kämpfen sie gegeneinander und bewegen sich in immer schneller werdendem Tempo, angefeuert von Tamburin- und Klarinettenrhythmen. U'Punton wird, ebenfalls mit Stöcken, zu den Klängen von Blasinstrumenten getanzt. Man imitiert dabei das Feststampfen der Dachkuppel - nach der alten Sitte der nachbarlichen Hilfe beim Hausbauen. Beide Tänze sind mit ihren Tanzgruppen für Auftritte sehr gefragt. Man ist stolz auf die Tanzkunst, deren Tradition vom Vater auf den Sohn vererbt wird.

Parracine

So heißen auf Ischitanisch die oft jahrhundertealten, robusten Trockenmauern aus groben Lava- oder Tuffsteinen. Sie säumen Hohlwege, stützen Weinbergterrassen oder bilden die Begrenzung von Grundstücken. Mit Pflanzen bewachsen, stellen sie eine bemerkenswerte Einheit von Form und Funktion, von menschlichem Schaffen und Natur dar.

I Pilastri

„Pfeiler“ (Pilaster) nennt der Volksmund die Aquäduktreste bei San Antuono an der Straße von Ischia Porto nach Barano. Sie sind nicht römischen Ursprungs, wie oft behauptet wird, sondern stammen aus dem 17. Jh.

Quellen der Gesundheit

In Europa ist Ischia das Gebiet mit den meisten Mineralquellen. Aus den Thermalquellen sprudelt zwischen 20 und 99 Grad warmes Wasser. Nicht weniger als 103 Quellen entspringen den 29 sogenannten hydrothermalen Becken. Außerdem gibt es 69 campi („Felder“) mit Fumarolen, also Stellen, an denen heiße Wasserdämpfe ausströmen. Die Thermalkuren auf Ischia helfen vor allem bei rheumatischen Entzündungen und Arthrose, bei der Wiederaktivierung der Gelenke in Folge von Unfällen oder Sportverletzungen. Auch gynäkologische Probleme und Entzündungen im Unterleib werden mit Thermalwasserspülungen erfolgreich behandelt. Die Inhalation der Dämpfe lindert Erkrankungen der Atemwege. Obwohl Griechen und Römer die Thermen von Ischia schon genutzt hatten, waren sie viele Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Ein genialer Arzt aus Neapel, Giulio Iasolino, schrieb 1588 eine Abhandlung über die Heilquellen auf Ischia, die die Insel schlagartig bekannt machte und die heute noch wissenschaftliche Gültigkeit hat.

Radon

Ein Edelgas mit Heilwirkung, das durch natürliche Radioaktivität entsteht. Der Name stammt von der Nobelpreisträgerin Marie Curie. Sie machte ihre Entdeckung 1917/18 in den Thermen von Lacco Ameno und bestätigte damit die Bedeutung ischitanischen Heilwassers.

Wasserversorgung

1958 wurden zwei Rohrleitungen auf dem Meeresboden installiert, die vom Festland Trinkwasser auf die Insel bringen. Es war höchste Zeit, die Zisternenwirtschaft abzulösen. Flüsse gibt es keine auf Ischia. Das trinkbare Quellwasser reicht bei Weitem nicht. Auf die Bedeutung der Anlage weisen die Gedenktafel an der Ponte Aragonese und der Springbrunnen bei der Kirche Spirito Santo in Ischia-Stadt hin. Den Brunnen schuf der bekannteste Bildhauer Ischias, Antonio Mascolo, ein Freund des chilenischen Dichters und Nobelpreisträgers Pablo Neruda.