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Reiseführer Malta:Stichworte

Malta im Wandel: vom Leben mit Meerwasserentsalzung, Rittern und Megalithkultur

Busse

Bis zum Sommer 2011 wurden auf Malta über 500 Oldtimer-Busse im Linienverkehr eingesetzt. Sie waren zwar fotogen, aber wenig umweltfreundlich. Seither besitzt der britische Arriva-Konzern, eine 100-prozentige Tochter der Deutsche Bahn AG, auf 10 Jahre das Monopol für den Linienbusverkehr. Sogar Gelenkbusse kommen jetzt auf den Hauptrouten zum Einsatz.

Der gesamte Fuhrpark umfasst 264 klimatisierte Busse, die umwelttechnisch dem Euro-5-Standard entsprechen. Die Umstruktierung soll auch die Anzahl der Passagiere wieder erhöhen, die sich in den letzten 30 Jahren halbiert hatte. Streckenführung, Fahrplan und Online-Tickets unter www.arriva.com.mt .

Fauna & Flora

Die Tierwelt auf Malta und Gozo ist ausgesprochen artenarm. Es gibt weder giftige noch gefährliche Tiere – die größten frei lebenden Säugetiere der Inseln sind Kaninchen und Igel. Häufig zu sehen sind Eidechsen, Mauergeckos sowie diverse Zugvögel. Nur etwa ein Dutzend Vogelarten lebt ständig hier, darunter Maltas Nationalvogel, die blau gefiederte Blaumerle.

Die Landschaft wird weitgehend geprägt durch Garigue. In ihr gedeihen Thymian und Rosmarin, Heidekraut und der Mastixstrauch, Wolfsmilch- und Zwiebelgewächse. Im Frühjahr blühen Feldblumen wie der Klatschmohn. Die früher großen Olivenhaine mussten unter britischer Herrschaft Baumwollplantagen Platz machen, die jedoch inzwischen längst aufgegeben wurden. Jetzt pflanzen die Bauern wieder vermehrt Olivenbäume an. Gelegentlich finden Sie auch Johannisbrotbäume. Die Aleppokiefern führten erst die Johanniter ein, später kamen Agaven, Kaktusfeigen, Oleander und Eukalyptusbäume hinzu. Auch Urlauber können sich an der Wiederaufforstung Maltas beteiligen und Baumpatenschaften übernehmen ( www.projectgaia.org ). Im Norden Maltas werden heute auch Tomaten, Zwiebeln, Kürbisse, etwas Getreide und viele Kartoffeln angebaut. Wein wächst vor allem in der Gegend um Mdina und Rabat, Orangen gedeihen in den Buskett Gardens.

Inquisition

Die Inquisition, im 12. Jh. zur Auffindung und Bestrafung von Ketzern eingesetzt, wurde im Mittelalter oft missbraucht. In Spanien diente sie dem Königshaus zur Beugung des Adels, in Deutschland führte sie seit 1484 zahlreiche Hexenprozesse, die für die Opfer meist den Feuertod bedeuteten. Aus Malta sind solche Fälle kaum bekannt. Hier hatten die Inquisitoren vor allem die Aufgabe, die Interessen des Papstes beim Großmeister des Ritterordens zu vertreten, außerdem oblag ihnen die Vergabe der kirchlichen Druckerlaubnis.

Karrenspuren

In den rätselhaften Karrenspuren wie an der Clapham Junction wurden vor rund 3500 Jahren nach Ansicht mancher Archäologen auf hölzernen, etwa 2,40 m langen Schleifkarren bis zu 90 kg schwere Steine transportiert. Versuche haben ergeben, dass sie leicht von zwei Menschen zu ziehen waren. Mit den Steinen haben die Malteser der Bronzezeit wahrscheinlich wehrhafte Dörfer und Vorratssilos auf Hügelkuppen errichtet.

Luzzu & Dghajsa

Luzzi heißen die typischen, farbenfroh und fotogen in Rot, Blau und Gelb gestrichelten Fischerboote der Malteser, die vor allem im Sommer in nahezu allen Buchten zahlreich vertäut sind. Ihren Bug ziert auf beiden Seiten ein aufgesetztes Auge, das der altägyptischen oder phönizischen Mythologie entstammt, Böses abwehren, Wachsamkeit signalisieren und Glück bringen soll. Etwas größer als das luzzu ist die ganz ähnliche dhajsa. Beide Bootstypen haben zwar Mast und Segel, werden jedoch traditionell meist gerudert und inzwischen auch häufig von Motoren angetrieben.

Malta-music

Der alljährliche Eurovision Song Contest ist für die meisten Malteser das musikalische Großereignis des Jahres. Schon die nationalen Vorentscheidungen erlangen höchste Aufmerksamkeit, zur Fernsehübertragung von Halbfinale und Finale versammeln sich Menschenmassen zum Public Viewing auf öffentlichen Plätzen, in Parteilokalen und Diskos.

Von einer äußerst lebendigen maltesischen Pop- und Rock-Musikszene zeugt am besten der jährlich im Winter veranstaltete Malta Music Award, bei dem 19 Preise vergeben werden, u. a. in den Rubriken Hip-Hop und Heavy Metal ( www.mmm.com.mt ). Den ganzen Sommer über sind maltesische Bands in den vielen Clubs von St. Julian's und Paceville sowie in den großen Freiluft-Diskos von Rabat zu hören. Höhepunkt ist dabei die Malta Music Week im Juni, die im Isle-of-MTV-Konzert auf dem Il Fosso Square von Floriana endet, das später weltweit live im Netz des Musiksenders ausgestrahlt wird ( www.isleofmtv.com ).

Am anderen Ende der Kulturskala stehen die beiden Opernfestspiele der Inseln. Das eine findet im Manoel Theatre in Valletta, das andere in Rabat auf Gozo statt.

Meerwasserentsalzung

Angesichts der kahlen Landschaft und der Verstädterung stellt sich die Frage, womit die kleine Insel Malta ihren großen Trinkwasserbedarf deckt. Sie holt ihn sich zur Hälfte aus dem Meer. In drei modernen Anlagen, Reverse Osmosis Plants genannt, wird gereinigtes Meerwasser unter hohem Druck durch haarfeine Kunststoffmembranen gepresst, die für Salzkristalle jedoch nicht passierbar sind. Den übrigen Wasserbedarf kann Malta mit Brunnenbohrungen ins Grundwasser hinein decken, die langfristig jedoch zu einer gefährlichen Absenkung des Grundwasserspiegels führen werden – immerhin handelt es sich um etwa 15 Mio. Kubikmeter jährlich.

Megalithkultur

Weltweit einzigartig sind die steinernen Tempel aus der Jungsteinzeit. Ihre Erbauer gehörten einem rätselhaften Volk an, das vor etwa 6000 Jahren nach Malta übersetzte und sich mit der Urbevölkerung mischte. Im Lauf von etwa 1500 Jahren trugen sie an rund 40 Stellen gewaltige Steinblöcke zusammen. Das einzige uns bekannte Hilfsmittel, das sie dabei benutzten, waren Steinkugeln, auf denen sie die Kolosse rollten. Hier das nötige Rüstzeug zum Verständnis von Tempelbeschreibungen: Der Begriff Megalith leitet sich von den griechischen Wörtern megas (groß) und lithos (Stein) ab. Es gab große Steine (Monolithen), Konstruktionen aus zwei senkrechten Steinen, über die horizonal ein dritter Stein gelegt wurde (Trilithen) und einzelne, aufrecht stehende Steine (Orthostaten).

Ökologische Ansätze

Bisher werden erst einige wenige Felder, Äcker und Gärten auf Malta und Gozo für ökologischen Landbau genutzt. Eine Vorreiterrolle spielen dabei die Gaia Foundation ( www.projectgaia.org ), die auch das erste Bio-Olivenöl der Insel produziert, sowie die seit 1999 bestehende Malta Organic Agriculture Movement ( www.moam.org.mt ). Entsprechend gibt es bereits einige Öko-Läden und -Restaurants, die jedoch ohne die Unterstützung der in Malta lebenden Ausländer kaum existenzfähig wären.

Ritter

Der „Ritterliche Orden des Heiligen Johannes vom Spital in Jerusalem“, kurz Johanniter- und später Malteserorden genannt, wurde 1099 nach der Eroberung Jerusalems von den Teilnehmern am Ersten Kreuzzug gegründet. Ordensritter konnten nur Adlige werden, die zunächst eine zweijährige Probezeit als Novizen absolvierten, je zur Hälfte in der Krankenpflege und als Kämpfer auf einer Galeere. Der Orden war in mehrere Landsmannschaften, die sogenannten „Zungen“, unterteilt. So hatte der anführende Pilier der deutschen Zunge die Oberaufsicht über alle Festungsbauten, der Pilier der französischen Zunge leitete den Krankenpflegedienst, und derjenige der italienischen Zunge war der Admiral der Ordensflotte. Oberstes Leitungsgremium des Ordens bildete der „Rat der Sechzehn“, der aus den Piliers der Zungen, dem Prior der Ordenskirche und den obersten Verwaltungsbeamten der Zungen bestand. Der Großmeister des Ordens wurde jeweils auf Lebenszeit von einem Wahlmännergremium gewählt. Ihm schuldeten alle Ritter unbedingten Gehorsam. Er vertrat auch wie ein Landesfürst den Orden nach außen.

Um eine derartige Organisation zu finanzieren, schreckten die Ritter nicht davor zurück, auf Kaperfahrt zu gehen, wenn gerade die Schenkungen europäischer Fürstenhäuser und die Einkünfte, die aus der Nutzung der Besitztümer überall in Europa erzielt wurden, nicht ausreichten.

Steinbrüche

Fast ganz Malta besteht aus Kalkstein mit eingelagerten Schichten aus Ton und Mergel. Es gibt zwei Arten von Kalkstein: Korallenkalk und Globigerinenkalk. Globigerinen sind uralte, auch heute noch vorkommende, bis zu 5 cm große Meerestiere mit einer kalkhaltigen Hülle, welche nach dem Tod der Tiere auf den Meeresboden absinkt. Über Jahrhunderttausende bildeten sie den Kalkstein, der heute auf Malta das wichtigste Baumaterial darstellt. Er ist leicht abzubauen und wird unter Sonneneinstrahlung hart.

Nur Fassaden in Seenähe sind auf Malta häufig aus dem sehr viel schwerer zu verarbeitenden Korallenkalk hergestellt. Beide Steinarten werden im Tagebau gewonnen. Vor allem in Zentralmalta finden Sie daher tiefe Gruben, auf deren Grund der Kalkstein gelöst und zerschnitten wird.

Turmuhren

Maltas Kirchturmuhren sind unzuverlässig. Teils sind sie nur aufgemalt, häufig gehen sie völlig falsch. Hat eine Kirche zwei Türme und damit auch zwei Kirchturmuhren, gibt meist nur eine die richtige Zeit an. Mit all den gar nicht oder falsch gehenden Uhren wollen die Malteser den Teufel verwirren, damit er nicht rechtzeitig zur heiligen Messe erscheinen und die Gläubigen ablenken kann.

Umweltschutz

Ein Umweltbewusstsein erwacht in Malta erst langsam, unterstützt von zahlreichen EU-Vorgaben, an die sich das Land halten muss. Immerhin gibt es zumindest eine Müllverwertungsanlage, in der die in grauen Plastiksäcken gesammelten Wertstoffe dem Recycling zugeführt werden können. Für den zahlreich anfallenden Bauschutt sind die außer Betrieb genommenen Steinbrüche ein idealer Aufnahmeplatz. Über 80 Prozent der Abwässer Maltas werden bereits drei öffentlichen Kläranlagen und kleineren Anlagen einiger Hotels zugeführt, bis Ende des Jahrzehnts soll die Quote endlich 100 Prozent erreichen.

Zur Stromerzeugung wird bisher fast ausschließlich Erdöl verwendet. Spätestens 2013 soll Malta durch eine Unterwasserleitung nach Sizilien mit dem europäischen Stromnetz verbunden werden. Und bis 2020 will Malta zumindest 10 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen decken, vor allem aus Photovoltaikanlagen.

Vogeljagd

Die Jagd auf Zugvögel mit Schusswaffen und Fangnetzen war bisher ein maltesischer Volkssport. In der Vergangenheit sind über 16 000 Vogeljäger dieser grausamen Freizeitbeschäftigung nachgegangen. Noch immer sieht man überall in der Landschaft steinerne Unterstände für Schützen und Steinhaufen für die Käfige der Lockvögel.

Maltas EU-Beitritt und die gute Arbeit von Birdlife Malta ( www.birdlifemalta.org ) haben vieles verändert. Das Fallenstellen ist ebenso wie die Frühjahrsjagd verboten, die Herbstjagd nur noch auf 32 der insgesamt bis zu 384 Malta besuchenden Zugvogelarten beschränkt. Trotzdem jagen viele Malteser illegal weiter, schießen vor allem Greifvögel und Reiher als Trophäe für ihre heimische Präparatesammlung.

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Der Bremer Reisejournalist Klaus Bötig kennt die Inselrepublik Malta seit 1978. Ihn fasziniert das ländliche Gozo mit seinen stillen Dörfern und prähistorischer Tempelarchitektur ebenso wie das eher städtische Malta. Besonders aber schätzt er die maltesische Küche. Klaus Bötig schreibt, außer über Malta, vor allem über Griechenland, Zypern und norddeutsche Regionen zwischen Ems und Oder.

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Quelle: www.marcopolo.de