Von Hans-Jürgen Jakobs

Wachwesel in einem der größten deutschen Verlage: Stefan von Holtzbrinck übernimmt vom scheidenden Manager Michael Grabner das Zeitungsgeschäft - und redet erstmals über "Gruscheln".

Stefan von Holtzbrinck: "Man muss auch am Fluss sitzen und warten können." (Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr Holtzbrinck, jahrzehntelang wurde die Holtzbrinck-Gruppe von Ihrem Bruder Dieter geführt. Im vorigen Jahr stieg er überraschend als Gesellschafter aus, nun geht auch der langjährige Spitzenmanager Michael Grabner, der für Zeitungen zuständig war. Deutet das auf einen grundlegenden Strategiewechsel hin?

Stefan von Holtzbrinck: Nein. Es bleiben ja immerhin 40 Jahre Erfahrung in der Verlagsgeschäftsführung an Bord. Die Unternehmensentwicklung ist immer mit großer Konstanz betrieben und nur behutsam fortgeschrieben worden, daran ändert sich nichts.

sueddeutsche.de: Ihr Stellvertreter Grabner ist mit 58 Jahren etwas jung für die Rente. Geht hier ein wichtiger Vertreter der alten Verleger-Ära, bevor das digitale Zeitalter voll hereinbricht?

Holtzbrinck: Ich bin kein Vertreter des Jugendwahns. Wir haben in den sechs Jahren, in denen ich das Unternehmen führe, den überwiegenden Teil in die, wenn Sie so wollen, älteren, klassischen Medien investiert, nicht ins Internet. Das bleibt auch in diesem Jahr so und zwar zu Recht: Insgesamt ist zum Beispiel die Auflage aller unserer Zeitungen über die letzten Jahre ja recht stabil geblieben.

sueddeutsche.de: Den Geschäftsbereich Wirtschaftsinformationen übernimmt Finanzchef Jochen Gutbrod. Was soll er beim "Handelsblatt" bewegen?

Holtzbrinck: Herr Gutbrod ist bereits in unserer Internet-Holding Holtzbrinck Digital unternehmerisch tätig - beim "Handelsblatt" soll die Online-Kompetenz gestärkt werden.

sueddeutsche.de: Das Zeitungsgeschäft wiederum übernehmen Sie persönlich. Was sind ihre Ziele? Wollen Sie wie bisher weitere Zeitungen kaufen?

Holtzbrinck: Wir waren auch zuletzt bei möglichen Transaktionen mit im Rennen, wobei Zeitungen in angrenzenden Gebieten unserer Häuser die interessanteren waren. Die Presse-Landschaft wird sich meines Erachtens weiter konsolidieren. Was die kartellrechtssorgenfreien Ziele im Übrigen angeht, ist das Wichtigste, die hohe Redaktionsqualität zu erhalten. Sie ist unser wesentlicher Vorteil gegenüber Google und den anderen Medien.

sueddeutsche.de: Warum kommt es jetzt zu dem Führungswechsel?

Michael Grabner: Zum einen ist das Zusammenspiel zwischen Print und Online noch druckvoller geworden, zum anderen ergeben sich in Wien für mich neue Möglichkeiten. Dazu gehört, dass ich nach einer kreativen Pause das ein oder andere Projekt selbstständig machen kann, sowie im Gesellschafterausschuss des größten österreichischen Verlagskonzerns Mediaprint aktiv bin. Mit Stefan von Holtzbrinck habe ich mich mit Blick auf die Zukunft sehr gut verständigt.

Holtzbrinck: Es ist kein abrupter Ausstieg. Michael Grabner wird über das Frühjahr hinaus beratend für uns tätig sein. Darüber hinaus können wir uns weitere gemeinsame Aktivitäten sehr gut vorstellen.

sueddeutsche.de: Der ausscheidende Spitzenmanager Grabner hat oft über die "innovationsresistente Medienbranche" geklagt - es gäbe schon "einen Aufstand, wenn mal jemand eine Schachecke in die Zeitung einstellt". Gilt das noch?

Holtzbrinck: Inzwischen gibt es ja bereits überall Sudoku-Ecken...Die nicht einfachen Jahre 2001 und 2002 haben bei vielen in der Branche zum Umdenken und größerem Innovationsmut geführt - die Zeit des entspannten Nicht-Veränderns hat ihr Ende.

sueddeutsche.de: Die Verleger waren skeptisch wegen des Gratismediums Internet: Sie fürchteten um Vertriebseinnahmen und Werbeaufträge.

Holtzbrinck: Die Kannibalisierungsängste haben oft dazu geführt, nichts zu unternehmen...

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