Reisetipps Schwäbische Alb

Stichworte Schwäbische Alb

Alb

Für die Schwaben gibt es nur eine Alb, und das ist die Schwäbische - auch wenn sie geologisch gesehen nur das Verbindungsstück zwischen Fränkischem und Schweizer Jura bildet. Woher der Name Alb kommt, darüber zerbrechen sich die Sprachforscher noch den Kopf, zur Erklärung ziehen sie aber gern indogermanische und keltische Wortstämme heran: Alb käme danach von alpis, was Weide oder „nährender Berg“ heißen soll. Über die Alb ist vieles geschrieben worden. Mancher Beiname, mit dem sie im Lauf der Jahrhunderte belegt wurde, klingt wenig schmeichelhaft, wie „des Teufels Hirnschale“ oder ein „steinigs ruches Land“. Andere jubilieren in den höchsten Tönen, wie Eduard Mörike angesichts des Ausblicks von der Burg Teck: „Mag da drunten jedermann/Seine Grillen haben./Wer sich hier nicht freuen kann,/Lasse sich begraben.“

Blaugras und Silberdistel

Wenn Sie sich für Botanik interessieren, werden Sie Ihren Blick kaum vom Boden losreißen können, so spannend ist die Flora der Alb: Auf den Felsköpfen am Abgrund wachsen alpine Pflanzen wie Blaugras und Immergrünes Felsenblümchen, auf den Magerwiesen der Berggipfel entdecken Sie ab März die zart behaarten Küchenschellen. Im Juni blühen Orchideen, denen es auf der Alb so gut gefällt, weil sich die Böden rasch erwärmen: Knabenkraut, Fliegen- und Hummelragwurz stehen unter Naturschutz, ebenso die Symbolblume der Alb, die Silberdistel, die wie eine weiße Stachelsonne aus dem grünen Gras leuchtet.

Eine Freude für Ästheten sind die einmähdigen (nur eine Ernte im Jahr liefernden) Wiesen im Irndorfer Hardt bei Irndorf nördlich von Beuron. Man fühlt sich fast wie in einem englischen Park: ausladende Buchen, Fichten und Moorbirken, von denen Bartflechten (Usnea filipendula) herabhängen - eine Pflanze, die übrigens nur dort wächst, wo die Luft noch sauber ist.

Am Boden blühen Gelber Enzian, Moorklee und die heilkräftige Arnika. Der typische Baum der Alb ist die Buche. Sie würde sofort alle freien Flächen an sich reißen, wenn man sie nur ließe.

Blumen statt Panzer

100 Jahre lang zogen Soldaten im Gleichschritt durch Münsingen auf der Mittleren Alb. Doch seit 2004 ist Schluss mit Strammstehen, denn die Bundeswehr löste den Standort auf. Geblieben sind 6700 ha Fläche, eine der größten zusammenhängenden Freilandflächen des Landes Baden-Württemberg. Hier leben seltene Vögel wie Steinschmätzer, Heidelerche und Neuntöter, und der Gebirgsgrashüpfer kommt auf der ganzen Alb nur noch hier vor. Gereinigt von sämtlichen Kampfstoffen, sind die Wege nun fürs Publikum freigegeben. Besonders Radfahrer und Inlineskater haben ihre Freude an den insgesamt 45 km langen Asphalttrassen, über die früher die Panzer rollten. Aber auch Wanderer lieben das Gebiet. Ein Erlebnis ist eine Tour mit den „TrÜP-Guides“, ausgebildeten Führern, die rund um Geschichte und Natur des Truppenübungsplatzes (TrÜP) informieren. Hausherren sind indes rund 13000 Schafe, die nach wie vor über die Heideflächen ziehen - Alb pur!

Erdbeben

In keinem anderen Gebiet Deutschlands bebt die Erde so häufig und so heftig wie zwischen Hechingen und Albstadt-Ebingen. Immer finden die Beben in rund 6 m Tiefe statt, und zeichnet man die Zentren auf, liegen sie ziemlich genau auf einer Nord-Süd-Linie. 1911 erschütterte das erste schwere Beben die Region, am 16. August 2007 wurde das bislang letzte registriert. Bis 2008 zählten die Geologen exakt 171 Erdbeben mit einer Stärke über 4 auf der Richterskala, 30 davon erreichten Stärkegrade von 6 bis 8. Da fallen Bilder von der Wand, und die Häuser bekommen Risse, aber Menschen sind noch nie zu Schaden gekommen. Die Erdbeben sind Resultat des größten „Auffahrunfalls“ der Geschichte, bei dem die afrikanische Kontinentalplatte gegen die europäische prallt. Ergebnis: Die Alpen falten sich immer weiter auf, und bei Hechingen wackeln die Wände. Warum aber ausgerechnet das Gebiet rund um die Zollernburg eine solch auffallende Schwächezone darstellt, wissen die Erdbebenforscher noch nicht.

Fasnet

Mit Karneval hat, vom Datum abgesehen, die schwäbisch-alemannische Fasnet nichts zu tun. Wenn hier der alte Brauch des Winteraustreibens zelebriert wird, dann gleicht das dem Tanz auf einem brodelnden Vulkan. An Dreikönig beginnt die fünfte Jahreszeit, und spätestens ab dem „Schmotzigen Doorschtig“ (Donnerstag vor Fastnacht) sind überall die Teufel los (Vorsicht: Krawatten gelten an diesem Tag als begehrte Trophäen!). Fast jedes Dorf und jede Stadt hat eigene Fasnetsfiguren und Zünfte, manche sogar mehrere. In Schömberg fegen die Fuchswadel, Harzer und Fransennarren durch die Straßen, Dotternhausen steuert die Mondstupfer bei, es gibt Schreier und Hexen und viele andere mehr. So manches „Häs“, wie die farbenfrohen Kostüme heißen, hängt voller Schellen, von den wilden Masken flattern Fellfetzen, Federn und bunte Bänder.

Wenn Sie auf einen Umzug gehen, zum Beispiel den größten von allen am Fasnetssonntag in Rottenburg, dann lassen Sie Ihre gute Hose im Schrank. Oft geht es derb zu, dann kreist die „Saubloder“ tief über den Köpfen der Zuschauer, Vermummte kitzeln Kinder und bewerfen junge Frauen mit Stroh. Dazu spielen die Lumpenkapellen ihren fröhlichen Krach, der zu einer eigenen Stilrichtung geworden ist und beim Guggenmusikerfest in Schwäbisch Gmünd wild gefeiert wird. Sein Ende findet das Treiben am Fasnetsdienstag, wenn die Narren bei Einbruch der Nacht unter Gejammer und Geheul eine Strohpuppe verbrennen.

Rulaman

Es heißt, jeder Bauer auf der Alb besitze zwei Bücher: die Bibel und den „Rulaman“. Seit David Friedrich Weinlands Bestseller 1875 erschien, begeisterte er Generationen von Jugendlichen für die Steinzeit und die Alb. Manche ziehen mit dem Buch in der Hand zu den Schauplätzen: auf den Hohenneuffen, den „Nufa-Berg“, zum „Walba-See“ (Blautopf) oder ins Ermstal zur Schillerhöhle: In dieser „Tulka-Höhle“ ließ Weinland seinen Rulaman mit den „Aimats“ wohnen und die Alte Parre - halb Ahnfrau, halb Hexe - ihre düsteren Orakel murmeln. Schluchten und Berge der Alb verwandeln sich in den Schauplatz atemberaubender Kämpfe mit „Burrias“ und Höhlenbären. Weinland flocht die archäologischen Erkenntnisse seiner Zeit geschickt in die Geschichte ein. Heute ist vieles davon überholt, doch eine packendere Alb-Lektüre ist kaum denkbar.

Schafe

Ohne Schafe sähe die Schwäbische Alb anders aus. Denn Wacholderheiden entstehen nur dort, wo Schafe weiden. Sie fressen alles ratzekahl ab, außer Wacholder und Kratzdisteln - beide pieksen ihnen zu sehr. Ziehen die Schafe ab, bleibt ein ökologisches Schatzkästlein, ein Kalkmagerrasen, zurück. Doch immer weniger Wanderschäfer ziehen mit ihren Herden umher. In der von Straßen zerschnittenen Landschaft ist das Wandern schwierig geworden. Manche Gemeinden verbieten es, im Naturschutzgebiet die so wichtigen Pferche für den Winter zu bauen. Heute gibt es nur noch 240 hauptberufliche Schäfer. An Wolle oder Fellen ist nichts zu verdienen, Gewinne bringt nur das Lammfleisch. Deshalb bemühen sich Schäfer, Naturschützer und Gemeinden, den Verkauf von Lammfleisch zu unterstützen. Denn letztlich dient das dem Erhalt der wertvollsten Biotope auf der Alb. Seit Neuestem wird auch versucht, mit Pflegeverträgen nebenberufliche Schäfer zu gewinnen. Das funktioniert gar nicht schlecht, und die Zahl der Schafe stieg in Baden-Württemberg wieder leicht an. Derzeit blöken hier wieder 200000 Tiere.

Wasser

Wo immer Wasser auf die kalkigen Gesteine der Alb fällt, rieselt es zügig durch. Den Albbewohnern hat dieses Karstphänomen früher schwer zu schaffen gemacht, heute sorgt die Albwasserversorgung für Nachschub in beliebiger Menge. Geblieben sind einige spannende Phänomene, wie zum Beispiel die Hungerbrunnen. Denn das Wasser ist nicht einfach weg, sondern sammelt sich im Bauch der Alb wie in einem gigantischen Fass. Steigt der Karstwasserspiegel, beginnen die Hungerbrunnen (wie der bei Gerstetten, östlich von Geislingen) plötzlich wieder zu sprudeln. Kein gutes Vorzeichen, dachten die Menschen früher. Heute warten viele gespannt, bis Leben in den kreisrunden Quelltopf kommt. Selbst die Donau hat gegen den Karst keine Chance: Zwischen Immendingen und Fridingen ist der Untergrund so porös, dass das Donauwasser versickert und erst im 12 km entfernten Aachtopf wieder aus dem Boden quillt.

Widerstand

Im Dritten Reich als Verräter ermordet, heute als Widerstandskämpfer gefeiert: Georg Elser (1903-45) - geboren in Königsbronn, wo die Brenz entspringt - versuchte 1939, Hitler mit einer selbst gebastelten Bombe ins Jenseits zu sprengen. Der Anschlag im Münchner Bürgerbräukeller schlug fehl, Hitler kam davon, Elser ins KZ. In Königsbronn erinnert eine Gedächtnisstätte an diesen couragierten Mann, der den Krieg mit allen Mitteln verhindern wollte. Wurzeln auf der Alb, in Albstadt-Lautlingen, haben auch die Stauffenbergs. Die Bombe, die Claus Graf von Stauffenberg unter Hitlers Arbeitstisch deponierte, ging hoch, doch Hitler überlebte und ließ die Attentäter des 20. Juli 1944 hinrichten. Dasselbe Schicksal ereilte 1943 die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die in Ulm aufgewachsen waren und mit der Münchner Gruppe „Weiße Rose“ Widerstand gegen Hitler leisteten. 1983 wurde die Alb selbst zum Schauplatz von Widerstandskämpfen: Als die Amerikaner in Mutlangen bei Schwäbisch Gmünd die ersten Pershing-II-Raketen stationierten, entfesselte das einen Sturm der Empörung. Und die Sitzblockaden am Zaun von Mutlangen schweißten die deutsche Friedensbewegung fest zusammen.