Reisetipps Athen

Highlights Athen

Region: Rund um Likavittós und Ardittós

Benáki-Museum

Obwohl das Museum auch einige Objekte aus der Antike, dem koptischen Ägypten, der byzantinischen Zeit sowie der islamischen und chinesischen Kunst besitzt, ist es doch hauptsächlich der Kunst, dem Kunsthandwerk und der Geschichte der nachbyzantinischen Zeit gewidmet. Die meisten seiner Exponate stammen demnach aus der Zeit zwischen 1453 und etwa 1900.

Unter den Objekten aus der Antike ragen zwei einfache, 5000 Jahre alte goldene Vasen heraus. Sehr beeindruckend ist das fast fotografisch genaue Mumienporträt eines jungen Mannes, entstanden im 3. Jh. in der ägyptischen Oase Fayum.

In einem Saal kann man zwei Bilder des aus Kreta stammenden Malers El Greco miteinander vergleichen. Das eine ist noch eine wahre Ikone, die den Evangelisten Johannes beim Porträtieren der Madonna mit dem Kind zeigt. Das andere ist eine Darstellung der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige, die schon ganz von der westlichen Malerei geprägt ist. In den oberen Etagen zeigen zahlreiche Aquarelle, Ölgemälde und andere Arbeiten ausländischer Künstler Szenen aus der jüngeren griechischen Geschichte sowie Stadtansichten, Landschaften und einfache Leute aus dem 18. und 19. Jh.

Am interessantesten in diesem Museum sind die volkskundlichen Sammlungen. Hier sind hervorragende Stickereien und Webarbeiten namenloser Frauen ausgestellt, Dinge, die heute unbezahlbar wären. Man findet Trachten aus den meisten Regionen Griechenlands, naiv bemalte Truhen, Keramik und Erzeugnisse begabter Holzschnitzer. Am allerschönsten sind aber wohl der goldene, mit Emaille und echten Perlen besetzte Anhänger in Form eines Dreimasters unter vollen Segeln von der Insel Pátmos und sehr ähnliche goldene Ohrringe von der Insel Sífnos - alles Werke des 17. Jhs. | Mo, Mi, Fr, Sa 9-17 Uhr, Do 9-24 Uhr, So 9-15 Uhr | Leofóros Vasilíssis Sofías, Ecke Odós Koumbári | www.benaki.gr

Likavittós

Der 277 m hohe Kalksteinfelsen beherrscht mehr noch als der Akrópolishügel das Bild Athens. Er erhebt sich über das Häusermeer mit einem grünen Gartenkragen, aus dem ein kahler Felskopf herausragt. Angenehme Spazierwege und eine Stand-seilbahn im Innern des Berges führen zum Gipfel, auf dem eine kleine, um 1990 neu im traditionellen byzantinischen Stil ausgemalte Kapelle dem heiligen Georg geweiht ist. An den seltenen klaren Tagen kann man von hier aus nicht nur die Athen umgebenden Berge, sondern auch die Insel Ägina und die Gipfel des Peloponnes erkennen; auch der Sonnenuntergang ist von hier aus ein Erlebnis. Standseilbahn tgl. 9-3 Uhr (Do ab 10.30 Uhr) | Talstation am oberen Ende der Odós Plutárchou, Bus 60 ab Kolonáki-Platz bis „4H Lykavittós“

Museum für kykladische Kunst

Die frühkykladische Kunst wirkt - obwohl 4000-5200 Jahre alt - ausgesprochen modern. Sie entstand u.a. auf Náxos, Mílos, Síros, Amorgós. Am interessantesten sind die Idole aus weißem Marmor. Sie wurden mit Bronzesägen aus den harten Marmorblöcken geschnitten und mit Korund modelliert. Anfangs stellten sie - stark stilisiert und mit phallusförmigem Hals - die Große Göttliche Mutter, die Gebärerin allen Lebens, dar. Später traten Musikanten hinzu, die zum Gefolge der Göttin gehören, und gegen Mitte des 3. Jts. v. Chr. tauchten dann erste Kriegerfiguren auf. Ab 2000 v. Chr. gerieten die Inseln unter minoischen Einfluss aus Kreta, später unter den Einfluss Mykenes. Die Kykladen-Kultur endete um 1100 v. Chr.

In diesem privaten, modernen Museum sind insgesamt 230 kykladische Objekte ausgestellt. Der kleine Museumsladen verkauft ausgesprochen gute Kopien, die zum Teil sogar als Schmuck gestaltet wurden. Mousío Kikladikó kai archaías technís | Odós Neofítou Doúka 4 | Mo, Mi, Fr 10-16, Do 10-20, Sa 10-15 Uhr | www.cycladic-m.gr

Nationalgarten

Mitten im Großstadttrubel Athens liegt eine Oase der Ruhe und Entspannung: der Nationalgarten. Im Schatten hoher Palmen und vieler alter Bäume kann man hier Athener Volksleben genießen. An einem kleinen Teich werden Enten gefüttert und mit Sesam bestreute Brotkringel verkauft. Es gibt einen großen Kinderspielplatz und das nette Kaffeehaus O Kípos. Ethnikós Kípos, Haupteingang am Leofóros Amalías nahe dem Síntagma-Platz | tgl. von Sonnenauf- bis -untergang

Region: Sonst noch Sehenswert

Archäologisches Nationalmuseum

Der 1860 fertiggestellte Bau birgt die weltgrößte Sammlung griechisch-antiker Kunstwerke. Die Ausstellungen im Erdgeschoss sind chronologisch angeordnet. Vom Eingang aus an der Kasse vorbei geradeaus kommt man zunächst in den Mykenischen Saal. Der Blick fällt sogleich auf die Vitrine mit den Goldfunden Heinrich Schliemanns. Die goldene Totenmaske, die er für die des sagenhaften Königs Agamemnon hielt, stammt aus der Zeit um 1580 v. Chr., also aus der Frühzeit Mykenes.

Nach rechts gelangt man in den Saal der Kykladenkultur, deren 4000-5000 Jahre alte Kunst sehr modern wirkt. Die eindrucksvollsten der ausgestellten Idole sind wohl der sitzende Harfenspieler und der stehende Doppelflötenspieler. Geht man nun in den Kassenraum zurück, so kann man die Besichtigung im Uhrzeigersinn fortsetzen. Durch einen Raum mit Werken aus der geometrischen Epoche (1100-700 v. Chr.), in der geometrische Motive als Dekor vorherrschen und Menschen und Tiere fast strichartig dargestellt sind, kommt man in den Saal VIII. Hier beeindrucken zwei etwa 3 m hohe Koúroi vom Kap Soúnion aus der archaischen Epoche (700-480 v. Chr.). Sie zeichnet sich durch orientalische Einflüsse, eine Vorliebe für mythologische Themen und starke Formalisierung aus - so wirken die beiden nackten Jünglinge aus der Zeit um 600 v. Chr. noch steif und unbewegt, ein individueller Ausdruck fehlt weitgehend.

Im Lauf der Jahrzehnte wurden die archaischen Skulpturen weniger steif wirkend gearbeitet. Die Gesichtszüge wurden lockerer, ein verhaltenes Lächeln, eine Fußbewegung oder eine kleine Anspannung der Glieder führten zu einer individuelleren Ausdruckskraft.

Im Saal XVI steht man bereits mitten in der klassischen Kunst (480-330 v. Chr.). Ein schönes Beispiel dafür ist das um 440 v. Chr. entstandene Weiherelief aus Eleusis. Es zeigt die Göttin Demeter, die Triptolemos eine Getreideähre übergibt und damit der Menschheit das Korn schenkt, zusammen mit ihrer Tochter Persephone. Weitere besonders schöne Beispiele für die klassische griechische Kunst sind die überlebensgroße Bronzestatue des seinen Dreizack schleudernden Meeresgottes Poseidon, die um 460 v. Chr. entstand, sowie im Saal XVIII die Grabstele der Hegeso vom Ende des 5. Jhs. v. Chr. Allen klassischen Werken gemeinsam sind die Betonung der Körperlichkeit von Menschen und Göttern, die starke Ausdruckskraft, die individuelle Gestaltung und das Streben nach Schönheit und Würde. Die Natur wird erkannt, aber idealistisch überhöht.

Gerade diese Idealisierung fehlt den Werken der hellenistischen Epoche (330-146 v. Chr.) und der römischen Zeit (146 v. Chr.-395 n. Chr.). Deutlich wird das schon am „Reitenden Knaben“ aus dem 2. Jh. v. Chr. im Saal XXI, der bereits barock verzerrt wirkt. Noch weiter geht die Marmorgruppe mit der Liebesgöttin Aphrodite, dem Hirtengott Pan und Eros: Das Ensemble wirkt äußerst verspielt und zugleich ganz unpersönlich. Der Bockshörner tragende Pan, von Eros inspiriert, schäkert mit der Göttin, die sich scherzhaft weigert, ihm ihre Sandale zu überlassen.

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten seit 2002 sind im Jahr 2008 eventuell noch nicht alle Räume im Obergeschoss wieder öffentlich zugänglich, betroffen davon ist in diesem Fall ein Teil der Vasensammlung. Mo 13-19.15 Uhr, Di-So 8.30-19.15 Uhr, Winter Mo 13-17 Uhr, Di-So 8.30-15 Uhr | Odós Patissíon 44 | ab Omónia und Sýntagma Buslinien, z.B. Trolleybus 2 bis Haltestelle Polytechnío oder Égyptou

Region: Athen

To Geráni/O Koúklis

Ouzerí auf zwei Etagen in einem klassizistischen Haus im Herzen der Altstadt, das schon seit 1935 als Taverne dient. Der Kellner kommt nach und nach mit Tabletts voller unterschiedlicher Spezialitäten an den Tisch, aus denen man auswählen kann. Für Gruppen ab 4 Personen gibt es das Angebot, sich für alle zusammen zehn verschiedene Spezialitäten auf den Tisch stellen zu lassen; der Preis dafür beträgt dann inklusive Wein 10 Euro pro Person. Die schönsten Plätze in der Taverne sind übrigens die beiden Balkons mit jeweils nur einem kleinen Tisch. Tgl. ab 11 Uhr | Odós Tripódon 14, Pláka | Tel. 2103247605

To Kioúpi

Kellertaverne im Athener Nobelviertel, große Auswahl an Suppen und gekochten griechischen Gerichten. Die Küche ist auch auf Vegetarier eingestellt. Schneller und sehr aufmerksamer Service durch den Inhaber und seine Familie, guter Retsína vom Fass. Viele einheimische Stammgäste. Mo-Sa 11-16.30 Uhr | Platía Kolonáki

Dóra Strátou

Die professionelle Volkstanzgruppe ist die Nummer eins in Hellas. Unter freiem Himmel zeigt sie in historischen Trachten authentische Volkstänze aus vielen Regionen des Landes. Ende Mai-Sept. Di-So 22.15 Uhr, Mi und So auch 20.15 Uhr | Philopáppos-Theater | Odós Antéou | www.grdance.org

Region: Rund um die Akrópolis

Agorá und Agorá-museum

Das Herz der antiken Stadt Athen schlug auf ihrem Markt- und Versammlungsplatz, der Agorá. Auf einer annähernd quadratischen Fläche von etwa 120 mal 120 m hatten viele politische Institutionen ihren Sitz, Götter ihre Tempel, Helden ihre Statuen. Hier provozierte der Philosoph Sokrates die Athener, hier verbrachten Dichter wie Aischylos und Euripides, Politiker wie Perikles und Themistokles, Denker wie Platon und Aristoteles viele Stunden.

Die Agorá bildete über 1000 Jahre lang, vom 5. Jh. v. Chr. bis 580 n. Chr., den Mittelpunkt des kommerziellen und gesellschaftlichen Lebens. Was davon übrig blieb, stammt freilich aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten. Auch in der Antike veränderte sich das Stadtbild ja ständig. Das Bild, das die Agorá heute vermittelt, gehört am ehesten noch in die römische Zeit um Christi Geburt.

Zwei Bauten bestimmen den Eindruck: im Osten die Stoá des Attalos, im Westen der Hephaistos-Tempel. Die Stoá des Attalos ist eine 116 m lange, zweigeschossige Säulenhalle, in der wahrscheinlich Läden untergebracht waren. Stoen wie diese umgaben die Agorá auf allen vier Seiten. Die heutige Stoá ist freilich kein antiker Bau, sondern die Rekonstruktion eines im 2. Jh. v. Chr. von Herodes Atticus gestifteten Baus. Sie beherbergt das sehenswerte Agorá-Museum.

Der besondere Reiz dieses kleinen Museums liegt darin, dass viele der ausgestellten Objekte vom politischen und privaten Alltag der Menschen vor über 2000 Jahren erzählen. So sieht man zwei Tonmodelle von Schuhen aus der Zeit um 900 v. Chr., bronzene Gewichte von 500 v. Chr. und Bleigewichte aus den ersten beiden vorchristlichen Jahrhunderten. In einer anderen Vitrine wirkt ein Babysitz mit Nachttopf aus dem 6. Jh. v. Chr. ganz modern; an anderer Stelle dokumentieren Töpfe, Pfannen, Stövchen, Grillgeräte und ein tragbarer Ofen das Küchenleben vor 2500 Jahren.

Scherbengerichte gehörten im Athen des 5. Jhs. v. Chr. zum politischen Alltag. Höchstens einmal jährlich fand eine Volksversammlung mit mindestens 6000 Bürgern statt, die den Namen des Mannes in eine Tonscherbe einritzen durften, den sie am liebsten für zehn Jahre aus der Stadt verbannt haben wollten. Der Unglückliche, auf den die meisten Stimmen entfielen, musste dann ins Exil ziehen. Solche Scherben, óstraka genannt, sind im Museum in großer Zahl zu sehen. Auch eine Wasseruhr ist ausgestellt, die bei Gerichtsverfahren die Redezeit pro Person auf sechs Minuten begrenzte, und eine Art Lottomaschine, mit der öffentliche Ämter nach dem Zufallsprinzip verteilt wurden.

Weitgehend original ist hingegen der Hephaistos-Tempel (Thiseion), Griechenlands besterhaltener Tempel überhaupt. Der Tempel für den griechischen Gott des Feuers, der Schmiedekunst und generell des Handwerks stammt aus der zweiten Hälfte des 5. Jhs. v. Chr. und wurde bis 1834 als Kirche weiter genutzt - dadurch entging er dem Schicksal so vieler anderer antiker Bauten, die in christlichen Zeiten leider nur noch als Steinbruch geschätzt wurden.

34 dorische Säulen bilden eine Ringhalle um den Tempelkern, in dem die Kultbilder des Hephaistos und der Athena aufgestellt waren. Außen umläuft den Tempel ein Fries, bei dem drei senkrechte Balken, Triglyphen genannt, als Metopen bezeichnete Felder voneinander trennen, die zum Teil mit Skulpturen geschmückt sind. Sie zeigen Taten der mythischen Heroen Herakles und Theseus (daher auch die andere Bezeichnung „Thiseion“). Interessant ist ein Blick unter die Decke der Ringhalle: Sie wird von reich verzierten Kassetten gebildet, wie sie einst fast alle Tempel besaßen. Nur hier sind sie so gut und vollständig erhalten.

Das Originaldach des Tempels ist verschwunden, es war einst mit roten Ziegeln gedeckt. Will man sich den Bau im Originalzustand vorstellen, muss man sich schließlich noch viel Farbe hinzudenken. Friese und einzelne Bauteile waren nämlich bunt bemalt.

Zwischen der Stoá des Attalos und dem Hephaistos-Tempel standen zahlreiche weitere Bauten, von denen größtenteils nur geringe Spuren erhalten geblieben sind. So waren an der Westseite unterhalb des Hephaistos-Tempels das Bouleutérion als Rathaus Athens, das Métroon als athenisches Staatsarchiv und ein Rundtempel, die Thólos, als Versammlungsraum für die 50 Ratsherren der Stadt angesiedelt. Im Zentrum der Agorá wurde im Jahr 20 v. Chr. schließlich noch ein großes Odeon erbaut, ein Konzertsaal für etwa 1000 Zuhörer.

Quer durch die Agorá zog sich die Heilige Straße, auf der die Festzüge während der Panathenäen auf die Akrópolis zogen. Ihr Pflaster ist teilweise original erhalten - wer mag, kann auf dieser Straße heute noch gehen. Archaía Agorá | Eingänge am Nordhang der Akrópolis, an der Platía Thissíou und in der Odós Adrianoú | April-Okt. tgl. 8-19.30 Uhr, Nov.-März tgl. 8-17 Uhr, Museum Mo jeweils erst ab 11 Uhr

Akrópolis

Athens Akrópolis ist das bekannteste Monument der griechischen Antike. Den Griechen gilt sie als Nationaldenkmal, auf dessen heiligem Boden die Aufseher nicht einmal den Verzehr eines Sandwiches gestatten. Die Akrópolis (griech. Hochstadt) erhebt sich auf einem 156 m hohen Felssockel über der Ebene von Athen. Nach drei Seiten hin fällt der Fels uneinnehmbar steil ab, nur von Westen her ist er zugänglich.

Das Plateau ist mit einer Ost-West-Länge von 320 m und einer Breite von 156 m groß genug für eine Vielzahl von Bauten. Der Blick reicht bei klarer Sicht bis zu den Inseln im Saronischen Golf, Sálamis und Ägina. An schönen Wintertagen leuchten die schneebedeckten Gipfel des Peloponnes herüber.

In der Antike war der Akrópolis-Fels ein idealer Burgberg, der optimalen Schutz vor Feinden bot, und die Akrópolis selbst war denn auch zu Beginn ihrer Geschichte wie noch das ganze Mittelalter über vor allem eine Festung. Im Lauf von 4000 Jahren veränderten sich die Funktionen des Berges immer wieder, und so zeigte die Akrópolis viele verschiedene Gesichter.

Was Besucher heute sehen, vermittelt in Wahrheit einen durchaus schiefen Eindruck. Geblieben sind von den Bauten aus vier Jahrtausenden nämlich nur das Beulé-Tor, die Propyläen, der Nike-Tempel, das Erechtheion und der Parthenon. Diese Bauten prägten vor allem das Bild, das sich die Menschen in den beiden letzten Jahrhunderten von der klassischen Antike machten. Die Griechen restaurieren die Bauten heute einem Idealbild gemäß, auf das sich der Stolz ihrer Nation mitbegründet. Daran wird weitergearbeitet - auch in den nächsten Jahren wird die Akrópolis eine Großbaustelle sein.

Manche Kritiker nennen die Akrópolis denn auch „eine künstliche Ruine“. Sie bemängeln, dass in den letzten 160 Jahren alles abgerissen wurde, was nicht ins Bild der Archäologen und Altertumswissenschaftler passte. In der Tat: Auf noch nicht einmal 200 Jahre alten Aquarellen und Stichen erkennt man, dass die Akrópolis eine lebendige Stadt war. Im Parthenon erhob sich eine Moschee mit Minarett, in den antiken Gemäuern befanden sich ein Palast und ein Harem. Überall, wo Besucher heute über nacktes Gestein schreiten, standen Ställe und Häuser mit Gärten, drängten sich in den Gassen Menschen und Tiere.

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung auf dem Akrópolis-Felsen stammen aus der zweiten Hälfte des 2. Jts. v. Chr., also aus mykenischer Zeit. Damals stand auf seinem höchsten Punkt der Palast eines Königs, der von hier aus sein kleines Reich beherrschte. Mit der Einwanderung der dorischen Griechen um 1050 v. Chr. ging das mykenische Königtum unter, der Palast zerfiel. Im 8. Jh. v. Chr. diente die Akrópolis nicht mehr als Sitz eines herausgehobenen Herrschers, denn Athen wurde von gleichberechtigten Adelssippen gemeinsam regiert. Die Akrópolis war jetzt Heiligtum für eine Vielzahl von Gottheiten. Diese wurden nicht nur in Gestalt von Statuen, sondern auch als Naturerscheinungen verehrt - Athena z.B. in einem Ölbaum. Im Freien und in kleinen Holzbauten waren zahllose Weihegaben aufgestellt, auf Altären wurden Tieropfer dargebracht. Der erste monumentale Tempel der Akrópolis entstand erst im frühen 6. Jh. v. Chr. Er war der Göttin Athena geweiht, die dadurch eindeutig aus der Vielzahl der Gottheiten herausgehoben wurde. Der Tempel selbst war nur zum Teil aus Stein errichtet; die Säulen waren noch ganz aus Holz. Erst um 530 v. Chr. entstanden auf dem Akrópolis-Felsen die ersten reinen Steinbauten.

Der mit breiter Unterstützung des einfachen, unter der Adelsherrschaft leidenden Volkes 546 v. Chr. an die Macht gekommene Tyrann Peisistratos und seine Söhne Hipparch und Hippias wollten sich wohl auch selbst ein Denkmal setzen, als sie den alten Athena-Tempel weitgehend niederreißen und durch einen ganz aus Stein gestalteten ersetzen ließen. Außerdem entstand während dieser Tyrannis ein erstes Eingangstor zur Akrópolis und zudem noch ein Heiligtum für die bis dahin vor allem in Brauron verehrte Artemis.

All diese Bauten wurden von den Persern vernichtet, vor denen sich die Athener im Jahre 480 v. Chr. völlig auf die Insel Sálamis zurückzogen. Als sie nach der Seeschlacht von Sálamis und der sich 479 v. Chr. anschließenden Landschlacht von Platää zurückkehrten, fanden sie auf der Akrópolis nur noch ein Ruinenfeld vor.

Dreißig Jahre lang blieb es so. Die Ruinen sollten Mahnung und Erinnerung zugleich an die gefährdete Freiheit sein. Um das zu unterstreichen, hatte man weithin sichtbar auch noch Überreste des Athena-Tempels auf die Umfassungsmauer gestellt, neue Teile der Umfassung unter Verwendung alter, heute noch gut sichtbarer Säulentrommeln errichtet.

Athen wandelte sich in diesen Jahren zu einem radikaldemokratischen Staat, in dem die Volksversammlung der männlichen freien Vollbürger alle Entscheidungen zu treffen hatte. Das Volk von Athen beschloss um 450 v. Chr., auf dem Akrópolis-Felsen die vier Bauten zu errichten, die Besucher heute bewundern: Parthenon, Nike-Tempel, Propyläen und Erechtheion.

Ein Mann trieb in der Volksversammlung die Neugestaltung der Akrópolis besonders voran: der geniale Staatsmann Perikles, der mehr als 30 Jahre lang immer wieder in die höchsten Staatsämter gewählt wurde. Freilich hatte er auch Gegner, sodass sich in den Bauten der Akrópolis zwei politische Strömungen niederschlugen. Parthenon und Propyläen sind eher progressiv-demokratische Bauwerke, Erechtheion und Nike-Tempel hingegen konservativ-rückwärts gewandte. Die beiden Grundideen, die hinter der Neubebauung der Akrópolis standen, kommen darin zum Ausdruck. Vor allem ging es um den in Stein manifestierten Ausdruck der Athener Macht und des Athener Glanzes; erst an zweiter Stelle und vor allem bei den Konservativen folgte auch die Intention, den bedeutendsten in Athen verehrten Göttern ein neues Heiligtum zu schaffen.

Tempel des Olympischen Zeus

Die mächtigsten Säulen Athens gehören zum Olympieion, dem Tempel des Olympischen Zeus. 15 stehen noch aufrecht, eine sechzehnte ist liegend intakt geblieben. Einst besaß der Tempel 104 fast 17 m hohe Marmorsäulen mit einem Gesamtgewicht von 15500 t. Die Baugeschichte des Tempels erstreckt sich über mehr als 700 Jahre. Erste Arbeiten für einen - allerdings kleineren - Zeus-Tempel an dieser Stelle begannen unter dem Tyrannen Peisistratos vor 550 v. Chr. Seine Söhne Hippias und Hipparch nahmen dann als Erste diesen Riesentempel in Angriff. Erst unter dem römischen Kaiser Hadrian wurde der Tempel um 130 n. Chr. vollendet. In seinem Innern wurden eine Zeus-Statue aus Elfenbein und Gold verehrt und ein Reiterstandbild des Kaisers. Erdbeben zerstörten den Tempel dann im Lauf der Jahrhunderte. Stíles Olympíou Diós; tgl. 8.30-19 Uhr, Winter tgl. 8.30 bis mind. 15 Uhr | Leofóros Amalías/Leofóros Vasilíssis Ólgas

Region: Emborikó Trígono und Kerameikós

Kerameikós und Kerameikósmuseum

Etwas abseits der üblichen Besichtigungsrouten träumt der von deutschen Archäologen freigelegte antike Friedhof von Athen vor sich hin. Hier erzählen Grundmauern von der Stadtgeschichte und eine Vielzahl von Grabdenkmälern von persönlichen Schicksalen. Kerameikós war ein Stadtteil Athens, der sich bis zur antiken Agorá erstreckte und weit über die Stadtmauer hinausragte. Im Bereich der Ausgrabungen - nur ein kleiner Teil von Kerameikós konnte freigelegt werden - hat man die beiden bedeutendsten Stadttore Athens entdeckt. Das eine ist das Heilige Tor, durch das die Heilige Straße führte, auf der alljährlich ein Festzug nach Eleusis zog. Das andere ist das Dípylon, das Doppeltor, durch das im Rahmen der Panathenäen der große Festzug zur Akrópolis die Stadt betrat. Zwischen beiden Toren stand das Pompeíon, in dem der Festzug hergerichtet wurde, und in dem sich die Honoratioren zum Festmahl trafen. Sonst diente das Pompeíon auch als Sportstätte für Ringkämpfe.

Besonders eindrucksvoll sind die Grabmonumente zu beiden Seiten des jetzt unterirdisch geführten Flüsschens Erídanos, der am Berg Likavittós entspringt. Einige wurden zu Ehren gefallener Soldaten vom Staat errichtet, andere sind privat. Auch große Staatsmänner, wie zum Beispiel Perikles und Kleisthenes, wurden hier bestattet.

Das modern konzipierte Museum auf Athens antikem Friedhof zeigt hier gefundene Grabdenkmäler und Vasen. Besonders schön sind ein Koúros und eine Sphinx aus dem frühen 6. Jh. v. Chr., eine Löwenskulptur aus dem späten 6. Jh. v. Chr. und ein monumentaler steinerner Stier aus der 2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr. Alle Objekte werden ausführlich auch auf Deutsch erklärt. April-Sept. Di-So 8-19 Uhr, Nov.-März Di-So 8.30-15 Uhr | Eingang an der Odós Ermoú

Markthallen

Athens Markthallen sind über 100 Jahre alt, haben aber gerade erst ein Facelifting erhalten. Alle Metzger präsentieren ihr umfangreiches, meist bildschön drapiertes Warenangebot jetzt in großen Kühltresen, unter der Decke flimmern Flachbildschirme, auf denen die Spots von Musiksendern zur Unterhaltung von Marktbeschickern und -besuchern laufen. Auf dem Fischmarkt, auf dem alles verkauft wird, was die Weltmeere an Essbarem hergeben, haben die Kühltresen noch keinen Einzug gehalten - doch hier wird die Ware ohnehin nicht älter als ein paar Stunden. Los- und Plastiktütenverkäufer stehen an den Eingängen zu den Hallen. An deren Außenfronten wird ringsum mit Nüssen und Oliven, Honig, Käse und Eiern, Wein und Spirituosen gehandelt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Athínas-Straße ist der Obst- und Gemüsemarkt ebenfalls modernisiert worden, in den Ladenzeilen rings um ihn herum wird mittlerweile überwiegend mit exotischen Produkten wie polnischen Würsten und isländischem Stockfisch gehandelt.

Buntes Markttreiben herrscht hier überall - von montags bis samstags an jedem Morgen. Die Markttavernen sind außer sonntags rund um die Uhr geöffnet - sie bieten eine große Auswahl und sind vor allem nachts wegen ihrer heißen Suppen beliebt. Odós Athínas