Reisetipps Thailand

Auftakt Thailand Was für ein Land!

Die Inseln des Südens mit ihren Traumstränden machen Thailand zu einem Königreich für Urlauber. Doch lassen Sie sich auch erobern von der Boomtown Bangkok. Entdecken Sie eine Kultur, die im Buddhismus wurzelt. Erforschen Sie auf schmalen Pfaden die Bergwelt des Nordens. Und besuchen Sie den vom Tourismus fast unberührten Nordosten, das Land der Reisbauern. Aber vor allem sollten Sie die Thais kennenlernen: Ihre Lebensfreude und ihr positives Denken lassen auch Sie die Leichtigkeit des Seins erleben. Sie werden feststellen: Das Land des Lächelns gibt es wirklich. Freuen Sie sich darauf!

Ein Bauerndorf im Nordosten Thailands. Wie eine vergessene Insel im Ozean liegt es in den Reisfeldern, die sich bis zum Horizont ziehen. Ein Mönch läuft die staubige Dorfstraße entlang. Eine alte Frau kniet vor ihrem Pfahlhaus, bietet dem Mönch ihre Gaben an. Einen kleinen Plastikbeutel mit Reis, zwei hart gekochte Eier. Der Mönch bleibt stehen, hält ihr die Almosenschale hin. Er verliert kein Wort des Dankes. Dank zu sagen ist Sache der Spenderin: Sie hat Gelegenheit bekommen, Gutes zu tun.

Dann erhebt sie sich, steigt die Holztreppe ihres Hauses hinauf. Oben dreht sie sich noch einmal um. Sie schaut in die Ferne, wo sich eine asphaltierte Straße in den Reisfeldern verliert. Die Straße führt nach Korat, in die Provinzhauptstadt, und weiter nach Bangkok, in die ganz große Stadt. Ihr Sohn arbeitet dort als Taxifahrer. Vielleicht ist er es, der gerade im Morgenverkehr der Hauptstadt feststeckt und dem fliegenden Blumenhändler eine Kette aus Jasminblüten und Rosenblättern abkauft - ein duftender Glücksbringer als Zierde für den Rückspiegel.

Egal, ob Sie in einem thailändischen Dorf Ruhe atmen oder in Bangkok im Stau stecken: Sie werden feststellen, dass dies ein Land ist wie kein anderes. Ein Land voller Geheimnisse, fremdartig. Und trotzdem werden Sie sich nicht lange fremd fühlen, denn dies ist auch das Land des Lächelns. Es sind vor allem seine Menschen, die Thailand zum Urlaubsland Nr. 1 in Asien gemacht haben. Schon wahr, leicht zu verstehen ist dieses Volk nicht. Wie zum Beispiel soll man begreifen, dass Menschen, die sich mit Begeisterung auf alles stürzen, was tansamai (modern) ist, höchst abergläubisch sind? Internetcafés eröffnen wie am Fließband, aber die gleichen Leute, die per Mausklick durch die Netzwelt surfen, fürchten sich vor Geistern und bauen ihnen zur Besänftigung ein Häuschen an jeder Ecke. Oder gleich einen ganzen Schrein.

Nicht immer waren die Geister dem Land günstig gestimmt. Auch wenn die Thais stets auf Ausgleich bedacht sind, sich lieber arrangieren als zu den Waffen greifen, so machten sie doch mit ihrem Nachbarn im Nordwesten schlechte Erfahrungen: Die Burmesen legten Ayutthaya, eine der glanzvollsten Metropolen der damaligen Zeit, im Jahr 1767 in Schutt und Asche. Als die europäischen Mächte nach Fernost kamen, um auch diese Gegend der Welt unter sich aufzuteilen, fiel Siam als einzige Nation in Südostasien nicht unter koloniales Joch. Flexibel wie Bambus, der sich dem Wind beugt, um nicht zu zerbrechen, lavierte sich die Nation auch durch die stürmische Zeit des Zweiten Weltkriegs. Statt sich mit den übermächtigen Japanern anzulegen, verbündete man sich lieber offiziell mit ihnen. Die Nachkriegsgeschicke des Landes beherrschten Generäle, die um politischen Einfluss rangelten und sich immer wieder an die Macht putschten. Studentenproteste wurden 1973 und 1976 blutig niedergeschlagen. Aber der Wirtschaftsboom der Achtzigerjahre veränderte nicht nur die Skyline von Bangkok, sondern auch die politische Landschaft. Gerade in der Hauptstadt bildete sich eine breitere Mittelschicht heraus. Sie entwickelte ein politisches Bewusstsein und forderte Mitsprache bei der Gestaltung des Landes ein.

Mit 513 120 km² ist Thailand ungefähr so groß wie Frankreich. Geografisch wird es in vier Regionen unterteilt. Die Zentrale Ebene mit ihrem fruchtbaren Schwemmland ist die Reiskammer des Landes und mit der Millionenstadt Bangkok zugleich der wichtigste Industriestandort. Ausläufer des Himalaya bilden die Berge des Nordens. Dort oben, wo Bergvölker in bunten Trachten noch Brandrodungsfeldbau betreiben, erlauben die Temperaturen der Wintermonate sogar den Anbau von Erdbeeren und Äpfeln. Die dürregeplagte Hochebene des Nordostens ist trotz karger Böden fast ausschließlich Bauernland. Rund 20 Mio. der 64 Mio. Thais leben hier im Isan, dem Armenhaus des Landes. In den Dörfern sind viele Straßen noch Pisten, das Wasser schöpfen die Menschen aus Brunnen und Zisternen.

Auch im kargen Nordosten gibt es manche Entdeckung zu machen. Aber wer will es den Fremden, die aus der Kälte kommen, verdenken, dass es sie dorthin zieht, wo das Schlagwort von den „glücklichen Tropen“ begreifbar und der Urlaubstraum wahr wird: in den Süden, der sich wie der Rüssel eines Elefanten bis hinunter zur malaysischen Grenze zieht. Auf den Feldern wächst Ananas, in Plantagen stehen Gummibäume Spalier, und Kokospalmen werfen gefiederte Schatten auf sahneweiße Strände. Die Fischer binden bunte Tücher und Blütengirlanden an den Bug ihrer Boote, in Gärten leuchten Bougainvillea-Sträucher.

Die einzige thailändische Stadt, die das Prädikat „Weltstadt“ für sich in Anspruch nehmen darf, ist Bangkok. Etwa jeder siebte Thai wohnt hier. Auf den ersten Blick sieht die Metropole mit ihren Hochhäusern und Blechlawinen aus wie jede andere moderne Großstadt. Aber wenn Sie genauer hinschauen, entdecken Sie, dass die Baustile durcheinander gewürfelt sind wie der Inhalt einer Spielzeugkiste. Suey mak, wunderschön, sagen die Thais. Denn Eintönigkeit und Langeweile fürchten sie fast noch mehr als Geister.

Noch zur Zeit des Zweiten Weltkriegs überspannte ein grünes Dach fast das ganze Königreich: 70 Prozent der Fläche waren bewaldet. Aber die rasant wachsende Bevölkerung brauchte immer mehr Agrarland. Heute sind die Waldgebiete auf etwa 20 Prozent geschrumpft. Nur noch 2000 wilde Elefanten sollen auf dicken Sohlen durch den Dschungel streifen, und die Zahl der vom Aussterben bedrohten Großkatzen wird auf einige Hundert geschätzt. Ihre Rückzugsgebiete sind nur wenige der insgesamt 99 Nationalparks und Schutzzonen, die immerhin über die Hälfte der noch verbliebenen Waldfläche in Thailand ausmachen. Trotzdem müssen Sie nicht in den Zoo gehen, um eine artenreiche Tierwelt zu entdecken.

Im Golf von Siam (Golf von Thailand) und insbesondere in der Andaman-See liegen Tauchreviere, die zu den besten in Südostasien gehören. Zwar brauchen Sie Glück, um mit riesigen, Plankton fressenden Walhaien um die Wette schwimmen zu können. Aber jede Tauchschule weiß, wo Sie die gefleckten (und ebenfalls harmlosen) Leopardenhaie fast mit der Hand streicheln können. Und die konfettibunten Korallenfische finden Sie auch ohne Lotsen überall im wohltemperierten Nass. Tauchen Sie einfach ab!