Reisetipps Schweden

Stichworte Schweden

Gleichheit

In Schweden spielt Egalität eine besonders große Rolle. Zahlreiche Gesetze und Erlasse schreiben vor, dass allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht, die gleichen Chancen eingeräumt werden müssen. Die jahrzehntelange Regierungsmacht der Sozialdemokraten, die erst bei den vergangenen Wahlen gebrochen wurde, hat die Gewerkschaften und die Frauenbewegung stark gemacht. Diese langjährige Praxis der Gleichstellung hat dazu geführt, dass die Klassenunterschiede geringer sind als etwa in Deutschland oder Frankreich und dass Frauen deutlich stärker ins Erwerbsleben integriert sind. Beim Militär sind sie eine Selbstverständlichkeit, in Parlament und Regierung stellen sie etwa die Hälfte der Mitglieder.

Soziale Schichten sind in Schweden kaum zu unterscheiden. Die Mittelklasse ist noch dominanter als in den meisten anderen europäischen Ländern. Zwar existiert auch hier eine Oberschicht, doch diese trägt ihren Reichtum in der Öffentlichkeit wenig zur Schau - Luxussportwagen und Pelzmantelträgerinnen sind allenfalls vor ausgesuchten Nobellokalen in der Stockholmer Innenstadt zu sichten. Dass sich alle mit Vornamen und dem informellen „Du“ anreden, verstärkt noch das Gleichheitsgefühl.

Hightech

Kaum ein anderes europäisches Land ist so technikbegeistert wie Schweden: Jung und Alt nutzen ganz selbstverständlich das Internet und die neuesten Mobilfunkstandards. In einem dünn besiedelten Land wie Schweden ist es wichtig, auch von zu Hause aus arbeiten zu können, weil die Fahrt in die nächste größere Stadt lange dauern kann. Mittlerweile kann die Steuererklärung per SMS abgegeben werden, viele Rechnungen trudeln nur noch auf elektronischem Wege ein, und selbst Kinder kommunizieren mit ihren Freunden gerne per Videokonferenz. Mittlerweile gibt es sogar eine Internetpartei, die über ihr Verhalten in Gemeindeparlamenten basisdemokratisch alle Mitglieder elektronisch abstimmen lässt.

Ikea

Ingvar Kamprad vom Hof Elmtaryd im Dorf Agunnaryd war keine 18 Jahre alt, als er im Sommer 1943 den Grundstein für die heute wohl bekannteste Möbelhauskette der Welt legte: Ikea. Die Initialen seines Namens und seiner Herkunft bildeten den Firmennamen. Das etwas andere Möbelhaus gibt es heute in allen Ecken der Welt. Schlichtes Design und preiswerte Qualität kommen eben überall gut an. Ikea-Möbel sind deshalb so billig, weil dasselbe Modell in enormen Stückzahlen hergestellt wird und die Käufer die Waren nicht nur selber abholen, sondern auch selber zusammenbauen. Größter Absatzmarkt ist Deutschland. Doch schon bald soll - so die Ikea-Manager - China die Spitzenposition einnehmen. Im Jahr 2007 wurde der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad von der amerikanischen Zeitschrift Forbes mit einem Vermögen von umgerechnet 27 Mrd. US-Dollar zum fünftreichsten Mann der Welt gekürt.

Jedermannsrecht

Prinzipiell darf sich in Schweden jeder frei in der Natur bewegen, auch auf Privatgrundstücken. Das regelt das so genannte allemansrätten (Jedermannsrecht). Gerade wegen dieser Freiheit ist es wichtig, sich an die wenigen Einschränkungen zu halten, um die Natur zu bewahren. Lagerfeuer etwa sind im Wald (Brandgefahr) und auf Felsen (Bruchgefahr) verboten. Das Pflücken geschützter Pflanzen ist ebenso untersagt wie das Fällen von Bäumen. Schilder mit dem Hinweis „Betreten verboten“ kommen selten vor, doch wenn, dann sollten sie beachtet werden. Es empfiehlt sich, das Jedermannsrecht zu studieren (www.allemansratten.se), bevor es in die Natur geht. Dort steht nicht nur, was erlaubt ist und was nicht, die Bestimmungen sind auch ein Stück Kulturerbe, das viel über das Selbstverständnis der Schweden aussagt.

Königshaus

Schweden ist zwar seit dem 16. Jh. eine Erbmonarchie, doch der König nimmt nur repräsentative Aufgaben wahr. Politische Macht hat er seit der Verfassungsänderung von 1975 keine mehr. Der derzeitige Regent Carl XVI. Gustaf und seine aus Deutschland stammende Frau Silvia genießen im Land hohes Ansehen.

Trotz der Ausgaben für die Königsfamilie profitiert das Land finanziell vom Herrscherhaus. Sein gutes Image im Ausland fördere, so behaupten jedenfalls Ökonomen, den Verkauf von Ericsson-Mobiltelefonen und locke Touristen ins Land. Die schwedischen Medien behandeln die Königsfamilie äußerst rücksichtsvoll. Wer Skandalgeschichten über Thronfolgerin Victoria sowie ihre Geschwister Carl Philip und Madeleine lesen möchte, muss zur deutschen Klatschpresse greifen.

Astrid Lindgren

Beim Thema Kinderliteratur fällt einem sofort Astrid Lindgren ein. Die 1907 in Vimmerby geborene Autorin hat so verrückte Kinder wie Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf oder Kalle Blomquist erfunden und für ihre liebenswert-phantasievollen Geschichten weltweit Anerkennung bekommen. Die höchste Auszeichnung jedoch, der Nobelpreis für Literatur, blieb ihr verwehrt. Die Schriftstellerin lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 in einer kleinen Wohnung in Stockholm.

Nobelpreis

Neben Astrid Lindgren und dem Regisseur Ingmar Bergman ist Alfred Nobel (1833-96) sicherlich der berühmteste Schwede. Zu Lebzeiten kam er als Erfinder und Industrieller zu Vermögen und Ansehen. Seine bekannteste wissenschaftliche Leistung war die Erfindung des Dynamits, das die moderne schwedische Waffenindustrie begründet hat. Nobel verstand seine Erfindung als Beitrag zur Sicherung des Weltfriedens. Weltweit berühmt wurde er als Stifter der nach ihm benannten Nobelpreise. Seit 1901 werden alljährlich die „größten Leistungen für die Menschheit“ auf den Gebieten der Literatur, der Medizin oder Physiologie, der Biologie, der Chemie und der Friedenssicherung mit jeweils 10 Mio. Schwedischen Kronen (ca. 1,1 Mio. Euro) bedacht. Dass der Friedensnobelpreis als einziger Preis nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen wird, hängt damit zusammen, dass Norwegen damals noch zur schwedischen Krone gehörte und Alfred Nobel die republikanisch gesinnten Norweger politisch unterstützen wollte.

Personnummer

Ohne die personnummer ist man in Schweden ein Niemand. Die zehnstellige Zahl, die sich aus dem Geburtsdatum sowie vier weiteren Ziffern zusammensetzt, wird benötigt, um ein Konto zu eröffnen, mit der Kreditkarte einzukaufen oder einen Handyvertrag abzuschließen. Datenschutz wird in Schweden klein geschrieben: Wer Name und Adresse einer Person kennt, kann deren personnummer erfragen und damit z.B. deren Steuerzahlungen abfragen. Jedes Jahr veröffentlichen viele Zeitungen Aufstellungen über das Vermögen berühmter Schweden und deren zu versteuerndes Einkommen.

Schwedenpop

Seit im April 1974 das bis dahin im Ausland weitgehend unbekannte Quartett Abba mit dem Song „Waterloo“ den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson gewonnen hat, sind Abba und Schweden aus dem internationalen Musikgeschäft nicht mehr wegzudenken. Die vierköpfige Band hat mehr als 300 Mio. Platten verkauft - nur die Beatles bringen es auf noch mehr. Nach dem Erfolg von Abba betraten viele weitere schwedische Musiker wie Europe, Roxette und Mando Diao die Musikbühne. Heute verdienen nur Großbritannien und die USA im Musikgeschäft mehr Geld als Schweden. Basis des schwedischen Popwunders ist die gute Ausbildung. Auch in ländlichen Gegenden sind staatlich subventionierte Musikschulen weit verbreitet. Zudem sprechen die Schweden überdurchschnittlich gut Englisch und singen problemlos in der Weltsprache der Popmusik.

Schwedenstahl

Spätestens die auch äußerlich massiv wirkenden Autos von Volvo haben den Ausdruck „Schwedenstahl“ zum geflügelten Wort gemacht. Es steht ebenso für die große Wirtschaftskraft des Landes wie für politische Verwicklungen. Das in Lappland aus den tiefsten Gruben der Welt zu Tage geförderte Eisenerz ist seit über hundert Jahren ein Exportschlager und wird heute vornehmlich ins boomende China verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich das neutrale Schweden vorwerfen lassen, zu lange die Deutschen mit seinen Stahlerzeugnissen beliefert zu haben. In den Jahrzehnten nach Kriegsende verhalf der Schwedenstahl der schwedischen Autoindustrie zum Aufschwung.

Mittlerweile gehören Saab und Volvo amerikanischen Herstellern. Mit dem robusten und vermutlich verkaufsfördernden Image des Schwedenstahls bleiben sie aber bis heute verknüpft. Angeblich stammt auch der Ausdruck „schwedische Gardinen“ daher, dass der harte Schwedenstahl sich bestens zur Herstellung von Gittern für Gefängnisfenster eignet.

Wallenberg

Schwedens zweite Erbmonarchie bildet seit rund 150 Jahren die Industriellenfamilie Wallenberg. Niemand ist in der schwedischen Wirtschaft so mächtig wie die Wallenbergs - auch wenn die schwedischen Besitzer von Ikea, der Modekette H&M sowie der Gründer des Getränkeverpackungsherstellers Tetrapak um einiges reicher sind. An kaum einem schwedischen Weltunternehmen besitzen die Wallenbergs kein größeres Aktienpaket. Sie haben erhebliche Anteile am Technikkonzern Ericsson, dem Maschinenbauer ABB, dem LKW-Hersteller Scania und dem Bankhaus SEB. Weil sie üblicherweise über Wertpapiere mit überproportionalem Stimmrecht verfügen, hat die Familie selbst dann bestimmenden Einfluss, wenn sie nicht die Kapitalmehrheit besitzt.

Die Wallenbergs sind auch ein Beispiel dafür, dass die schwedische Wirtschaft stark von Großunternehmen geprägt ist. Eine breite mittelständische Wirtschaft wie in Deutschland gibt es in Schweden nicht.