Reisetipps Argentinien

Auftakt Argentinien Was für ein Land!

Tango und Patagonien: Das sind die beiden häufigsten Assoziationen zu Argentinien, die das Land weltweit einmalig machen. Zwischen der Intimität des Tanzes in der Metropole Buenos Aires und der immensen Einsamkeit Patagoniens finden Reisende in ein und demselben Land ganze Welten: das Echo der inkaischen Zivilisation in der Puna, der Hochebene des Nordwestens; die tropische Exotik um die Wasserfälle von Iguazú; die Weinrouten in Mendoza und Salta; die Spuren der spanischen Kolonialherrschaft in Córdoba... und all dies auf einem für Europäer äußerst günstigen Preisniveau.

Nach Brasilien ist Argentinien der zweitgrößte Staat Südamerikas. 3700 km liegen zwischen der nördlichsten und der südlichsten Stadt des Landes, 1423 km misst seine größte west-östliche Ausdehnung - Platz genug für ein höchst abwechslungsreiches Angebot an Städten, Landschaftsformen und Klimazonen. Dabei teilen sich nur gut 40 Mio. Ew. die 2,8 Mio. km² Gesamtfläche. Von diesen wiederum leben allein 12,5 Mio. im Großraum Buenos Aires, das heißt in der Hauptstadt und dem Ring von Vorstädten, der sie umgibt. Ansonsten ist das weite Land dünn besiedelt.

Zwischen dem 22. und dem 55. Grad südlicher Breite bietet Argentinien alle erdenklichen Lebensräume: tropische Regenwälder im äußersten Nordosten, Kakteenwüsten im Hochland der Anden bei Jujuy, blau gleißende Gletscherfelder in der Patagonischen Kordillere, unglaubliche Weiten der Pampa und die atemraubende patagonische Hochebene. Die Anden locken mit zerklüfteten Massiven. Der König unter den Bergen heißt Aconcagua und wirft seinen Schatten aus einer Höhe von 6960 m auf die Provinzhauptstadt Mendoza.

Entgegen den Verhältnissen in Europa nehmen hier die Wärmegrade von Nord nach Süd kontinuierlich ab. In Ushuaia auf Feuerland, der südlichsten Stadt der Erde, zeigt das Thermometer mit einer sommerlichen Temperatur von 12 Grad Celsius gut 15 Grad weniger an als in der Hauptstadt Buenos Aires am Río de la Plata. Richtig heiß wird es im Sommer (November-Februar) in den Hochanden, der Puna. Bei 40 Grad im Schatten wird die Siesta von den Coyaindianern, den Nachfahren der Inkas im Nordwesten Argentiniens, verständlicherweise streng eingehalten. Auch im äußersten Nordosten, dem tropischen Misiones, geht nachmittags nichts mehr. Mit einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent kann es an den spektakulären Wasserfällen von Iguazú richtig drückend werden. Hier im Grenzgebiet zu Brasilien und Paraguay stürzen sich 275 einzelne Wasserfälle tosend in eine über 70 m tiefe Schlucht, eines der großen Naturschauspiele dieser Welt.

Salta im Nordwesten des Landes zählt zu den landschaftlich, historisch und kulturell interessantesten Provinzen. Hier sind noch viele spanische Kolonialbauten erhalten. Eine weitere Attraktion ist der Zug in die Wolken, el Tren a las Nubes, der auf 185 km eine Steigung von 2800 Höhenmetern überwindet.

Im sonnigen Weinanbaugebiet Mendoza und San Juan reifen argentinische Spitzenweine. Im Süden des Landes, in Patagonien, bedecken karge Steppen das weite Tafelland, das mit felsiger Steilküste zum Atlantik abfällt. Hier leben Magellanpinguine, Seeelefanten, Delphine, Seelöwen und gewaltige Bartenwale.

Die Hauptstadt Buenos Aires scheint völlig losgelöst von diesen urzeitlichen Landschaften zu existieren. Keine Großstadt Lateinamerikas ist kulturell, architektonisch und atmosphärisch europäischer geprägt als diese riesige Hafenstadt. Es heißt, die Einwohner der Metropole, die porteños, lebten mit dem Blick starr auf Europa gerichtet und kehrten dem restlichen Land den Rücken zu.

Argentinien hat wie die anderen lateinamerikanischen Staaten eine lange koloniale Vergangenheit. Seit 1535 gehörte es zum spanischen Kolonialreich, besaß aber keine Bodenschätze wie Bolivien oder Peru, und statt sesshafter Indianer, die Ackerbau betrieben, durchzogen jagende Nomaden das Land.

Den Kreolen, den Nachfahren der Spanier in Argentinien, verhalfen dennoch die aus Europa eingeführten Rinder und die exportintensive Viehwirtschaft zu Reichtum. Sie wehrten sich jedoch gegen die lästigen Handelsbeschränkungen des Mutterlandes und erklärten 1816 ihre Unabhängigkeit von Spanien. Ein Großteil der Fläche des heutigen Argentinien war damals noch Territorium der Indianer. Zwei Militärfeldzüge in die „Wüste“ - das „nur“ von Indianern bewohnte Land - führten zur erbarmungslosen Vernichtung der Indianerbevölkerung. Gleichzeitig förderte man die Einwanderung aus Europa. So erlebte Argentinien zwischen 1880 und 1930 seine wirtschaftliche Blütezeit, die mit der Weltwirtschaftskrise 1929 endete. Das bis dahin funktionierende Import-Export-System brach abrupt zusammen.

Der erneute wirtschaftliche Aufschwung dank einer vom Staat geförderten Industrialisierung verhalf 1946 Oberst Juan Domingo Perón an die Macht. Er herrschte mit autoritären Zügen. Die Arbeiterschaft brachte er dennoch hinter sich, weil er ihr politische Partizipation versprach. Ein Putsch im Jahr 1955 veranlasste Perón zum Rücktritt. Danach begann eine Phase der wirtschaftlichen Instabilität und wechselnder Militärregierungen. Nach einer kurzen, zweiten Regierungszeit Peróns und seiner Frau Isabel (1973-1976) übernahm das Militär erneut die Macht. Diese Regierung übte bis 1983 eine blutige Diktatur aus, der Zehntausende Menschen zum Opfer fielen. Erst der verlorene Falklandkrieg, den Argentinien 1982 gegen Großbritannien angezettelt hatte, zwang die Militärjunta zur Selbstauflösung im Jahr 1983. Seitdem ist Argentinien eine föderalistische, republikanische Präsidialdemokratie. Cristina Fernández de Kirchner, die Frau des von 2003 bis 2007 amtierenden Präsidenten Néstor Kirchner, gewann die Wahlen 2007 mit fast 45 Prozent der Stimmen. Neuer Bauboom in den Städten, Exportrekorde der Landwirtschaft und gesunde Staatskonten erklären ihren Wahlerfolg, auf den aber die ansteigende Inflation einen bedrohlichen Schatten wirft.

Der Wirtschaftsaufschwung Anfang der Neunzigerjahre zog einen Bauboom nach sich. In den Städten entstanden riesige Einkaufspaläste, in Buenos Aires wurden die alten Hafendocks zur Flanier- und Amüsiermeile mit vielen schicken Restaurants, luxuriösen Hotels und teuren Loftwohnungen. Doch diese Entwicklung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Argentinien zu einer Zweidrittelgesellschaft entwickelte. Ein Problem bei dem (im Übrigen immer wieder von Korruption begleiteten) Modernisierungsprozess blieben die fehlenden sozialen Ausgleichsmaßnahmen.

Heute ist das bis zur Krise Ende 2001 sehr teure Argentinien eines der preisgünstigsten Reiseziele. Mit einem Dollar bekommt man heute etwa doppelt so viel wie zu Beginn des neuen Jahrtausends. Doch rund 20 Prozent der Bevölkerung leben immer noch unter der Armutsgrenze. Mit unglaublichem Improvisationstalent und viel Phantasie versuchen die Argentinier, Lücken im Servicebereich zu füllen. So können Exkursionen zu Pferd, im Jeep oder zu Wasser zu unvergesslichen Erlebnissen mit Mensch und Natur werden. Der Umweltschutzgedanke setzt sich auch im Touristikbereich immer mehr durch. Birdwatchingexkursionen und Trekking unter der Führung kundiger Ranger, die die komplizierten Zusammenhänge der verschiedenen Ökosysteme nahebringen, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.