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Jugendfußball:Erfolg der kleinen Gesten

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Mit ruhigem Stil leitet Miroslav Klose bei seiner ersten Trainerstation Münchens U17.

(Foto: Martin Brinkmann/fcbjugendfotos/oh)

Mit Trainer Miroslav Klose führt die U17 des FC Bayern die Bundesliga-Tabelle an.

Von Felix Haselsteiner

Spiele der U17 des FC Bayern am Samstagvormittag unterscheiden sich im Wesentlichen nicht sehr vom normalen Spielbetrieb im Jugendfußball: Kleine Kinder laufen ballspielend an der Tribüne entlang, während ihre Eltern wahlweise fachsimpeln oder in deutlichem Ton Anweisungen aufs Spielfeld rufen. Doch gibt es zwei ganz wesentliche Unterschiede zum Drumherum etwa bei samstäglichen Dorfjugendspielen: Erstens ist der Austragungsort ein elegant gebautes, graues Stadion am Campus des Rekordmeisters, und zweitens stehen an der Seitenlinie nicht nur die Eltern der Spieler, sondern auch der erfolgreichste WM-Torschütze der Geschichte.

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Miroslav Klose, soviel lässt sich nach einem knappen Dreivierteljahr seines Wirkens am FCB-Campus bilanzieren, legt nicht allzu viel Wert darauf, als Weltmeister, Stürmerlegende oder 307-maliger Bundesligaspieler aufzutreten. Klose leitet Spiele mit einer ruhigen, sachlichen Art, er setzt auf kleine Gesten statt große Ausbrüche, allein das unterscheidet ihn von vielen anderen Jugendtrainern. Sebastian Hoeneß zum Beispiel, U-19-Trainer beim FC Bayern, ruft gerne Floskeln über den Platz ("Mehr Druck machen!"), Klose verwendet solcherlei Redewendungen erst nach den Spielen im Interview: "Wir müssen die Kirche ein bisschen im Dorf lassen", sagte er etwa am vergangenen Samstagnachmittag, kurz nachdem seine U17 die des Verfolgers TSG Hoffenheim mit 3:2 besiegt hatte: "Wir haben heute mit zehn Spielern aus dem Jahrgang 2003 gespielt, am Ende auch noch einen 2004er eingewechselt. Den Jungs fehlt in gewissen Situationen natürlich noch die Erfahrung."

Tatsächlich tat sich seine Mannschaft über das gesamte Spiel hinweg recht schwer mit den favorisierten Hoffenheimern, die im südwestdeutschen Jugendbereich als das Nonplusultra gelten. Körperlich merkte man den jungen Bayern die Unterlegenheit an, auch wenn der zwei Meter große Innenverteidiger Jamie Lawrence und der robuste Mittelfeldregisseur Luca Denk den Unterschied im Zweikampfverhalten ab und an kaschieren konnten. Doch die kleinen Bayern zeigten Moral, kamen nach einem frühen Rückstand in der vierten Minute schnell durch Stürmer Lasse Günther zum Ausgleich in einer furiosen ersten Hälfte, die dank eines Elfmeters schließlich mit 3:2 für die Bayern ausging. Defensiv ließen die Münchner jedoch Großchance nach Großchance zu, Hoffenheim vergab eine nach der anderen. "Spielerisch hat es mir nicht gut gefallen", bilanzierte auch Klose nach dem Spiel: "Wir waren nicht mutig genug und haben nicht schnell genug in das Positionsspiel gefunden, das uns normalerweise auszeichnet. Wir mussten viel gegen den Ball arbeiten, das liegt uns nicht so." In der Halbzeit stellte Klose daher auf eine Fünferkette um und änderte den Stil ein wenig, was im Jugendbereich des FC Bayern, in dem es ja eigentlich nicht um Ergebnisse, sondern um Talententwicklung gehen sollte, doch recht häufig zu sehen ist. Darauf angesprochen sagt Klose, ihm sei die taktische Variabilität seiner Elf nicht allzu wichtig: "Da ist die Mannschaft für ihr Alter ohnehin schon recht weit."

In der Tat ist die Taktik in der bislang überaus erfolgreichen ersten Klose-Saison der U17 eher ein Nebenthema, vielmehr geht es um die optimale Einbindung der Talente in den Spielbetrieb der Bayern. Der Jahrgang 2003 gilt als einer der vielversprechendsten auf dem Campus, vor allem wegen Spielern wie dem 16-jährigen Torben Rhein, der mit seiner Beidfüßigkeit heraussticht und technisch zu den besten deutschen Jugendnationalspielern seiner Altersklasse zählt. Dasselbe gilt für Malik Tillman, ebenfalls 16, der seit der Winterpause bei der U19 spielt; auch bei Rhein dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis er aufrückt.

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Tillmans Weggang schmerzt Kloses U17 vor allem in der Offensive, das war auch gegen Hoffenheim klar erkennbar. Gegen den Ball zu arbeiten ist nicht die Stärke der jungen Mannschaft, vor allem aber nicht der Anspruch der Bayern-Jugend, die in allen Altersklassen das Spiel bestimmen möchte und das, so viel sei gesagt, unter Klose gegen einen Großteil der Gegner auch tut: 16 Siege aus 18 Spielen und die Tabellenführung sprechen eine deutliche Sprache.

© SZ vom 05.03.2019
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