Reisetipps Piemont

Insider Tipps Piemont MARCO POLO Insiderin Annette Rübesamen im Interview

Die gebürtige Münchnerin Annette Rübesamen lebt seit 1995 als freie Reisejournalistin im Piemont in der Nähe von Turin.

Wieso leben Sie in Turin?

Ich hatte damals ein Sabbatical in Ligurien eingelegt, das ein halbes Jahr dauern sollte. Dabei bin ich das erste Mal nach Turin gekommen und war begeistert. Nach Deutschland bin ich dann gar nicht mehr zurückgekehrt, sondern von der ligurischen Küste in die piemontesische Hauptstadt umgezogen.

Was reizt Sie an Turin?

Turin ist eine ungemein faszinierende Stadt, elegant und geheimnisvoll. Hier kann man noch vieles entdecken; anders als in Rom oder Florenz haben nicht schon Heerscharen von Touristen auch die verborgensten Winkel aufgestöbert. Mittlerweile habe ich auch Familie hier; das verbindet mich natürlich noch stärker mit der Region.

Und was gefällt Ihnen nicht so?

Man merkt erst im Ausland, wie deutsch man eigentlich ist. Die Piemontesen gelten als die Preußen Italiens - und trotzdem ärgere ich mich, weil es oft so wenig effizient und ungeordnet zugeht. Und die Luftverschmutzung in Turin sowie die Tatsache, dass sie einfach als gottgegeben hingenommen wird, machen mich wirklich rasend.

Wo und wie leben Sie genau?

Um der schlechten Luft zu entkommen, bin ich mit meiner Familie in die Hügel oberhalb Turins gezogen. Ein Traum! Und mit Bus oder Auto bin ich in 20 Minuten mitten im Zentrum.

Kommen Sie viel im Piemont herum?

Wie alle Italiener sind wir am Wochenende gern unterwegs: zum Bergsteigen in den Alpen, zum Essen und Weinkaufen im Monferrato. Auf diese Weise entdecke ich immer neue interessante Adressen.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich lese, ich laufe durch die Hügel oberhalb Turins oder am Po entlang, und ich koche, nachdem ich auf dem Markt Obst, Gemüse und Fisch eingekauft habe.

Mögen Sie die piemontesische Küche?

Die Küche und die Weine hier sind einfach großartig! Ich liebe die bagna caoda im Winter, in die man in geselliger Runde Gemüse dippt.

Könnten Sie wieder in Ihrer Heimat leben, oder sind Sie „verdorben“?

Das Alter würde ich vielleicht doch lieber am Starnberger See verbringen - vor allem wegen der prima medizinischen Versorgung in Deutschland.