Während Jürgen Rieger mit dem Tod ringt, sorgt sich die rechte Szene um seinen Nachlass - ohne seine Millionen hätte die NPD ein Problem.
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Jürgen Rieger: Erst fünf Tage nach seinem Zusammenbruch gibt die NPD eine Erklärung ab. Foto: dpa
"Es ist richtig, dass Kamerad Jürgen Rieger an einem Schlaganfall gestorben ist". Der Hamburger Neonazi und langjährige Weggefährte Thorsten de Vries spricht im Internet offen aus, was in der braunen Szene seit Tagen für Unruhe sorgt, aber keine offizielle Bestätigung findet.
Auf der Homepage von Riegers rassistischer Sekte "Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft" erscheint als Eingangslogo seit Wochenanfang eine Todesrune und der Spruch: "Besitz stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eins weiß ich, das ewig lebt: der Toten Tatenruhm."
Das klingt bereits wie ein Nachruf.
Nach Recherchen der neu-rechten Jungen Freiheit soll eine "Blutung im Hirn" dann in der Nacht zum Sonntag zum Hirntod des 63-Jährigen geführt haben.
Nur die NPD, deren stellvertretender Bundesvorsitzender der schwerreiche Rechtsanwalt aus dem noblen Hamburger Stadtteil Blankenese seit Mai 2008 ist, mauert. Ungewöhnlich für eine Partei, die sich sonst auf jeden Medienkontakt stürzt und auch vor Negativschlagzeilen nach dem Motto "Auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" nicht zurückschreckt. Hauptsache, die Partei ist präsent.
Diesmal verhält es sich anders. Auch die obersten NPD-Strategen scheinen irgendwie hilflos. Erst fünf Tage nach Riegers Zusammenbruch bei einer Vorstandssitzung am Samstagnachmittag in der Parteizentrale in der Seelenbinderstraße in Berlin-Köpenick gibt es eine zögerliche Presseerklärung, die für manchen Kameraden zynisch klingen mag: "Unser Kamerad Jürgen Rieger kann in diesen schweren Stunden sicher sein, dass wir alle jetzt an der Seite seiner Familie stehen und mit ihr hoffen, Jürgen möge den schwersten Kampf seines Lebens erfolgreich bestehen."
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Insiderinformationen zufolge soll Rieger bereits seit Tagen hirntot sein. Die NPD wirkt teils ahnungslos, nachdem die Familie eine Informationssperre erlassen hat. So scheinen sich gesicherte NPD-Informationen auf den Zeitraum bis zum Schlaganfall zu beschränken, obwohl Riegers Intimus und ständiger Begleiter, Vorstandsmitglied Thomas Wulff, ihn nicht nur in die Berliner Klinik fuhr, sondern auch später bei ihm in einer Spezialklinik in Neukölln geblieben sein soll.
Wulff, Szenename "Steiner", hatte auf Geheiß des Parteivorsitzenden für eine notärztliche Versorgung gesorgt, lässt die NPD wissen. Doch während Hamburger Neonazis bereits sinnbildliche Trauer flaggen, wünscht die Parteispitze in Berlin noch "gute Besserung".
Dieser verwirrende Umstand mag zwei Ursachen geschuldet sein. So ist es längst ein offenes Geheimnis, dass Rieger, der aus einer angesehenen Ärztefamilie in der Elbmetropole stammt und reich an der Elbchaussee heiratete, in der eigenen Familie mit seinem politischen Fanatismus wenig Zustimmung fand.
Seine älteren Kinder sollen bewusst soziale Berufe gewählt haben und auch der Bruder hielt Distanz zu Riegers Hitler-Verehrung und politischen Aktionismus. Riegers Ehefrau starb vor einiger Zeit, zwei seiner jüngeren Kinder stammen aus einer Beziehung zu einer Heilpraktikerin.
Hinter vorgehaltener Hand galt der Anwalt innerhalb der Szene als "Frauenheld" und auch schon mal als Erbschleicher. Von einem engen Draht der Hinterbliebenen zur Parteizentrale in Berlin ist daher kaum auszugehen.
Zudem mag der seit mehr als 30 Jahren aktive Multifunktionär einer der mächtigsten Neonazis bundesweit gewesen sein - mit offenen Armen war er in der NPD-Spitze jedoch nicht aufgenommen worden. Riegers "obsessiver Rassismus" und sein Faible für das Dritte Reich kamen nicht überall gut an. Gemäßigte Nationaldemokraten verschreckte dessen Radikalität.
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