Reisetipps Schottland

Stichworte Schottland

Dudelsack

Klar, dass ein derart schrill quäkendes Instrument mit übrigens neun ganzen Tönen eine Kriegswaffe ist. Die Römer marschierten damit, die Engländer hatten es schon vor den Schotten, und heute quält sogar die jordanische Armee den musikalischen Balg. Eine Zäsur in der Geschichte der Sackpfeife bildet die grausame Schlacht von Culloden: 100 schottische piper wurden damals gevierteilt, England verbot das Dudelsackspiel. Doch die Schotten hatten den längeren Atem, und der hat sich bis heute gehalten - was wohl auch mit der schottischen Cleverness in Sachen Mythosvermarktung zu tun hat.

Erfinder

Der 1881 geborene Alexander Fleming entdeckte nach langen Forschungsjahren das Penicillin und erhielt dafür den Medizin-Nobelpreis. Nicht nur Mediziner und Forscher, auch Erfinder brachte Schottland reichlich hervor: Charles Mackintosh entwickelte die wasserfeste Kleidung; John Dunlop erfand den luftgefüllten Reifen; die Dampfmaschine stammt von James Watt; Alexander Graham Bell ist der Vater des Telefons. Dass ein kleines Land so stark vom Genius gesegnet wurde, hat seine Gründe. So setzte sich der Reformator John Knox schon ab 1546 für eine allgemeine Schulpflicht ein. Der hohe akademische Standard hat sich bis in die Gegenwart erhalten - ob bei der Entwicklung von Mikroelektronik im Silicon Glen oder bei den wissenschaftlichen Versuchen, Erbgut zu manipulieren - man erinnere sich an das Klonschaf Dolly. Das walisische Bergschaf stammte aus Roslin.

Flora und Fauna

Kaledonische Kiefern, Eichen und Birken bedeckten einst das Land, wurden aber zum Großteil ab dem 16. Jh. als Schiffsbaumaterial abgeholzt. Seither gibt es die caledonian pine nur noch an wenigen Stellen. Über Heidemooren, sumpfigen Tälern und steilen Bergrücken kreisen etwa 200 Steinadlerpaare, durch die einsamen Highlands und den zaghaft wieder geförderten Baumbewuchs fressen sich ca. 300000 Stück Rotwild, von denen 70000 pro Jahr zum Abschuss freigegeben werden - ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor. Gleiches gilt für die Jagd auf das Moorhuhn (grouse), dessen Konterfei das Label der gleichnamigen Whiskymarke ziert. An der Westküste und auf den Hebriden wächst dank des milden Golfstromklimas Subtropisches in wunderbar angelegten Gartenoasen.

Fußball

Berti Vogts, genannt „Terrier“, ging zwar schon als Spieler mit typisch schottischem Biss ans Werk, konnte der schottischen Nationalelf als Trainer aber kaum zu Erfolgen verhelfen. Doch nicht bloß über den Kampf finden die Schotten zum Spiel, sondern auch über die Konfession. Fußball ist Religion, vor allem in Glasgow. Zwischen dem von irisch-katholischen Einwanderern gegründeten Verein Celtic und den protestantisch dominierten Rangers wechselt die Meisterschaft hin und her. Wer durch den armen Glasgower Osten schlendert, sollte ein Bier in einem der grün ausgeflaggten Celtic-Pubs trinken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird gerade das Video von 1967 gezeigt. Damals gewann Celtic Glasgow gegen Inter Mailand das Spiel um den Europapokal. Mehr unter www.rangers.co.uk oder www.celticfc.co.uk.

Gälisch

Vor allem die Äußeren Hebriden und die Westküste der Highlands sind Sprachnester, in denen das alte keltische Idiom noch gesprochen wird. Auf den westlichen Inseln sind Straßenschilder zweisprachig, es gibt gälische Radio- und TV-Sendungen wie auch Schulunterricht auf Gälisch. Rund ein Prozent der Bevölkerung beherrscht die Sprache fließend.

Gespenster

Wer mit William Shakespeare, Edgar Allan Poe oder Oscar Wilde aufgewachsen ist, wird sie lieben, die Atmosphäre aus Kettenrasseln und Schlösserstaub, flackernden Kronleuchtern und speckigen Ölbildern: Für Spuk bietet Schottland ein ideales Spannungsfeld. Da wäre z.B. das Cartland Bridge Hotel in Lanark. 1962 wurde das Privathaus in ein Hotel umgewandelt. Doch die Schritte, das Knarzen, der nächtliche Spuk hörten nicht auf. Es sei der Geist der kleinen Annie, der durch die Zimmer irre. Das Mädchen sei bei einem Reitunfall hinter dem Haus tödlich verunglückt und finde seitdem keine Ruhe mehr. Wer auf Geisterspuren wandern will, kann sich bei www.visitscotland über „Haunted Hotels“ informieren.

Kilt movies

Für manchen begann die Entdeckung der schottischen Highlands mit einem Kinofilm: In dem 1985 produzierten Film „Highlander“ rettet Christopher Lambert langhaarig und tartangewandet die Menschheit. Kilt movies wurden zum Blockbuster: „Rob Roy“ z.B., den Michael Caton-Jones 1995 inszenierte, ein Kinofilm wie eine frische Brise aus der Werbung: kleegelbe Wiesen, klare Bäche, nebelumhüllte Gipfel. Das Scottish Tourist Board rieb sich die Hände, denn bald darauf wurden die Drehorte zwischen Loch Lomond und Balquhidder zum Pilgerziel für Cineasten. Aber auch die SNP, die Scottish National Party, so hieß es, habe einen Lieblingsfilm: „Braveheart“. Das Oscar-prämierte Werk, in dem sich Mel Gibson wie ein Gladiator durch feindliche Reihen schlägt, hält für die Nationalisten eine besonders pikante Stelle bereit: Die Highlander heben ihre Röcke und präsentieren den verhassten englischen Truppen die blanken Hinterteile.

Literarisches

In der schottischen Literatur gibt es ein unangefochtenes Dreigestirn: Sir Walter Scott, Robert Louis Stevenson und Robert Burns. Burns (1759-96), der Poet der Kneipen und Spelunken, ist Schottlands Nationaldichter. Zu seinen Ehren isst man am 25. Januar haggis, einen mit Innereien gefüllten Schafsmagen. „To a haggis“ heißt die Ode an jene Speise, die durch Burns in ganz Schottland berühmt wurde. Sir Walter Scott (1771-1832) lebt in seinen historischen Romanen weiter. Und Robert Louis Stevenson (1850-94) hat u.a. mit seinem Roman „Die Schatzinsel“ einen Platz in den Bücherregalen der Welt gefunden. Ein beliebter Autor des 20. Jhs. ist Alasdair Gray. Er schreibt Romane und Geschichten, die er gelegentlich selbst illustriert. In astronomischen Auflagenhöhen schwebt über allen Joanne K. Rowling, die Autorin der „Harry-Potter“-Bücher.

Schotten-Rock

Schottische Kerle tragen nicht nur Röcke, sondern rocken auch klangvoll. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, aber der Name der Band Franz Ferdinand hat ja auch nichts mit deren Musik zu tun. Das Quartett aus Glasgow macht keine Habsburger Hofmusik, sondern Indie-Rock. Die typisch schottische Ouvertüre für die Gründung dieser erfolgreichen Scotrockband waren angeblich eine Schlägerei unter Alkoholeinfluss sowie ein Studium an der Glasgow School of Art, die auch bei anderen Schottenbands eine initiierende Rolle gespielt hat. Da auch die Gruppen Belle & Sebastian, Travis, Delgado, Mogwai und Idlewild aus dem Herzen des Landes stammen, muss man anerkennen, dass zwischen Glasgow und Edinburgh ziemlich häufig der richtige Ton getroffen wird. Der Sound klingt manchmal melancholisch, aber auch das ist eine schottische Tonart.

Tartan und Kilt

Das gälische Wort tartan steht für einen Umhang aus kariertem Wollgewebe, genau wie das altskandinavische Wort kilt. Drei mal sechs Meter machen einen Rock, der Familienclan bestimmt das Muster, die kühle Witterung verlangt die Kniestrümpfe, kleinere Reparaturen erledigt das Messerchen im Strumpf. Eine perfekte Aufmachung für die armen Bewohner der sumpfigen Highlands, die aber ihr Outfit nach der verlorenen Schlacht von Culloden 1746 aufgeben mussten. Gefängnis und sogar Verbannung waren die Folge von Missachtung des neuen englischen Kleidererlasses. 1782 wurde der Rock wieder zugelassen, doch bis dahin waren die alten Muster bereits fast vergessen. Heute wird der Rock vor allem bei Hochzeiten getragen. Vivien Westwood verschaffte dem Männerrock das Entrée in die Modewelt. Wer einen Schotten nach dem Darunter fragt, dem schlägt der Kerl einfach ein Rad.

Whisky

Vom dereinst schwarz gebrannten „Lebenswasser“ hat sich der schottische Whisky in 500 Jahren zum nüchternen Exportschlager entwickelt. Nur ein paar Prozent der gesamten Whiskyvorräte werden als Maltwhisky exportiert, aber gerade der macht den Ruf Schottlands aus. Während Malt aus einer einzigen Destillerie kommt, sind die herkömmlichen Scotchsorten meist geschickt gemixte blends. Schottischer Whisky wird aus gerösteten Gerstenkeimlingen, heißem Wasser und Zucker hergestellt. Dabei wird zwar besonders auf den westlichen Inseln und in den Highlands vom Torf braun gefärbtes Bachwasser eingesetzt, die goldene Farbe erhält der Drink aber erst durch die Lagerung in alten Eichenfässern, in denen zuvor Sherry oder Bourbon reifte. Für die wissenschaftlich herausgefilterten, angeblich etwa 800 Geschmacksaromen sind das Wasser, die Formen der kupfernen Destillierkessel, das Fassholz und sogar die Umgebung bei der Reifung verantwortlich. Denn die luftdurchlässigen Fässer lassen zwar über die Jahre etwas Whisky verdunsten - angels share, „Anteil der Engel“ genannt -, erlauben aber auch dem Aroma von Salzwasser und Seeluft hereinzuschlüpfen, wie etwa bei den Islay-Whiskys Laphroaig oder Lagavulin.