Reisetipps Kanada Ost

Ausflüge & Touren Kanada Ost

Felsbuchten und Sandstrände: Die Atlantikprovinzen

12-14 Tage sollten Sie für die 2100 km lange Rundreise durch die Ostprovinzen Kanadas einplanen. Eine Fahrt zu Fischerdörfern und Lobsterlokalen, zu wellenumtosten Klippen in Nova Scotia, Wäldern und stillen Wattlandschaften in New Brunswick und zu den verblüffend warmen Dünenstränden auf Prince Edward Island. Schönste Reisezeit: Juni-Mitte September.

Von Halifax aus schlängelt sich der Highway 7 entlang der flachen, aber von zahllosen Buchten zergliederten Südküste Nova Scotias ostwärts. Lange Reihen weißer Bojen im dunklen Wasser zeigen, dass um die Fischerorte auch Austern gezüchtet werden. An Land versuchen kleine Farmen, dem kargen Boden etwas Gemüse abzuringen. Noch viel mühsamer - und einsamer - muss das Pionierleben vor 150 Jahren in diesem Küstenstrich gewesen sein, wie das Museumsdorf Sherbrooke Village (am Highway 7) anschaulich dokumentiert.

Jenseits des Damms über die fast 1,5 km breite und 65 m tiefe Strait of Canso wartet das erste große Highlight der Reise: Cape Breton Island mit dem gleichnamigen Nationalpark, den die großartige Panoramastraße des Cabot Trail umrundet. Mindestens zwei bis drei Tage sind für die Erkundungen auf der Insel nötig - und verpassen Sie nicht einen Abstecher in die altfranzösische Forteresse de Louisbourg an der Ostspitze. Ebenso faszinierend: Nahebei in der Bergwerksstadt Glace Bay zeigt das Miners' Museum (im Sommer tgl. 10-18, sonst Mo-Fr 9-16 Uhr | Eintritt 10 $ | 42 Birkley St.), wie früher in kilometerlangen Stollen unter dem Meer Kohle abgebaut wurde.

Zurück von der Insel, geht es durch saftig grünes Farmland auf dem Trans-Canada-Highway weiter durch den Norden Nova Scotias. Sie kommen vorbei an den alten schottischen Siedlungen Antigonish, New Glasgow und auch Pictou, einem betriebsamen Hafenort der Lobsterfischer, deren Arbeit im Northumberland Fisheries Museum (im Sommer Mo-Sa 9-18, So 12-17 Uhr | Eintritt 5 $ | 71 Front St.) erläutert wird. Anfang Juli findet hier ein Lobster Carnival statt.

Das nächste Ziel liegt eine kurze Fährfahrt weiter: die idyllische Inselprovinz Prince Edward Island. Die winzige Hauptstadt Charlottetown verdient unbedingt einen Besuch, danach sollten Sie sich einen Pausentag zum Baden an den rot schimmernden Sandstränden des P. E. I. National Park gönnen - und abends in einem der umliegenden Fischerorte wie etwa North Rustico zum Lobsterschlemmen gehen.

Über die gewaltige, 1998 fertiggestellte Confederation Bridge führt die Route über die Northumberland Strait wieder aufs Festland - nach Cape Tormentine ganz im Süden der Provinz New Brunswick. Weite Marschlandschaften begleiten die Fahrt über Sackville nach Moncton, wo ein seltenes Naturphänomen wartet: Dank des Gezeitenunterschieds von 7,5 m kehrt sich zweimal täglich der Lauf des Petitcodiac River um, und man kann oft sogar eine 30-40 cm hohe Flutwelle beobachten, wenn das Salzwasser gegen den Fluss aufläuft. Sogar noch höher ist der Tidenhub in der Bay of Fundy, deren Ufer der Highway 114 nun südwärts zum Fundy National Park folgt.

Doch auch das Binnenland hat seine Reize, wie sich im Tal des Saint John River zeigt: sanfte Hügel, Wälder, Farmen und auch die Provinzhauptstadt Fredericton mit dem hervorragenden Museumsdorf Kings Landing. Zurück an der Küste, geht es von der großen Hafenstadt Saint John aus per Fähre über die Bay wieder nach Nova Scotia in das Annapolis Valley. Ein höchst geschichtsträchtiges Tal, denn hier siedelten sich in Port Royal im Jahr 1604 die ersten Franzosen in Kanada an.

Südlich von Annapolis Royal taucht der Highway 8 in hügeliges Waldland ein, wo sich im Kejimkujik National Park Gelegenheit bietet, Kanada ganz klassisch zu erleben: per Kanu auf einem der stillen Seen. Trubeliger wird es auf der Rückfahrt nach Halifax entlang der Südküste: Die pittoresken Hafenorte der Region wie etwa Lunenburg, Mahone Bay oder Peggy's Cove leben heute vorwiegend vom Tourismus und laden mit Galerien und Kunsthandwerksläden zum Shopping ein - und mit exzellenten Lokalen zu einem Abschiedsdinner mit frischem Fisch.

Am St. Lawrence Durch Neufrankreich

Der rote Faden dieser Reise durch die „Belle Province“ ist der St. Lawrence, der Schicksalsstrom Neufrankreichs. An seinen Ufern reihen sich bunte Metropolen und alte Pionierdörfer, im Umland warten die Wälder der Laurentian Mountains und die klippengesäumte Gaspé-Halbinsel. In 16-18 Tagen ist die knapp 3000 km lange Tour gut zu schaffen. Beste Zeit: Juni bis Anfang Oktober.

Zwei Tage verdient Montréal, die lebensfrohe Metropole, zum Auftakt der Reise. Von hier aus bringt Sie der Highway 40 durch die fruchtbare Tiefebene des St. Lawrence weiter nach Trois-Rivières. Gelegenheit für einen ersten Abstecher ins Hinterland: in die von den Eiszeitgletschern zerfurchten Laurentian Mountains im Parc national de la Mauricie.

Zurück in Trois-Rivières, geht es auf der Route 138 am Ufer des nun schon mehrere hundert Meter breiten St. Lawrence weiter stromabwärts. Die kurvige Landstraße folgt dem alten Chemin du Roi, den der Gouverneur Neufrankreichs 1737 anlegen ließ, um die Siedlerdörfer und die Güter der Adeligen miteinander zu verbinden. Herrenhäuser, alte Kirchen und Mühlen im normannischen Stil in den kleinen Orten wie Deschambault oder Portneuf erinnern an die Glanzzeiten von Nouvelle France. Noch mehr historisches Flair bieten wenig später die denkmalgeschützte Altstadt von Québec City und die der Stadt vorgelagerte Île d'Orléans mit ihren nostalgischen Bauernorten.

Auch das nächste Routenstück folgt dem Nordufer des St. Lawrence: entlang der Côte de Beaupré nach Baie-Saint-Paul und mit herrlichen Ausblicken über den Strom weiter auf der Route 362 zum hübsch gelegenen Künstlerort La Malbaie. Dann ein weiterer Abstecher in die Berge: in die fast norwegisch anmutende Fjordlandschaft der Saguenay-Region und zum Lac Saint-Jean. Industrieorte wie Chicoutimi - eine Hochburg der Québecer Separatisten - wechseln sich ab mit verschlafenen Dörfern, schroffen Steilufern und Badestränden.

Halten Sie auf der Weiterfahrt die Augen offen, denn um die Mündung des Flusses Saguenay sind oft Wale zu beobachten (Bootstouren ab Tadoussac). Immer wieder bieten sich auf dem Weg nach Baie-Comeau Ausblicke über den St. Lawrence. Die Berge drängen näher an die Küste heran, die Landschaft wird einsamer und nordisch-herber.

Per Autofähre führt die Reise an die Südküste des schon wie eine Meeresbucht wirkenden St. Lawrence. Der Zielhafen Matane liegt bereits auf der reizvollen Halbinsel der Gaspésie, die ihren dramatischen Höhepunkt im Parc national de Forillon findet. Einen Pausentag verdient das Örtchen Percé: für Strandwanderungen oder auch für einen Bootsausflug zu den Vogelkolonien der Île Bonaventure. Sonnige Ferienorte an der Baie des Chaleurs säumen den weiteren Weg um die Halbinsel. Dann geht es zurück nach Westen ins Tal des St. Lawrence. Sehenswert am Weg: der Parc Bic bei Rimouski und das Holzschnitzerdorf St-Jean-Port-Joli.

Auch auf der Autobahnfahrt von Québec City zurück nach Montréal lohnt sich noch ein Abstecher - in das ursprünglich von den Engländern besiedelte Farmland der Eastern Townships um Magog. Waldumrahmte Seen und kleine idyllische Dörfer wie North Hatley sorgen für einen schönen Ausklang der Tour.

Ins Reich der Irokesen und Ojibwa: Ontario

Die Kontraste zwischen belebten Städten und wilder Natur machen die zweitgrößte Provinz Kanadas besonders reizvoll. Hier Toronto und das feine Ottawa, dort die einsamen Seen des Algonquin Provincial Park, die donnernden Niagarafälle und die felsigen Ufer des Lake Huron, nicht zu vergessen die Indianerreservate, etwa auf Manitoulin Island. Die 2300 km lange Fahrt zeigt in 2-3 Wochen die schönsten Ecken Ontarios.

Die berühmteste Attraktion Ontarios steht gleich am Anfang der Tour: die Niagara Falls, nur zwei Stunden Autobahnfahrt südlich von Toronto. Doch dann geht es auf Nebenstraßen weiter: durch das historische Städtchen Niagara-on-the-Lake und durch die Obstplantagen von St. Catharines ins Land der Irokesen. In Brantford zeigt das sehr gute Museum des Woodland Cultural Centre die Geschichte Kanadas - aus der Perspektive der Indianer (Mo-Fr 9-16, Sa/So 10 bis 17 Uhr | Eintritt 5$ | 184 Mohawk St.). Führungen durch das Reservat sind im Odrohekta Visitor Centre am Highway 54 östlich des Orts zu buchen.

Für die Weiterfahrt bleiben Sie auf Landstraßen: Durch beschauliches Farmland bummeln Sie über Kitchener und Mennonitendörfer wie St. Jacobs und Elora nordwärts zur Georgian Bay. Midland war einst wichtiges Siedlungszentrum der Huronen. Lohnend: ein Abstecher in den Vorort Penetanguishene, dessen Museumsdorf Discovery Harbour das Leben der weißen Soldaten und Siedler vor 200 Jahren illustriert.

Zeit für einen Pausentag: an den Stränden von Wasaga Beach oder - für alle Naturfans - in Tobermory an der Spitze der Bruce Peninsula. Im gleichnamigen Nationalpark warten stille Buchten mit glasklarem Wasser und Trails entlang der felsigen Küste darauf, entdeckt zu werden. Eine kurze Fährfahrt mit der „M. S. Chi-Cheemaun“ bringt Sie nordwärts nach Manitoulin Island, der Insel der Ojibwa-Indianer (Museum in West Bay westlich von Little Current, im Sommer häufig Tanzfeste).

Durch eine wildromantische Schärenlandschaft führt die Route weiter nach Norden und dann durch einsame Wälder auf dem Trans-Canada-Highway zur Bergbaustadt Sudbury. Schön für Wildnisfans: eine Kanutour im noch weitgehend unberührten Killarney Provincial Park südlich der Stadt (Bootsvermietung am Highway 637). Weiter nach Osten über North Bay am Ufer des Lake Nipissing und dann nach Süden bis Huntsville. Einen ganzen Tag verläuft die Route durch die typische Landschaft des Kanadischen Schilds - Wälder, kleine Seen, Granitfelsen, so weit das Auge reicht. Ganz ähnlich bleibt die Szenerie im Algonquin Provincial Park, wo sich entlang der Trails oder auf einer Kanutour mit relativ großer Wahrscheinlichkeit Elche und Biber beobachten lassen. So stellt man sich Kanada vor - die Klischees stimmen.

Zivilisierter wird es wieder im breiten Tal des Ottawa River: Kleine Farmen, Apfelplantagen und Gemüsefelder säumen den Highway 17 auf dem Weg zur Bundeshauptstadt Ottawa, die mit ihren hervorragenden Museen und schönen Promenaden einen Tag Aufenthalt wohl verdient. Auf dem Highway 16 geht es entlang des Rideau River, eines historischen Wasserwegs, weiter nach Süden. Nicht verpassen: einen Abstecher nach Morrisburg und zum Museumsdorf Upper Canada Village. Zur letzten Etappe führt die Route dann entlang des breiten St. Lawrence durch die malerische Inselwelt der Thousand Islands (Bootstouren ab Gananoque) zur historischen Universitätsstadt Kingston und dann über die Autobahn 401 am Nordufer des Lake Ontario wieder zurück nach Toronto.